Traunstein – Eine dichte Rauchwolke hob sich in den Morgenstunden über der Kammerer Straße in Traunstein von dem trüben Himmel ab: Mehrere Räume eines Mehrfamilienhauses standen in Flammen. „Um 6.37 Uhr ging bei uns über Notruf die Meldung eines Brandes im Erdgeschoss ein, mit der Vermutung, dass sich auch noch Personen im Gebäude befinden“, erklärt Josef Gschwendner, Geschäftsführer von der integrierten Leitstelle (ILS) Traunstein. Keine Minute danach seien die entsprechenden Rettungskräfte alarmiert worden.
Bewohner schreit
um Hilfe
Auf die Möglichkeit der Gefährdung von Personen hin, wurden neben den Feuerwehren „initial sofort zwei Rettungswagen, ein Notarzt und eine Führungskraft des Rettungsdienstes alarmiert“, so Gschwendner. Parallel wurde eine Abfrage beim Einwohnermeldeamt gemacht, um die Anzahl an möglichen Personen im Haus zu ermitteln. Wenige Minuten nach dem Notruf sei der ILS Traunstein eine starke Rauchentwicklung aus dem Erdgeschoss gemeldet worden. „Eine Person wurde bereits aus dem Gebäude mit Rauchgasintoxikation befreit, eine weitere Person ist noch im Gebäude und schreit wohl am Fenster um Hilfe“, liest Josef Gschwendner aus den ersten Meldungen vor.
„Beim Eintreffen waren unten zwei Räume beziehungsweise fast drei Räume im Vollbrand“, berichtet Stadtbrandinspektor Christian Schulz von der Feuerwehr Traunstein, der als Einsatzleiter vor Ort war. Der Bewohner der Erdgeschosswohnung habe zu diesem Zeitpunkt die Räumlichkeiten bereits verlassen. „Beim Eintreffen der Feuerwehr haben Ersthelfer den Bewohner der darüberliegenden Wohnung über eine Leiter aus einem Fenster selbst gerettet“, so Schulz. Danach haben die Schwierigkeiten begonnen.
Das Mehrfamilienhaus sei baulich „nicht ganz einfach“ gewesen, sagt der Einsatzleiter. Von außen habe es den Eindruck eines Zweifamilienhauses gemacht, sei aber durch das Dachgeschoss verbunden. „Eine ältere Dame ist noch abgängig gewesen, und wir haben von den Nachbarn erfahren, dass sie sich meistens im Dachgeschoss aufhält“, erinnert sich Schulz.
Um die vermisste Frau suchen zu können, habe die Feuerwehr zunächst den Brand im Erdgeschoss bekämpfen müssen, um an das Treppenhaus zu gelangen, das zum Dachgeschoss führte. Außerdem war „das gesamte Gebäude verstellt und dadurch sehr schwer zu begehen“, sagt Schulz. „Verstellt“, ist dabei wohl die harmlosere Wortwahl. Aus den eingegangenen Meldungen bei der ILS Traunstein zitiert Gschwendner: „Absuchen des Gebäudes weiterhin schwierig wegen Vermüllung.“
Durch die extreme Rauchentwicklung konnte das Gebäude nur mit schwerem Atemschutz betreten werden. „Insgesamt haben wir 16 Atemschutzträger eingesetzt“, berichtet Stadtbrandinspektor Schulz. Die Sichtweite habe in dem Gebäude nur wenige Zentimeter betragen. „Zusätzlich wurde den Einsatzkräften die Suche erschwert, da durch die Brandbekämpfung sehr viel Wasserdampf entsteht und das natürlich das ganze Gebäude sich massiv aufheizt“, so Schulz: „Der Kunststoff ist teilweise im Treppenhaus heruntergeschmolzen.“ Aufgrund der extremen Belastungen durch Hitze und Rauch musste ein Atemschutzträger wegen Kreislaufschwierigkeiten den Einsatz abbrechen und ins Krankenhaus gebracht werden. Trotz der schweren Einsatzbedingungen wurde die vermisste Dame letztendlich im Dachgeschoss gefunden: „Ungefähr eine gute halbe Stunde hat es gedauert, bis wir zu der Frau nach oben vordringen konnten“, sagt der Einsatzleiter.
Die drei Bewohner erlitten leichte Verletzungen, wobei nur zwei in das Krankenhaus in Traunstein eingeliefert wurden. Einer der Bewohner habe dies verweigert, so Schulz. Die eingelieferten Hausbewohner, sowie die Einsatzkraft, „konnten am selben Tag wieder entlassen werden.“ Ein Feuerwehrmann stürzte allerdings bereits zu Beginn des Einsatzes unglücklich und brach sich den Arm. „Der hat ziemlich viel Pech gehabt, leider“, sagt Schulz, „das war sein letzter Einsatz. In ein paar Wochen wird er nämlich 65 und scheidet aus dem Dienst aus.“
Von der Feuerwehr Traunstein waren laut Schulz 27 Personen und sieben Einsatzfahrzeuge im Einsatz. Zusätzlich kamen noch weitere Feuerwehren aus dem Umkreis zu Hilfe. Während des gesamten Einsatzes war die Kammerer Straße gesperrt. Laut Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, übernahm die Kriminalpolizei die weiteren Ermittlungen in diesem Fall mit Unterstützung der Spezialisten für Spurensicherung. Der entstandene Sachschaden wird auf eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich geschätzt. Die genaue Ursache des Brandes ist derzeit noch unklar und Gegenstand der kriminalpolizeilichen Untersuchungen.
Ursache noch
unklar
„Vermutungen gibt es da immer relativ schnell“, sagt Huber. Allerdings müssen die Brandermittlungen erst abgeschlossen werden, um konkrete Aussagen treffen zu können. „Die Brandfahnder arbeiten nach einem sogenannten Eliminationsprinzip“, so Huber, „das ist ein Ausschlussverfahren, bei dem man alle möglichen Varianten, die als Brandursache infrage kommen, nach und nach ausschließt“. Ob und wann das Gebäude wieder sicher betreten werden kann, ist derzeit unklar. Allerdings „kann man Hausbesitzer nicht davon abhalten, dass sie es wieder betreten“, meint Stadtbrandinspektor Christian Schulz.