Ruhpolding – Nach der ersten Freude machen sich Sorgen und Ernüchterung breit. Eine künftige Beschneiung des oberen Teils des Unternbergs ist Wunsch der „meine Volksbank Raiffeisenbank eG“ und von Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU). In der vergangenen Woche hatte die Gemeinde Ruhpolding gemeinsam mit der Bank und Landrat Siegfried Walch (CSU) bekannt gegeben, dass die Genossenschaftsbank den Unternberg samt Liftanlagen übernehmen wird.
„Völlig aus
der Zeit gefallen“
Wolfgang Altmüller, Vorstandsvorsitzender der „meine Volksbank Raiffeisenbank“, hatte bei der Pressenkonferenz in der vergangenen Woche erklärt, dass in Kürze eine zusätzliche Wasserleitung für einen etwaigen Schneekanonenbetrieb gelegt werden soll. In der kommenden Saison sei aber noch keine Beschneiung geplant.
Als „völlig aus der Zeit gefallen“ bezeichnet Beate Rutkowski, Vorsitzende des Bund Naturschutz Traunstein, die Pläne. „Man muss dort einen See anlegen oder das Wasser vom Tal hinaufpumpen“, erklärt Rutkowski. Die Probleme im Wasserverbrauch seien inzwischen sehr groß, da es entweder sehr viel oder sehr wenig Niederschlag gebe. Laut Altmüller ist genügend Wasser vorhanden.
Hinzu kommt Rutkowski zufolge der Energieverbrauch, der für das Pumpen des Wassers und den Betrieb der Schneekanonen nötig sei. Zumal der Skisport künftig in niedrigeren Lagen einfach nicht mehr durchführbar sei mangels Schnee. „Wir reden über etwas, was in der Zukunft gar nicht amortisierbar sein wird“, meint die Umweltschützerin.
Landrat Walch hatte auf der Pressekonferenz bekräftigt, man werde nichts tun, was der Umwelt schade. Aus seiner Sicht sei eine Präparierung der Piste umweltverträglich, weil das Skigebiet bereits bestehe. Für Rutkowski ist diese Argumentation symptomatisch für die CSU: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will, dass Bayern bis 2040 energieautark wird. „Wie soll das klappen, wenn wir bei jedem Projekt die Energiefrage außen vor lassen?“, fragt sich Rutkowski.
Diesen Punkt kritisiert auch die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl von den Grünen aus dem Landkreis Traunstein. „Gerade Herrn Walchs eigene Partei blockiert aber seit jeher sämtliche Maßnahmen, die wirklich etwas bewirken würden“, sagt Sengl auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Sie wirft der CSU populistische und kurzsichtige Argumente vor. Sie spricht sich ausdrücklich gegen Beschneiung aus, doch auch ein anderer Aspekt stört die Abgeordnete: „Ich sehe es als sehr kritisch an, dass eine Bank, auch wenn es die von mir privat geschätzte VR Bank ist, die Grundstücke und Lifte am Unternberg übernimmt.“ Für sie bleibe unklar, inwiefern die Gemeinde weiter ein Mitspracherecht habe und was passieren könne, wenn die Bank das Areal wieder verkaufen will. Bei der Pressekonferenz hatte Altmüller von einem langfristigen Engagement gesprochen.
Gegen den Skisport generell ist aber auch Sengl nicht und spricht am Unternberg von einem „kleinen, aber feinen Naherholungsgebiet“, dessen Skianlagen erhalten werden sollten. Sengl hätte sich gewünscht, dass vor Vertragsabschluss geklärt worden wäre, was hinter „Erlebnisberg“ genau steckt. Nach Informationen der Chiemgau-Zeitung wurde die Entscheidung für einen Verkauf mit sehr breiter Unterstützung im Gemeinderat beschlossen. War der Gemeinderat also zu blauäugig in seiner Entscheidung in der nicht-öffentlichen Sitzung? Nachgefragt bei Sepp Hohlweger, der für die Grünen im Ruhpoldinger Gemeinderat sitzt. „Das Thema Beschneiung haben wir auch diskutiert“, sagt Hohlweger, der selbst Chalets und Apartments vermietet. Für ihn sei die Priorität auf dem Verkauf und dem Erhalt der Liftanlagen gelegen. Hohlweger versichert allerdings, dass die Grünen die Entwicklung des Unternbergs kritisch begleiten werden und sich im Zweifel auch dagegen wehren werden. Er verweist jedoch auf die Mehrheit der CSU im Gemeinderat. Sowohl Sengl als auch Hohlweger stellen die Frage, ob die Genossen der meine Volksbank Raiffeisenbank mit einer Investition in Beschneiung glücklich sein werden.
Warten auf
konkrete Pläne
Die Diskussion um eine Beschneiung hat auch Paul Höglmüller, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding, überrascht. Denn nicht nur die Bank hat Grund am Unternberg, sondern auch der Staatsforst. Weiter will Höglmüller sich aber noch nicht äußern: „Ich will erst mal abwarten, wie ein Konzept genau aussieht.“ Die Pläne am Unternberg haben auch die Traunsteiner Sektion des Deutschen Alpenvereins überrascht. Sie will sich zunächst in einer internen Sitzung zu einem gemeinsamen Standpunkt verständigen, so Erster Vorsitzender Alfhart Amberger auf Anfrage unserer Zeitung.
Die Bergwacht Ruhpolding hat zum Thema Beschneiung keinen Standpunkt, was aber an internen Statuten liege. „Unser Gebot als Bergwacht ist Neutralität“, sagt Sebastian Nachbar, Sprecher der Bergwacht Ruhpolding.
Weder Justus Pfeifer noch die „meine Volksbank Raiffeisenbank“ waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme für die Chiemgau-Zeitung zu sprechen. Wir werden weiterhin berichten.