Marathon in zwei Tagesetappen

von Redaktion

Über 1000 Sportbegeisterte beim Herrenchiemsee-Lauf 2021 auf der Strecke

Herrenchiemsee/Prien – Sonntagmorgen, kurz vor neun: Glitzernder Morgentau liegt auf dem satten Grün der Wiesen im Umfeld der Seekapelle Hl. Kreuz am nördlichen Ufer der Herreninsel. Ein Idyll, wo normalerweise nur das leise Schnauben der grasenden Pferde zu hören ist, die tagsüber die Kutschen für die Inselbesucher ziehen. Nicht an diesem Morgen. Mit gespitzten Ohren und aufgerichtetem Schweif traben sie die Weide rauf und runter. Denn: Lautes Wecker-Ticken schallt im Kreuzungsbereich der östlichen Seestraße und des Kreuzkapellenweges aus Lautsprecherboxen.

DJ Lumpi und Prima
geben Startsignal

DJ Lumpi alias Alexander Klammer zählt übers Mikrofon die Sekunden runter, bei null knallt’s laut: Prien Marketing-Chefin Andrea Hübner zieht den Abzug der Startpistole durch, rund 120 Läuferinnen und Läufer machen sich auf den langen Weg. Es ist die erste Startwelle am zweiten Tag des Herrenchiemsee-Laufs 2021, zwei weitere folgen in zehnminütigem Abstand, bis alle der 376 Teilnehmenden unterwegs sind. 21,1 Kilometer liegen vor ihnen, eine Halbmarathon-Distanz, aufgeteilt auf zwei Runden. Die Laufstrecke führt auf Waldwegen und Wanderpfaden über leicht welliges Gelände rund um das Königsschloss.

Mit einem großen Teilnehmerfeld feierte der Herrenchiemsee-Lauf an diesem Wochenende nach der Erstauflage im Jahr 2019 und coronabedingtem Ausfall 2020 sein Comeback: mit 1109 angemeldeten Ausdauersportlern. Wer an beiden Tagen an den Start ging, kam in die Sonderwertung „Marathon in zwei Tagesetappen“. Dieses Ziel hatte sich zum Beispiel Christian Denk aus Rimsting gesteckt. „Das Besondere an diesem Marathon ist die anspruchsvolle Strecke, da geht’s mehr rauf und runter, als erwartet.“ Für seinen Samstagslauf habe er eine Stunde und 40 Minuten gebraucht, sagte der 37-jährige Hobbysportler der Chiemgau-Zeitung. Am Sonntag ging es für ihn mit 1:41:27 ins Ziel und er belegte damit in seiner Altersklasse den fünften Platz.

Mit seinem Samstagsergebnis von 1:50:48 zeigte sich der Aschauer Harald Mair zufrieden. Sein Ziel war es, unbedingt unter zwei Stunden zu bleiben. Was er dann am Sonntag mit 1:59:18 auch geschafft habe. Dafür musste er auf den letzten drei Kilometern allerdings noch einen Schlusssprint hinlegen, so der 56-Jährige schmunzelnd.

Für ungläubiges Staunen, aber auch kräftigen Anfeuerungsapplaus entlang der Strecke sorgten zwei ältere Teilnehmer: der sehbehinderte Manfred Krüger aus Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern, und der 80-jährige Dirk Waltenbauer aus Prien. Der über 70-jährige Krüger – Zweiter Vorsitzender des Vereins SV scn energy Torgelow – wurde an beiden Tagen von Begleitläufer Bernhard Fladerer sicher über die Distanz geführt. Ihre Zeiten: 2:33:28 und 2:35:46.

Dirk Waltenbauer war mit 3:20:22 am Sonntag etwas länger unterwegs – was seinem hohen Alter geschuldet ist. „Ich wollte zwar etwas schneller sein, bin aber mit der Zeit zufrieden“, sagte der bald 81-Jährige nach dem Lauf. Antrieb für ihn sei seit Jahrzehnten die Liebe zum Langstreckenlauf, wie er der Chiemgau-Zeitung versicherte. In seinem Leben sei er 57 Marathons gelaufen, an allen Ecken der Welt, unter anderem auch in New York. Beeindruckt war er von dem lautstarken Empfang, der ihm am Ende beim Zieleinlauf bereitet wurde. Am Samstag hatte Priens Bürgermeister Andreas Friedrich als Starter 733 Laufbegeisterte in mehreren Startwellen ab 15.30 Uhr auf die Strecke geschickt. Mit Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing (PriMa), übernahm er auch die Siegerehrung (Gesamtergebnisse siehe OVB Sport in der nächsten Ausgabe).

Touristischer
Effekt für die Region

Sehr zufrieden mit der Veranstaltung zeigte sich Andrea Hübner. „Die München Marathon GmbH führt in unserem Auftrag den Lauf durch. Wir sind Kooperationspartner, haben den Lauf beworben und sorgen für das Rahmenprogramm“, so Hübner. Der „touristische Effekt“ sei groß, „beim ersten Lauf in 2019 haben etwa 700 Teilnehmer in Prien übernachtet. 2022 sind wir mit dem Herrenchiemseelauf wieder am Start, sofern die Schlösser- und Seen-Verwaltung dem zustimmt“.

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