Priener Chöre trotzen dem Trend

von Redaktion

Singen ist gesund und macht glücklich! Das belegen Studien: Beim Singen werden Glückshormone ausgeschüttet. Laut Deutschem Chorverband ist die deutsche Laienchorszene in den letzten drei Jahren von 15000 auf 13000 Chöre geschrumpft. Aber wie sieht es in Prien aus?

Prien – In Prien gibt es eine bunte Chorszene. Allein die Pfarrei Mariä Himmelfahrt hat sechs Vokalensembles, den Kinderchor, den Jugendchor, die Choralschola, den Vesperchor, die Capella Vocale und die Chorgemeinschaft. Mit derzeit 110 aktiven Sängerinnen und Sängern und vier Instrumentalschülern zählt die Priener Kirchenmusik zu den Einrichtungen, die die Corona-Krise relativ unbeschadet überstanden hat. Chorleiter und Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl kann von einem hohen Zulauf im Kinderchor berichten, ebenso im Kammerchor. Die Chorgemeinschaft ist zahlenmäßig stabil, wobei sich hier Austritte und Neuzugänge die Waage halten.

Gesucht sind
Männerstimmen

Bei den Erwachsenenchören sind die Männerstimmen rar. „Aber bei uns sind Erwachsene aller Stimmlagen herzlich willkommen, wenn sie die nötigen Voraussetzungen mitbringen: Gute Fähigkeiten im Notenlesen, eine bildungsfähige Stimme und vor allem viel Freude am gemeinsamen Einstudieren und Aufführen anspruchsvoller Literatur.“ Kontinuierliche Probenarbeit von Kindesbeinen an und ein hoher musikalischer Anspruch beim Musizieren in Gottesdiensten und Konzerten sind Prankls Rezept für seinen optimistischen Blick in die Zukunft der Chor- und Kirchenmusik.

In der evangelischen Christuskirche macht das Singen ebenfalls einen Großteil der Kirchenmusik aus. Die Kantorei probt mit Sieglinde Zehetbauer, Kirchenmusikerin und Opernsängerin, einmal die Woche. Auf der Homepage der Gemeinde wirbt der Chor damit, dass man hier mit Freude und Konzentration in einer netten und aufgeschlossenen Chorgemeinschaft ein überraschend buntes Repertoire von Klassik über Taizé bis Filmmusik erleben kann.

Zehetbauer betont, dass man ein Gefühl für Rhythmus und Gesang mitbringen soll, „dann geht‘s auch mit geringeren Notenkenntnissen“. Der kürzlich abgehaltene Stimmbildungs-Chorworkshop für 50 Sängerinnen und Sänger war ein großer Erfolg. „Wir hatten viel mehr Anmeldungen als Plätze“, so Zehetbauer.

Auch in der Kantorei sind Männerstimmen gesucht, „vor allem gute Bässe, aber auch alle anderen Stimmlagen sind herzlich eingeladen, regelmäßig mitzusingen und mitzuproben,“ wirbt Zehetbauer.

Ähnlich sieht es bei der Liedertafel aus. Laut Ute Günther, Vorsitzende, fehlt auch hier männlicher Nachwuchs, vor allem Tenöre. Einen reinen Männergesangverein gibt es nicht mehr in Prien.

Geselligkeit spielt
eine große Rolle

Aus der 1852 als Männerchor gegründeten Liedertafel wurde in den 70er-Jahren ein gemischter Chor. Die Liedertafel hat sich die Pflege des Liedgutes und des Chorgesangs auf die Fahnen geschrieben. Neben den regelmäßigen Konzerten im Frühjahr und Advent in verschiedenen Kliniken und Seniorenheimen in Prien und in Bernau spielt auch das Gesellige eine Rolle und die Verbindung mit Chören aus den Partnerstädten Valdagno und Graulhet. Wie schaut es mit dem Sänger-Nachwuchs aus? Laut Statistik hat die Chorjugend ein Viertel von ihren 100000 Mitgliedern verloren.

Auch wenn es mit den verbindlichen Statistiken für die gesamte Chorszene nicht so ganz einfach ist, da die Chöre in vielen, sehr unterschiedlich strukturierten Verbänden organisiert sind.

Nicole Eisinger, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom Deutschen Chorverband, bedauert den Rückgang bei den Mitgliederzahlen in der Chorjugend. Ein Grund sei wohl, dass das Singen in den Schulen über zwei Winter hinweg nicht gestattet war und ein weiterer, dass der Musikunterricht an Schulen oftmals unzureichend ist.

Dies alles trifft auf Prien anscheinend nicht zu. Rektorin Claudia Decker von der Franziska-Hager-Grundschule erklärt, dass die Schule selbst im Distanzunterricht bemüht war, den Musikunterricht aufrechtzuerhalten. „Der Musikunterricht und das Singen ist uns prinzipiell ein großes Anliegen.“ Deshalb wird sowohl in den Klassen als auch bei Schulversammlungen gern und oft gesungen.

An der Chiemsee-Realschule gibt es – neben dem regulären Musikunterricht – eine Chorklasse als Wahlunterricht, aber, so Rektorin Kerstin Haferkorn von der Chiemsee-Realschule Prien, in den letzten beiden Jahren waren die Schülerinnen und Schüler mit Ergänzungsunterrichten in den Hauptfächern oder auch mit Nachhilfe beschäftigt und hatten kaum mehr Zeit für die musischen Wahlfächer.

Freude am Musikunterricht

Musiklehrerin Hildegard Grotjohann von der Kommunalen Realschule hingegen beobachtet einen steigenden Zulauf. 35 Teilnehmer bei 300 Schülern, das sei rekordverdächtig. Alle Chormitglieder bringen „wahnsinnig viel Freude am Singen“ mit. Am LTG haben sowohl Unterstufen- als auch Oberstufenchor keine Nachwuchssorgen. Trotz Distanzunterricht wurde weiter das Fach Musik unterrichtet. Derzeit wird am LTG das Chor- und Orchesterwerk „Adiemus“ von Karl Jenkins mit über 115 Mitwirkenden einstudiert, das Anfang Juli zweimal im König-Ludwig-Saal aufgeführt werden soll.

Doch eigentlich kann und sollte man schon den Kleinsten die Begeisterung für die Musik und das Singen vermitteln. Einen positiven Zugang zum Instrument Stimme könne man nur in sehr jungen Jahren durch altersgerechte Stimm- und Gehörbildung, aber auch durch Spiel und Spaß an der Musik aufbauen, meint Kirchenmusiker Prankl.

Mehr Kinder
als vor Corona

Johanna Häberlein, die an der Musikschule Prien unter anderem den Kinderchor leitet und Klavier, Musikalische Früherziehung, „MusiKinder“ und Musikzwergerl unterrichtet, hat keinen Einbruch bei den Schülerzahlen nach Corona festgestellt. Im Gegenteil, der Kinderchor habe mehr junge Sängerinnen und Sänger und bei der Musikalischen Früherziehung könnten sie sogar noch eine weitere Gruppe einrichten. Auch Kirchenmusiker Prankl sagt: „Im Kinder- und Jugendchor sind es bei uns aktuell zahlenmäßig etwas mehr Kinder als vor Corona.“ Prien ist ganz Chor.

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