Haltbarkeitsdatum schon abgelaufen?

von Redaktion

Geplanter Neubau des seit 2008 bestehenden Lidl-Markts sorgt für hitzige Diskussion

Chieming – Mit 10:4 Stimmen beschloss der Chieminger Gemeinderat jetzt die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für zwei Grundstücke mit insgesamt 9326 Quadratmetern für den Ersatzbau des bestehenden Lebensmittelmarktes Lidl im Ortsteil Egerer. Die Änderung des Flächennutzungsplans soll auf Grundlage der Planung vom Oktober 2023 erfolgen, sofern unter anderem folgende Bedingungen erfüllt sind: Die Anbindung der Hauptzufahrt erfolgt von dem geplanten Kreisverkehr an der Staatsstraße 2095 auf Höhe Poststraße in Egerer und die Firma Lidl beteiligt sich an den Kosten für die Erstellung des Kreisverkehrs.

Firma hat Anwohner bereits informiert

Die Firma Lidl hat bereits den unmittelbar betroffenen Anliegern die Planungsabsichten vorgestellt. Unter anderem folgende Anregungen und Wünsche wurden hierbei vorgebracht: Die geplante Ein- und Ausfahrt zur Kreisstraße TS31 sowie die Querung des Radweges durch die neue Zufahrt vom Kreisverkehr wird von einigen Anwohnern kritisch gesehen. Die Höhe des geplanten Marktes sollte tiefer gelegt werden, unter anderem wegen Wasserproblemen, Lärm und Schattenwurf. Der Parkplatz soll auf Wunsch der Bürger zudem außerhalb der Öffnungszeiten mit Schranken versehen werden. Zudem soll geprüft werden, ob ein Grunderwerb für eine mögliche Radwegführung entlang der Staatsstraße 2095 benötigt wird.

In der regen Diskussion des Gemeinderates ergriffen zunächst zwei Fraktionskollegen der Grünen das Wort: Andrea Roll und Sebastian Heller. Roll sagte, es sei „Wahnsinn, was da auf uns zukommt“. Man müsse andere Wege gehen als Flächen zu versiegeln, auch wenn daran gedacht sei, Ladestationen zu errichten und das neue Gebäude tiefer zu legen. Heller ergänzte, dass die energetische Weiterentwicklung eines Ersatzbaus nicht die negativen Seiten aufwiege, die ein Neubau mit sich bringe. Man müsse aufpassen, dass durch kein Einzelhandelsgroßprojekt der bisherige Charakter des Gewerbe- und Mischgebiets durch ein Sondergebiet ersetzt werde, was in Widerspruch zur Wohnentwicklung in Egerer stünde. Außerdem liege der jetzige Lidl-Markt bereits deutlich über der durchschnittlichen Ladenfläche von Discountern. Eine Erweiterung widerspreche dem Flächen-Sparen, das sich die Landespolitik auf ihre Fahnen geschrieben habe.

Heinz Wallner (BBW) sah in der Argumentation Hellers einen Widerspruch. Es entstünden in Egerer gerade 40 neue Häuser, da müsse die Nahversorgung gewährleistet sein. Für ihn sei eine Verwehrung der Geschäftserweiterung nicht mit den veränderten Lebensgewohnheiten vereinbar. „Ich war zwar noch nie beim Lidl beim Einkaufen, aber ich sehe es beim Edeka-Markt in Chieming“, so Wallner. „Ich kenne noch den Laden mit 120 Quadratmetern bei uns im Haus, später hatten wir dann einen Edeka-Markt mit 500 Quadratmetern neben der Raiffeisenbank, und jetzt ist es einer mit 1000 Quadratmetern. Trotzdem komme ich an der Kasse nicht sofort dran und muss schauen, ob ich einen Parkplatz finde.“

Zweiter Bürgermeister Markus Brunner (UW) sagte, dass er die Vor- und Nachteile eines neuen Lidl-Discounters abgewogen habe. Das jetzige Gebäude sei nicht mehr zeitgemäß, insbesondere die Anbindung an den Kreisverkehr mache ein Umdenken nötig. Mit einem Neubau seien verschiedene Vorteile verbunden. „Dass bei einem Neubau das Satteldach verschwindet und durch ein Flachdach ersetzt wird, wird man schlucken müssen, doch der Parkplatz muss offengehalten werden, ohne Schranken. Manchmal braucht man den Parkplatz für Groß-Veranstaltungen beim Gori-Wirt.“

Christian Fischer (CSU) schloss sich seinem Vorredner an. „Das Gebäude ist energetisch am Ende, und auch die Sozialräume für Mitarbeiter sind zu klein.“ Elisabeth Heimbucher (Grüne) sagte, „es ist undiskutabel, ein Gebäude bereits nach 15 bis 16 Jahren wieder platt zu machen“. Der Mehrwert eines Neubaus wäre höchstens dann gegeben, wenn der Discounter mit Sozialwohnungen aufgestockt würde oder durch eine Tiefgarage versiegelte Parkflächen reduziert würden. „Wie geht’s denn danach weiter? Soll der neue Lidl dann auch nach 15 Jahren wieder dem Erdboden gleich gemacht werden, weil er nicht mehr zeitgerecht ist?“, fragte Heimbucher.

In dieselbe Kerbe schlug Angelika Maier (Grüne). „Lidl-Gründer Dieter Schwarz ist mit 39,5 Milliarden Euro momentan der zweitreichste Deutsche. Aber ich erkenne bei dem Konzern keine Wertschätzung hinsichtlich Flächenverbrauch.“ Ein Gegenbeispiel hatte Maier auch zur Hand. In der Broschüre „Flächensparen Teil 2 – Maßnahmen und Beispiele – weniger ist mehr“, herausgegeben von der Regierung von Oberbayern 2023, nahm Maier den neuen Wohnsupermarkt in Wörthsee als Beispiel. Mit der Frage „Warum oben ohne?“ ist der Text betitelt. „Eingeschossige Supermärkte mit üppigen ebenerdigen und versiegelten Parkplätzen an der Peripherie sind eine teure und flächenintensive Fehlentwicklung. Dagegen garantiert eine Nutzungskombination in integrierter Lage einerseits Absätze und Wirtschaftlichkeit, andererseits wird durch Mehrgeschossigkeit und Nutzungsmischung der Flächenverbrauch deutlich reduziert“, heißt es in der Schrift, auf die sich Maier bezog.

Grünen-Räte
stimmen dagegen

Schließlich stimmte die Mehrheit für die Aufstellung eines Bebauungsplans, Elisabeth Heimbucher, Sebastian Heller, Angelika Maier und Andrea Roll (alle Grüne) stimmten dagegen.

„Hinsichtlich geplanter Details wurde durch die Firma Lidl keine Freigabe zur Weitergabe erteilt“, sagte Verwaltungsleiter Ewald Mayer im Nachgang zur Sitzung. „Der Lidl-Markt soll an seiner bisherigen Stelle verbleiben. Da dieser vergrößert wird, soll die ost- beziehungsweise südostseitig angrenzende, bisher unbebaute Fläche in die Planung einbezogen werden“, so Mayer.

Artikel 11 von 11