Prien – Das große C der Orgel in der Priener Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist so tief, dass die Zuhörer ob dieser Tongewalt kurz die Luft anhalten. Beim höchsten Ton dieses Instruments hingegen ist nur ein Fiepen zu vernehmen. Doch die 50 Register dieser berückend schönen Orgel im Barockstil, die am Kirchweihsonntag vor 26 Jahren geweiht wurde, bieten noch viel mehr, wie eine Orgelführung am Samstag bewies.
Erbauungsjahr steht im Deckenfresko
Organist Bartholomäus Prankl bot im Rahmen des Jubiläums – das echte Silberjubiläum der Orgelweihe fiel vergangenes Jahr Corona zum Opfer – Orgelführungen für Groß und Klein. Und dass die Orgel zu Recht die Königin der Instrumente genannt wird, auch davon konnte Prankl die Besucher überzeugen. Wobei eigentlich nicht mehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten war, denn schon von unten mutet die 1738 von Johann Christoph Egerdacher erbaute Orgel prächtig an. Im Deckenfresko von Johannes Baptist Zimmermann ist die Jahreszahl verewigt.
Die erste Orgel bekam die Kirche Anfang des 17. Jahrhunderts, die Woehl-Orgel wird als das sechste Orgelwerk bezeichnet, denn dazwischen lagen viele Umbauten. Oben auf der Empore erklärte der Kirchenmusiker dann eindrücklich, detailreich und unterhaltsam die Einzelheiten dieses großen Instruments.
Besonders auffällig ist die Farbigkeit wie das „Preußisch-Blau, silber unterlegt“, bei der man sich an der ur-sprünglichen Egedacher Orgel orientierte. Das Rückpositiv, also das, was der Organist am Spieltisch im Rücken hat, wurde neu geschaffen.
Die neue Woehl-Orgel besitzt 50 Register, auf drei Manuale und Pedal verteilt. Damit sei die ganze Bandbreite der Orgelmusik spielbar, so Prankl. Übereinander liegen die Manuale für das Rückpositiv – „das klingt dann präsent für die Kirchengemeinde“ – für das Hauptwerk und für das Schwellwerk. Das Schwellwerk steht dahinter, die Pfeifen des Großpedals sind links und rechts des Hauptgehäuses untergebracht.
Gut 3000 Pfeifen aus Holz oder Metall besitzt die Orgel, die laut Prankl alle in der Kirche intoniert wurden. Der Großteil steht im Orgelgehäuse, manche der Pfeifen sind sogar viele Meter hoch. Die Register Fagott und Trompete im Hauptwerk sind bis A4 ausgebaut und als Extensionen in der Achter- und Vierer-Lage im Hauptwerk und im Pedal spielbar.
Und schon wird es mathematisch, denn die Fußangaben bedeuten unterschiedli-che Oktaven, rechnete Prankl vor. Das C in 4‘ klingt eine Oktave höher als das C in 8‘ (mit 30 Zentimetern Länge) und das C in 2‘ dementsprechend noch einmal eine Oktave höher.
Prankl blies in eine Me-tallpfeife und erklärte: „Mit Deckel drauf wird es eine Oktave tiefer.“ Der Vorführeffekt veranschaulichte das. Da die Metallpfeifen auf Temperaturen stark reagieren, könne es passieren, dass im Sommer die Stimmung der Orgel um fast einen Ton steigt, im Winter hingegen könne die Orgel sehr tief klingen, erzählte Prankl. Deshalb müsse sie auch regelmäßig angepasst werden.
Acht Bälge speisen
das Windsystem
Das Instrument verfüge über ein symphonisches Windsystem, das aus acht Bälgen gespeist werde, die im Chorpodest links von der Orgel versteckt seien. Die Spieltraktur sei mechanisch, die Registertraktur hingegen elektrisch und könne mit einem Tritt, dem sogenannten Registercrescendo, bedient werden.
Die elektronische Setzeranlage, die im Jahr 2020 grundlegend erneuert wurde, besitzt laut Prankl 11264 Kombinationen mit zehn Benutzerebenen, die per Zifferncodes geschützt seien. „Das macht es für die Organisten praktisch“, begründete Prankl die aufwendige Auflage.
Sagt es und stimmt zum Abschluss das wohl mit Abstand bekannteste Orgelwerk europäischer Kunstmusik an, die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach, BWV 565. Auch wenn heutzutage angezweifelt werde, ob tatsächlich Bach der Komponist war, sei das Orgelleidenschaft pur, wie Prankl erzählt. Und damit war klar, wer hier der Chef beziehungsweise die Chefin ist: Die Orgel heißt nicht zu Unrecht die Königin der Instrumente.