Chieming – Mit Klaus Spatzl ist in der Christnacht ein beliebter Chieminger Bürger im Alter von fast 78 Jahren nach langjähriger Krankheit verstorben. An seiner Beerdigung nahmen viele Freunde und Bekannte aus der näheren und weiteren Umgebung teil. Klaus Spatzl hat sich vielseitig am aktiven Vereinsleben zahlreicher Ortsvereine beteiligt und zog als begabter Chiemsee-Maler mit seinen Öl-Bildern nicht zuletzt durch verschiedene Ausstellungen im gesamten Chiemgau viele Kunst-Liebhaber in seinen Bann.
Die Harmonie der
Farben beherrscht
Sein enger Freund, der 85-jährige Maler-Meister Sepp Hartmann aus Chieming, trauert um Klaus Spatzl als „ausgesprochen guten Maler, der ideenreich war, von der unmittelbaren Wahrheit weg gekommen ist, Farben anders gesetzt und die Farbenharmonie ausgezeichnet beherrscht hat. Er war ein echter Künstler.“
Der Verstorbene gehörte von 1993 bis 2016 der Künstlergruppe „Chiemgau-Palette Traunstein“ an, er malte vorwiegend mit Ölfarben Bilder vom Chiemsee, zu dem er als begeisterter Segler ein ganz besonderes Verhältnis hatte. Seine Erfahrungen mit den verschiedenen wetterbedingten Stimmungen des Sees spiegelten sich in den vielseitigen Motiven des Künstlers wider. Auch mit Landschaftsbildern, Porträts und Moderner Kunst sorgte Spatzl für Begeisterung.
Klaus Spatzls Töchter Nicole und Nadine sowie Pater Gabriel gaben in der Trauerfeier einen Einblick in das bewegte und vielseitige Leben des herzlichen Vaters. Der gebürtige Traunsteiner wuchs in Chieming auf, war schon in der Jugend dem Sport, der Kunst und der Musik verbunden – auch wenn er außer der Maultrommel kein anderes Instrument gelernt hat.
Seine sportlichen Aktivitäten erstreckten sich durch sämtliche Bereiche, vom Fußball bis zur Leichtathletik und vom Skifahren bis zum Segeln – auch Skispringer wollte er werden, verriet er seinen Töchtern.
1965 lernte Klaus Spatzl mit Christl die Liebe seines Lebens kennen, die er 1969 heiratete. Nach der Schule begann er im Tabakgeschäft seines Vaters zu arbeiten. Von 1971 bis 2004 war er Bezirksstellenleiter für Süd-Lotto. Über seine lang währende Krankheit sagte Tochter Nadine: „Der Papa war ein Pragmatiker. Mit seiner Willensstärke hat er den Krebs sieben Jahre lang verdrängt. Die Krankheit hat mit Papa gelebt, nicht Papa mit der Krankheit.“
Klaus Spatzl war nicht nur Jahre lang Vorsitzender des Chieminger Segelclubs, sondern auch fast 40 Jahre lang Bestandteil der Chieminger Segel-Crew, die viele Segel-Törns im Mittelmeer und in der Karibik verband, wie sein langjähriger Segel-Freund Hannes Fortner sagt. Mit Hannes Fortner stürzte sich Spatzl auch in sein größtes Segel-Abenteuer. Die beiden starteten im Juli 2004 mit einer gemeinsam gekauften Yacht von Kroatien aus zu einer zweijährigen Weltumsegelung, die allerdings nach 78 Tagen und einer „Kurzreise von 2900 Seemeilen, also 5300 Kilometern“ abrupt auf Ibiza endete, weil Hannes Fortner durch ein Augenleiden zur Aufgabe der Weltumsegelung gezwungen wurde.
Tagebuch einer
Weltumsegelung
Die Details zu „Vorbereitung und Start einer langen geplanten Weltumsegelung“ hat Spatzl in seinen über hundert Seiten umfassenden und gedruckten „Tagebuchaufzeichnungen“ der Nachwelt hinterlassen. Am Ende des Tagebuches ist ein Selbstporträt Spatzls abgebildet mit dem von ihm gewählten Untertitel „Der etwas geknickte Autor mit seiner geplatzten Idee.“
Als echter Chieminger beteiligte sich Spatzl in vielen Ortsvereinen. So stand er bei den Fußballern des TSV Chieming in den 1960ern und 70ern als Stürmer auf dem Platz, wie sich sein ehemaliger Klassenkamerad Ewald Enzinger noch gut erinnern kann: „Der Klaus war in jeder Hinsicht begabt und überall dabei.“ 1972 wurde Spatzl als Chieminger Leichtathlet ausgewählt, um als Staffelläufer das olympische Feuer zwischen Athen und München etwa drei Kilometer im Raum Inzell zu tragen.
Beim Männerxangsverein Chieming war Spatzl 25 Jahre lang der Erste Vorsitzende. Der Männerxangsverein sang dem verstorbenen Kollegen die Seelenmesse von Sepp Rubenberger und Elke Müller, am Grab wurde Klaus Spatzl mit dem Lied „Das menschliche Leben“ und dem „Hoe-Jodler“ würdevoll verabschiedet. Mit drei Böllerschüssen und musikalischen Klängen der Chieminger Bläser wurde eine Beerdigung beschlossen, die eigentlich eine Lobeshymne für ein erfülltes (Künstler-) Leben war.