Wohlfühl-Urlaub statt nur Applaus

von Redaktion

Hanznhof in Bernau lädt Intensivpflegerin mit ihrem Sohn zur Erholung ein

Bernau – Sandra und Eduard Wierer vom Hanznhof in Bernau haben eine Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesiepflege am Romed-Klinikum Rosenheim mit ihrem vierjährigen Sohn zum Erholungsurlaub eingeladen. Damit bedanken sie sich bei der alleinerziehenden Mutter stellvertretend für alle Angehörigen von Pflegeberufen, die in Zeiten von Corona bis an die Grenzen der Belastbarkeit in den Krankenhäusern arbeiten.

53 Betriebe an der
Aktion beteiligt

„Urlaub statt Applaus“ – dieses klare Motto gab nach fast zwei Jahren der Pandemie die Ferienplattform www.landreise.de heraus und der Ruf fand beim Mitgliedsbetrieb Hanznhof in Bernau Gehör.

Die Wierers beteiligten sich als einer von 53 Betrieben von der Ostsee bis Südtirol und nahmen Bewerbungen für einen fast einwöchigen und kostenlosen Erholungs- und Erlebnis-Urlaub entgegen.

Die Wahl fiel auf Elisabeth aus Rosenheim mit ihrem vierjährigen Sohn Lukas. Ihren Nachnamen möchte die Pflegerin nicht in der Zeitung lesen, um ihre Familie in der aufgeheizten Stimmung vor eventuellen Anfeindungen von Corona-Maßnahmengegnern zu schützen.

Für Sandra Wierer, die auch Geschäftsführerin der Anbietergemeinschaft „Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein“ ist, war es eine schnelle Entscheidung und Selbstverständlichkeit, dem bundesweiten Aufruf zu folgen, wie sie gegenüber den OVB-Heimatzeitungen sagte. „Natürlich erleben wir seit der Pandemie große Nachteile für unseren Übernachtungsbetrieb, aber was Leute im Pflege- und Intensivbereich leisten, das wollen wir mit einer konkreten Tat honorieren.

Verstärkt wurden wir in dieser Entscheidung, als uns ein junger Stammgast von seinem Intensiv-Aufenthalt und von der von ihm erfahrenen Pflege erzählte.“

Für Elisabeth ist die Aufenthalts-Spende in der Fünf-Sterne-Ferienwohnung nicht nur eine Überraschung und ein Dankeschön, sondern vor allem eine Wohltat. Seit 14 Jahren ist sie als Krankenschwester bei der Romed-Klinik in Rosenheim tätig, einige Zeit auch in der Intensiv-Abteilung. Auf die Frage, was sie seit Corona am meisten bedrückt, erklärt sie im Gespräch: „Wenn Angehörige lange Zeit ihre Lieben und Kranken nicht besuchen können, ist das hoch emotional. Selbst hat man natürlich auch Angst, dass man eine Ansteckung mit nach Hause bringt.“

Wie sie erzählt, habe sie sich bereits bei der ersten Corona-Welle ebenso wie ihr Sohn mit dem Virus infiziert, zum Glück beide mit einem guten Verlauf. Für die Alleinerziehende mit Nacht-Schicht-Dienst ist die berufliche Erfüllung nicht einfach, sie wird daheim von ihren Eltern und ihrer Oma unterstützt und gestützt.

Impfpflicht: „Jede
Kraft wird fehlen!“

Zur Impfpflicht gefragt meint sie: „Die behördliche Anordnung, bis März geimpft sein zu müssen, macht es für unseren Berufsstand spannend. Schließlich sind wir global die einzige, noch dazu am Limit arbeitende, Berufsgruppe, für die es gilt.“ Falls es da zu Kündigungen komme, werde es bei der ausgereizten Arbeitsplatz-Situation fatal: „Jede Pflegekraft, die wir verlieren, wird schwer fehlen.“ Als makaber bezeichnete sie die Rosenheimer Demos gegen Corona-Maßnahmen im Angesicht der Intensiv-Abteilung vom Romed-Klinikum.

Für ihren Sohn Lukas waren die Tage bei der Familie Wierer mit traditionellem Hof-Wochen-Programm etwas Außergewöhnliches. Vom Ponyreiten am ersten Tag über Ziegen füttern, Kühe melken und Meerschweinchen streicheln ging es über eine Nachtwanderung mit Feuerschalen-Atmosphäre zu einer Kutschfahrt mit dem Seppnbauern.

„Es hat uns wirklich gutgetan!“ Dieses Resümee trafen sowohl die Krankenschwester als auch die Gastgeber. Diese erklärten zudem, dass sie – je nach aktuellem Pandemie-Verlauf – die Einladungs-Aktion gerne wiederholen wollen.

Auch die Tourist-Information Bernau war von der Aktion „Urlaub statt Applaus“ angetan. Deren Marketing-Leiterin Claudia Rieling bedankte sich auch namens der Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber mit einem kleinen Präsentkorb mit regionalen Spezialitäten bei der Fachkrankenschwester.

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