Erlstätt – In seiner Radsport-Karriere hat Alexander Kastenhuber viel gewonnen, deshalb hadert er auch nicht mit Schicksalsschlägen. Ein Sturz auf der Katschberg-Abfahrt 1997 zertrümmerte ihm eine Kniescheibe.
„Auf das, was ich erreicht habe, bin ich stolz“, sagt der 55-Jährige, der schon Rennen mit Francesco Moser oder Didi Thurau gefahren ist und ein Einzelzeitfahren vor dem Weißen Haus in Washington mit Greg LeMond bestritt. Er nahm weltweit an Wettbewerben teil, so auch in Australien oder Südafrika.
Mannschaft mit
internationalen Stars
Nun hat Kastenhuber, der mittlerweile in Erlstätt im Landkreis Traunstein lebt, eine neue Aufgabe. Er ist zweiter Sportlicher Leiter bei den „Maloja Pushbikers“, einer Profi-Radrennmannschaft aus Holzkirchen mit internationaler Starbesetzung. In Slowenien feierte er sein Debüt und begleitete die Sportler vier Stunden im Dauereinsatz in einem Team-Fahrzeug.
Ursprünglich als reines Bahn-Rennteam 2010 unter Christian Grasmann entstanden, entwickelten sich die „Maloja Pushbikers“ stetig weiter. Aus Freundschaft zu Grasmann begleitete Kastenhuber dessen Mannschaft einige Jahre, und es entstand der Gedanke, ins Team einzusteigen. Nachdem seine beiden Töchter mittlerweile selbstständig als Radrennfahrerinnen unterwegs waren, blieb ihm die gewonnene Freizeit für das neue Projekt.
Als Zwölfjähriger startete Kastenhuber beim „Freilassinger Kriterium“ seine Karriere. Er bestritt das Schnupperrennen für Kinder mit einem einfachen Schulrad und wurde Fünfter. Nach diesem Wettbewerb kaufte ihm sein Vater ein Condor-Rennrad und Kastenhuber füllte seinen ersten Mitgliedsantrag beim Radsportverein (RSV) Freilassing aus.
Fortan nahm er an allen Rennen in der Region und in Österreich teil, die er oftmals gewann. Seine Ambitionen bedingten einen Wechsel zum RSV Traunstein, der international unterwegs war. Vor allem bei den Junioren setzte sich die Erfolgsserie fort.
Beruflich absolvierte Kastenhuber eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann in München. Dort schloss er sich der RSG Olympiapark an und bestritt seine ersten großen Rennen.
Einen besonderen Sieg erreichte Kastenhuber 1988 bei dem Rennen „Quer durchs bayerische Hochland“ über 236 Kilometer, denn der ehemalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß flankierte das Rennen mit einem Mercedes Cabrio und beobachtete seinen Erfolg aus nächster Nähe.
Bei flacheren Rennen fungierte Kastenhuber in seinen Teams auch als „Wasserträger“ für andere Kapitäne, oder er wurde als klassischer Klassementfahrer bei schweren und mittelschweren Rennen selbst von seinen Mannschaftskollegen unterstützt.
Bei der Bayern-Rundfahrt 1993 war der gebürtige Reichenhaller Teamleader und holte Gold. 1995 krönte er sich zum deutschen Bergmeister nahe Passau. Vier Jahre zuvor gewann Kastenhuber mit der „Regio-Tour International“ sein schwerstes Rennen: „Die gesamte Weltelite war am Start, ich konnte dort einen gewissen Lance Armstrong aus dem Gelben Trikot fahren.“
Kastenhuber blieb Amateur, um sich als Mitglied des Nationalteams die Option offenzulassen, bei der Olympiade 1992 in Barcelona teilzunehmen. Doch dann ereilte ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber und sein Traum zerplatzte.
Mit 33 Jahren aktive
Karriere beendet
Nachdem er ins Profilager zum Team Nürnberger gewechselt hatte, erlitt er 1997 einen Kniebruch. Nach der Genesung kam er zurück und fuhr weitere drei Jahre. Die aktive Karriere endete im Alter von 33 Jahren.
Kastenhuber gründete eine Familie und auch seine Töchter kamen mit dem Radsport in Berührung. Von 2010 bis 2016 war er Vorsitzender des Radsportvereins Freilassing und organisierte als Hauptverantwortlicher die Zielankunft einer Etappe der Bayern-Rundfahrt und die deutsche Bergmeisterschaft aufs Roßfeld.