Prien – Mit zunehmend wärmeren Temperaturen, steigender Impfquote und fallenden Inzidenzzahlen lockt auch der Chiemsee wieder mehr Sportler und Freizeitkapitäne zu rasanten Segeltörns aufs Wasser. Für den Chiemsee Yacht Club (CYC) in Prien keimt damit auch die Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder Segelregatten veranstalten zu können. Mithilfe einer neu entwickelten Software soll jetzt sogar die komplexe Abwicklung und Organisation der Wettbewerbe vereinfacht werden.
Der Initiator und Informatiker Dr. Florian Lautenschlager, der für den CYC in der Segelbundesliga startet, ist damit der Lösung eines seit Langem bestehenden Problems nähergekommen. „Die Rolle des Wettfahrtleiters bei Regatten ist eine komplexe Aufgabe und erfordert sehr viel Erfahrung. Man muss wissen, wie lange der Kurs bei welchen Wetterbedingungen und Bootsklassen zu legen ist und dabei auch das Leistungsniveau der Segler berücksichtigen.“
Wettkampfleiter brauchen Erfahrung
Daneben muss der Leiter den Ablauf der Wettfahrt kennen und mit Regattateilnehmern und den Tonnenlegern beim Kursabstecken per Funk und Flaggensignal kommunizieren. Nicht zuletzt ist die Ausrichtung von Regatten übers Wochenende oder von Meisterschaften mit drei bis vier Tagen sehr zeitintensiv. „Das führt dazu, dass nur wenige die Rolle des Wettfahrtleiters übernehmen können und wollen, meist sind es ältere Clubmitglieder“, sagt Lautenschlager.
Im Rahmen einer Anwerbeaktion des CYC von jüngeren Mitgliedern für die Wettfahrtleitung hatte der findige Informatiker und Segler aus Prien eine erhellende Idee: „Ich habe überlegt, wie wir die Einstiegshürden für neue oder noch unerfahrene Wettkampfleiter reduzieren können.“
Es war klar, dass beim Zeitbedarf oder beim notwendigen Regattawissen keine großen Abstriche zu machen waren. „Aber wir können dabei helfen, indem wir die Erfahrungen anderer Wettfahrtleiter beim Legen eines Kurses in ein passendes Software-System gießen.“ Speziell die Berechnung des passenden Kurses anhand vorgegebener Parameter wäre eine große Hilfe, so die Idee. Die Münchner Softwareschmiede QAware GmbH, bei der der Priener Informatiker arbeitet, war von der Idee so angetan, dass sie die Kosten übernahm. Durch persönliche Studienkontakte und enge Verbundenheit gelang es auch, den Fachbereich Informatik der Technischen Hochschule Rosenheim als Partner für das Projekt „Steersman“ (englisch: Steuermann) zu gewinnen. Professor Dr. Florian Künzner war als Hobbysegler von der Idee sofort begeistert: Für die fünf Studierenden, die teilnehmen, hat dieses praxisnahe Projekt den Vorteil, dass sie sich für einen echten Kunden in eine fachfremde Materie, das Segeln, einarbeiten müssen.“
Präsident des
Yacht Clubs begeistert
Pro Jahr werden rund 30 bis 40 Projekte im Bereich Informatik und Wirtschaftsinformatik im Innovationslabor der TH Rosenheim mithilfe von Unternehmen und regionalen Start Ups durchgeführt.
Ebenso begeistert von dem „Steersman“-Projekt und der Kooperation mit Experten war Hermann Wimmer, der Präsident des Chiemsee Yacht Clubs: „Als Pilotkunde teilen unsere erfahrenen Wettfahrtleiter ihr Wissen mit den Studierenden. Wir sind überzeugt, in Zukunft so neue Wettfahrtleiter schneller anlernen und die Fehlerquote rasch reduzieren zu können. Das sichert uns auch in Zukunft die Ausrichtung von Wettbewerben.“