Marwang – Seit fast 40 Jahren gibt es das idyllisch gelegene Altenheim Marienstift Marwang unter der Trägerschaft des Vereins für Krankenpflege und Altenbetreuung Grabenstätt (seit 1982, zuvor wirkten dort über 60 Jahre lang die Niederbronner Schwestern). Das kleine, familiäre Seniorenheim mit seinen aktuell fünf Bewohnern sucht landauf, landab seinesgleichen. Leider ist es nun aber auch diese Einzigartigkeit, die dem Marienstift und dessen ehrenamtlichem Trägerverein zum Verhängnis wird.
Dilemma nur mit Spenden gemeistert
„Da wir mit unserer Einrichtung in kein gesetzlich vorgegebenes Schema passen, durften wir unsere Heimkosten seit 21 Jahren nicht erhöhen und Preiserhöhungen, wie sie nun laufend erfolgen, nicht auf die Bewohner umlegen.“ So erläuterte die Vorsitzende des Trägervereins, Ursula Erl, in der Jahreshauptversammlung in der Schlossökonomie das finanzielle Dilemma, das über viele Jahre nur mithilfe von Spenden gemeistert werden konnte.
Die Rücklagen hätten sich in den letzten drei Jahren um rund 80000 Euro verringert, betonte Kassier Hannes Biller und warnte: „Wenn wir so weiter machen, sind wir spätestens in drei Jahren pleite.“ Aktuell belaufen sich die Rücklagen laut Biller noch auf 61000 Euro. Angesichts dieser ernüchternden Zahlen und Prognosen entschieden die anwesenden Mitglieder schweren Herzens mit 21:1 Stimmen, die Trägerschaft für das Altenheim im Herbst 2023 zu beenden.
Besonders Irene Riede, Ehrenvorsitzende und Mitbegründerin des Altenheims, ging dies sehr nahe. Sie hatte vor der Abstimmung noch angefragt, warum man nicht die drei leer stehenden Zimmer belege, um mehr Einnahmen zu generieren. Erl erklärte dies unter anderem damit, dass Heimleiterin Juliane Ehrenleitner erkrankt sei. Doch selbst mit einer Vollbelegung (acht Bewohner) wäre ein wirtschaftlicher Betrieb nach Lage der Dinge nicht zu gewährleisten.
Zum ungeklärten Status des Marienstifts muss man Folgendes wissen: Es ist weder ein Pflegeheim, in dem die Bewohner rundum versorgt und nach Bedarf gepflegt werden, noch wird dort ambulant betreutes Wohnen angeboten. „Wir können bei uns im Haus keine Pflegebedürftigen betreuen und Bewohner, die eine Pflegestufe erhalten, müssen leider ausziehen“, so Erl.
Auch das einzig verbliebene mögliche Modell „Betreutes Wohnen“, das auch seitens des Landkreises Traunstein und des Bezirks Oberbayern empfohlen worden war, erwies sich letztendlich als nicht umsetzbar. Hier würden die Bewohner Miete für ihr Zimmer und die Nebenkosten zahlen und müssten dann zusätzliche Dienstleistungen wie Zimmerreinigung, Wäschewaschen, Essen und Pflege von einem externen Dienstleister kostenpflichtig hinzubuchen.
Erl zufolge würden sich die Abläufe im Heim damit vollkommen verändern. Zudem würde man für „Betreutes Wohnen“ eine zweite Fluchttreppe benötigen, was bei einem unter Denkmalschutz stehenden Haus baulich nicht ohne Weiteres umsetzbar sei. Selbiges gelte für den damit einhergehenden Umbau des Treppenhauses und den Einbau eines Aufzuges. Die aufwendigen Umbauarbeiten würden nach Einschätzung des Architekten Henry Scholtysik knapp 530000 Euro kosten, so Erl. Hinzu kämen die Kosten für eine neue Heizung, deren Wärmepumpe nach Angaben des Zweiten Vorsitzenden, Herbert Hofmann, nicht mehr gut funktioniere, der Umbau der Küche und die Dachreparatur. „Dieses Geld haben wir nicht“, so die Vorsitzende.
Zuschüsse nur bei Wirtschaftlichkeit
Während der Baumaßnahmen müssten alle Bewohner ausziehen. Zudem habe man erfahren, dass sich „Betreutes Wohnen“ erst ab zehn bis zwölf Bewohnern rechne. Zuschüsse gebe es nur, wenn eine gewisse Wirtschaftlichkeit gegeben sei. Abgesehen davon habe man das Haus nur in Erbpacht von der Diözese, „es gehört uns nicht“, erinnerte Erl.
„Keinem geht es gut nach so einer Entscheidung, aber sie war aus meiner Sicht unausweichlich, so konnte es nicht weitergehen“, betonte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer. Es könne nicht immer eine so hohe Spendenbereitschaft wie in der Vergangenheit erwartet werden. Ungewiss sei auch, wie der unverzichtbare ehrenamtliche Helferkreis zukünftig aussehe.