Damit die Ernte lange schmeckt

von Redaktion

Wie Familie Perl vom Obst- und Gartenbauverein Prien und Umgebung Früchte einwintert

Prien – Was tun mit der Herbsternte während der Winterzeit und wie können die schönen Blumen vom Herbst bis zum Frühling überwintern? Diesen Fragen stellte sich Felix Perl senior von Prien-Ernsdorf als Vorsitzender vom Obst- und Gartenbauverein Prien im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Er gab zuweilen verblüffende Antworten für einen Verein, der sich seit 1908 der Gartenkultur und Landespflege verschrieben hat. Verblüffend deswegen, weil gerade in Corona-Zeiten mit vielerlei Einschränkungen gelebt und gedacht und dennoch eine Vielfalt an kulinarischen Möglichkeiten aufgezeigt wird.

Der Weinberg
wurde neu bepflanzt

In den beiden letzten Sommer-, Ernte- und Vereinsjahren sorgte die Epidemie dafür, dass Versammlungen, Gartenbegehungen und Kurse ausfallen und abgesagt werden mussten. Lediglich die Neubepflanzung des Weinberges konnte als Vereinsaktivität 2021 durchgeführt werden (wir berichteten). Doch viele der derzeit 417 Mitglieder ließen sich von Corona nicht einschüchtern, schon gar nicht der Vorsitzende mit seiner Familie.

Was aus dem Garten des Sommers und Herbstes im Winter auf den Tisch kommen kann, das zeigte in der guten Bauernstube die Familie mit eingemachten Beispielen: Sauerkraut, Tomaten, Essiggurken, Paprika und auch verschiedene Obstsorten warten in ihren Gläsern auf den Verzehrtag. Gelbe Rüben (im Sand), Grün- und Chinakohl vom Hochbeet oder Zuckerhut- und Radicchio-Salat aus Kisten, die in der Garage stehen, erweitern die Vielfalt, sorgen in den Winter hinein für aktuelle Frische und ergänzen so manches Marmeladen-Eigenerzeugnis vom „Saltner-Hof“.

Überraschend vielfältig sind auch die Apfel-, Birnen- und weiteren Obstsorten. „Seit 40 Jahren ist es mein Hobby, dass ich an der Südseite unseres Bauernhofes eher exotische Früchte ernten kann. So zum Beispiel asiatische Kiwis, Maroni von einem großen Baum oder japanische Weinbeeren. Sie gelingen, weil wir vom Chiemsee begünstigt ein gutes Ortsklima in Ernsdorf haben.“ Das Obst wie zum Beispiel die Winteräpfel werden für den eigenen Verzehr eingelagert, was darüber hinaus geerntet wird, das wird mit der örtlichen Obstverwertungs-Genossenschaft zu Schnaps gebrannt oder anderweitig zum Versaften gebracht.

Noch bis vor wenigen Monaten war Felix Perl auch Erster Vorstand der Obstverwertungsgenossenschaft Prien, dieses Amt gab er satzungsgemäß und aus Altersgründen an Christian Steinbichler weiter. Dabei gab es im Übrigen eine zweite Änderung: Georg Fischer junior übernahm von Peter Fischer senior aus Ernsdorf den Aufsichtsratsvorsitz.

Blumenschmuck-Wettbewerbe waren viele Jahre eine der wichtigsten Aktivitäten des Vereins, doch auch diese gab es in den letzten Jahren nicht mehr. Dennoch zierten auch im vergangenen Jahr die Balkone, Häuser und Gärten von vielen Mitgliedern. Um die Farben- und Blumenpracht über den Winter zu retten, gilt es, diese in temperierte Winterlager oder auf dem Dachboden zwischenzulagern. Dies gilt hauptsächlich für Geranien, aber auch für Aspragus, Lilien, Kaktus, Rosmarin oder Lorbeer.

„Damit diese von Läusen verschont und richtig gepflegt werden, werden Stäbchen oder bei Frischluft im Frühjahr Knoblauch-Tee eingesetzt. Oft werden die Balkonblumen wie Geranien auch alle Jahre neu besorgt und die vormaligen Blumen werden im Spätherbst, meist mit Eintritt des ersten Frostes entsorgt“, erklärt Resi Perl.

Manche Gärtnereien bieten einen Winter- und Service-Dienst an, indem sie einen eigens geeigneten Platz für frostempfindliche Pflanzen und Blumengestecke anbieten. Viele Jahre war dies auch bei der Priener Firma Rother der Fall. Wie dessen Chef Philipp Rother mitteilte, ist dies seit ein paar Jahren wegen räumlicher Änderungen nicht mehr möglich. Deshalb verweisen er und sein Team bei Anfragen an die Kollegen der Gärtnereien Maier (Eggstätt), Gruber (Halfing) und Glanz (Unterwössen).

Lilien und Kaktus über den Winter bringen

„Garten ist ein Geschenk, aber auch viel Arbeit“, so die große Familie Perl generationenübergreifend und übereinstimmend. Doch lohnt sich nach ihrer Ansicht der Einsatz. Je nach Witterung beginnen die Tätigkeiten schon zum Jahresbeginn wieder, zum Beispiel das Obstbaumschneiden nach dem Frost, das Ziehen von Tomaten- und Paprika-Pflanzen und das Setzen von Salaten, die nach Möglichkeit erstmals an Ostern geerntet werden können.

„Hoffen wir, dass wir heuer vom Hagel und sonstigem Unwetter verschont bleiben, im Vorjahr gab es zweimal Beeinträchtigungen. Wichtig aber wäre auch, dass wir wieder unsere Veranstaltungen und Zusammenkünfte und damit auch den fachlichen Austausch wie vor Corona durchführen können“, so Felix Perl zu seinen winterlichen Natur-Betrachtungen.

Artikel 10 von 11