Prien – Seit Jahrhunderten gibt es in nahezu jedem größeren Ort Oberbayerns ein organisiertes musikalisches Leben – so auch in Prien. In der Marktgemeinde wird es seit knapp 195 Jahren angeführt von der Blaskapelle. Überregional bekannt ist sie für ihr hohes Niveau. Was dem Verein bislang aber immer gefehlt hat: ein großer funktioneller Proberaum. Wie das Problem jetzt gelöst wurde, verrät Vorsitzender Stefan Hackenberg im Interview.
Wie hat sich das neue Zuhause auf die Gefühlslage der Musikerinnen und Musiker ausgewirkt?
Wir haben jetzt alle ein befreiendes Gefühl: Endlich raus aus der Enge der vorherigen Räumlichkeiten und hinein in eine lockere Probeatmosphäre.
Hatte der Verein dafür einen größeren Umzug zu stemmen?
Nein, wir haben im Alpenblick-Gebäude im Priener Sportpark in einem Raum auf der gleichen Etage geprobt. Maximal konnte der nur 30 Personen aufnehmen; bei voller Besetzung sind es allerdings 40. Jetzt können wir uns ausbreiten, wir haben genügend Platz, um uns in Registergruppen als Klangkörper aufzuteilen. Unterm Strich sind wir sehr glücklich, dass uns die Marktgemeinde wieder so unterstützt hat.
Was war der Anstoß dafür?
Der Verein der Ludwig-Thoma-Schützen hatte sich aufgelöst und seinen Raum im Alpenblick der Gemeinde zurückgegeben. Dann gab’s kurzfristig ein Treffen der Noch-Vereinsführung mit unserer Blaskapelle und der Marktgemeinde. Es wurde festgelegt, was ausgebaut werden sollte, was erledigt der Blaskapellen-Verein in Eigenregie, was übernimmt die Gemeinde an Renovierungsmaßnahmen – wie zum Beispiel die Ertüchtigung der Elektrik und einen Teppich zur Reduzierung der Schallreflexionen.
Wie wurde die Einweihung gefeiert?
Nicht groß. Nach einer Musikprobe der Kapelle gaben die Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, Karl-Friedrich Wackerbarth und Gottfried Grengel, ihren Segen. Zudem segneten sie das spezielle, von einem Notenschlüssel umschlungene Holzkreuz, das Sepp Bauer gefertigt hat. Es wird im Proberaum aufgehängt. Jetzt freuen wir uns auf die Konzerttermine, die uns das Jahr noch bringen wird.
Feste Termine bringt die Mitgestaltung des Jahreskreises in Kirche und Marktgemeinde. Das ist Tradition…
…wie auch unser Starkbierfest heuer am 23. März im König-Ludwig-Saal. Bruder Johannes wird dabei den Persönlichkeiten der Marktgemeinde wieder gehörig die Leviten lesen. Den musikalischen Auftakt macht unsere Jugendblaskapelle. Anfang Juni spielen wir als Festmusik bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der Greimhartinger Feuerwehr auf, zum 150-jährigen Bestehen der Wehr. Außerdem liegen uns viele Vereinsanfragen vor, heuer auf deren Festen aufzuspielen. Das wird nicht einfach zu organisieren sein, vor allem aufgrund von Terminüberschneidungen. Höhepunkte werden das Marktfest im August und unser Konzert am zweiten Adventssonntag im Chiemseesaal sein.
Plagen den Musikverein wie andernorts auch Nachwuchssorgen?
Nein, wir sind derzeit mit vielen ambitionierten jungen Musikern gut aufgestellt. Das gilt auch für unsere Jugendkapelle, die derzeit intern von Jugendleiterin Regina Stefan betreut wird. Allerdings sind wir derzeit auf der Suche, um die Dirigentenstelle für die Jugend mit Beginn des neuen Schuljahres neu zu besetzen.
Welche Ziele hat die Blaskapelle derzeit fixiert?
Auf jeden Fall wollen wir unser gutes Niveau halten, vielleicht noch etwas ausbauen. Das Wichtigste ist aber: Wir wollen Spaß am Musizieren haben und diesen Spaß und die Freude an der Musik unserem Publikum vermitteln.
Interview: Ulrich Nathen-Berger