Knappes Ja zu 16 Luftreinigern

von Redaktion

Markt Prien kauft Geräte für 65000 Euro – Kritik an Procedere des Staates

Prien – Harsche Kritik am bayerischen Kultusministerium zur Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Schul- und Kindergärten übte Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Da heißt es vollmundig man unterstützt die Kommunen voll und dann – Pfiffkas“, wetterte Friedrich. Denn die maximale Förderung von 1750 Euro pro Raum entspreche nicht der Realität. Die Geräte sind teurer, weil bei größeren oder verwinkelteren Räumen entsprechende Kriterien beachtet werden müssen. Ein Gerät mit entsprechender Leistung koste rund 3400 Euro.

Trotz allem
keine Garantie
für Präsenzunterricht

Was dem Rathauschef dabei eigenen Worten zufolge „besonders stinkt“: „Präsenzunterricht, Lehrstunden ohne Maskenpflicht und Abschaffung des Mindestabstandes sind dadurch nicht gewährleistet.“ Außerdem: Luftreinigungsgeräte würden das Lüften nicht ersetzen.

Gemäß einem Antrag der Priener CSU-Fraktion hatte die Verwaltung die Lüftungsanlage der Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule sowie Ausstattung weiterer Kinderbetreuungseinrichtungen geprüft und abgefragt. „Uns ist klar, dass die Lüftungsgeräte kein Allheilmittel sind“, betonte CSU-Fraktionsvorsitzende Anette Resch. Aber: Diese Geräte seien ein Baustein für „ein bisschen mehr Sicherheit und erhöhen den Schutz“.

Sämtliche
Einrichtungen
überprüft

Basierend auf dem CSU-Antrag hatte die Gemeindeverwaltung nicht nur wie gefordert die Grundschule Prien überprüft, sondern sämtliche Schuleinrichtungen und Kindertagesstätten kontrolliert. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Ludwig.

Geschäftsführer Andreas Hell stellte das Ergebnis vor. Demnach erfüllt die Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule nach der energetischen Sanierung und der vorhandenen dezentralen Lüftungsanlage sogar eine höhere Filterklasse als die vorgeschriebene Mindestanforderung für derartige Anlagen. „Eine Viren- und Aerosolübertragung über die Umluft ist nach Angaben eines Sachverständigen faktisch ausgeschlossen, wenn der Betrieb der Lüftungsanlage zu 100 Prozent mit Außenluft erfolgt, was bei der Franziska-Hager-Schule der Fall ist“, so Hell.

Im Kindergarten „Marquette“ müssen die Gruppenräume in der Kindertagesstätte mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Notwendig sind hier sechs Luftreinigungsgeräte. Dies sind Kosten in Höhe von 24200 Euro am Beispiel eines Ulm Air X200 samt Wartungskosten mit Filterwechsel und Co.

In der Grundschule Wildenwart wiederum sind vier Klassenzimmer sowie ein Werkraum nachzurüsten. „Dort besteht keine ausreichende Lüftungsanlage. Im Werkraum genüge aber aufgrund der Größe ein leistungsschwächeres Gerät. Kostenpunkt brutto: rund 19000 Euro. Drei Luftreinigungsgeräte werden in der Kindergartencontaineranlage „Prievena“ mit zwei Gruppenräumen und einem Spielzimmer erforderlich. Die Kosten liegen hierbei bei circa 12000 Euro. Der Kinderhort „Wirbelwind“ wiederum muss für rund 8100 Euro mit zwei Luftreinigern – je einer pro Stockwerk – ausgestattet werden.

Anschaffungskosten von rund 65000 Euro kommen für die Geräte auf die Marktgemeinde zu. Aufgrund des staatlichen Förderprogramms sei mit einem maximalen Zuschuss von 28000 Euro auszugehen. Neben den verbleibenden 37000 Euro bleibt die Kommune zudem auf den Wartungskosten sitzen. „Diese sind nicht förderfähig“, erklärte Hell.

Resch befand, dass „uns die Kinder diese 35000 Euro wert sein sollten“. Dem stimmte ihr Parteikollege Ludwig Ziereis zu. Er bedauerte aber, dass der Liegenschaftsreferent nicht zu den Überprüfungen mitgenommen wurde und erhielt auf die Frage, ob die zehn Jahre alte Anlage in der Franziska-Hager-Schule regelmäßig gewartet sei und funktionieren würde ein einhelliges Ja aus der Verwaltung.

Sepp Schuster (AfD) erkundigte sich, warum man diese Beispielgeräte nehmen würde und ob es keine günstigeren gebe. Bürgermeister Friedrich hierzu. „Wir werden Angebote von verschiedenen Firmen einholen. Die Preise variieren nach Raumgröße. Wir müssen aber eine Umwälzung des sechsmaligen Luftvolumens bei maximal 40 Dezibel schaffen. Das schränkt bei der Auswahl der Angebote ein.“

Der Rathauschef wehrte zudem den Vorschlag von Michael Voggenauer (FW/FWB) auf Kauf einer CO2-Ampel als Anzeige, wann gelüftet werden muss, mit einer einfachen Begründung ab: „Die Ampeln sind in den Klassenzimmern schon im Einsatz.“

„Rausgeschmissenes
Geld und steigende
Stromkosten“

Als „rausgeschmissenes Geld“ bezeichnete indes Johannes Dreikorn (CSU) die Anschaffung der Luftreinigungsgeräte. „Fenster auf und zu. Das kann doch jeder. Und das braucht es ja zusätzlich zu den Geräten auch noch. So steigen durch die Geräte die Stromkosten und auch die Energiebilanz“, monierte er.

Knapp, mit 12:10-Stimmen, gab der Gemeinderat letztlich aber grünes Licht für die Beschaffung der insgesamt 16 Luftreinigungsgeräte.

Artikel 1 von 11