Marquartstein – In wenigen Wochen sollen die Arbeiten für den Ausbau der Loitshauser Straße beginnen. Darum stand der überarbeitete Plan vom Büro Planungsgruppe Strasser GmbH, der von Gerhard Hajer vorgestellt und erläutert wurde, in der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Abstimmung. Das Besondere daran ist, dass zugleich der Vorplatz der Sparkassenfiliale mitgestaltet wird und in die Gestaltung der Gesamtplanung miteinbezogen wurde. Die Maßnahme schlägt laut den aktuellen Berechnungen mit insgesamt 1,8 Millionen Euro zu Buche.
Verkehrsberuhigung
und Barrierefreiheit
Durch die Neugestaltung soll eine Verkehrsberuhigung, eine bessere Barrierefreiheit sowie eine städtebauliche Aufwertung für die bedeutsame Verkehrsader des Orts erreicht werden. Die Gehwege bleiben auf beiden Straßenseiten erhalten. Auf Höhe des Senioren-Wohnstifts und dem Spielplatz kommen Anrampungen und Engstellen mit 3,5 Meter Straßenbreite, um das Queren der Straße für Fußgänger zu erleichtern und eine Reduzierung der Fahrzeuggeschwindigkeiten zu erreichen. Auch Bäume sollen an den Engstellen das Ortsbild verbessern. Besondere Bedeutung bei der Aufwertung kommt der Gestaltung des Bereichs zwischen Rathaus und Sparkassenfiliale zu.
Die dort häufige Straßenquerung durch Fußgänger und Schüler solle durch eine Verengung und eine Pflasterung der Fahrbahn auch optisch unterstützt werden, hob Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) hervor. Parallel soll um das Rathaus herum aber wieder mehr Grün entstehen. So wurde die Idee vorgestellt, den südlich des Rathauses führenden Pflasterstreifen aufzulösen und stattdessen einen kleinen geschwungenen Kiesweg zwischen Maibaum und Rathaus anzulegen.
Die derzeitigen Fahrrad-Abstellplätze am Rathaus sollen etwas weiter nördlich verlagert, auf 32 erweitert und überdacht werden. Die bisherige Mauer am Rathausplatz entfalle, damit zum einen der Radweg direkt in Richtung Pettendorfer Straße weitergeführt werden könne und zum anderen, um Besucherparkplätze für das Rathaus unterzubringen, so der Bürgermeister.
Der Vorplatz an der Sparkasse soll eine höhere Aufenthaltsqualität mit mehr Grün, schattenspendenden Bäumen und pflegeleichten Pflanzbeeten, ähnlich einem Bauerngarten, erhalten. Am Kirchweg sollen laut Hajer drei Stellplätze inklusive Behindertenparkplatz entstehen. Die Pflasterung erfolgt mit gesägten Granitkleinsteinen, um die Bereiche gut begehbar zu machen und sie problemlos mit dem Rollator nutzbar zu machen. Entlang des Kirchenweges sollen am Sparkassengebäude zukünftig Parkplätze quer angeordnet werden.
Die Loitshauser Straße selbst wird vom Rathaus bis circa zur Einmündung der Kampenwandstraße neugestaltet und geht dann nahtlos in den Bestand über. Die Bauabschnitte werden so angelegt, dass die Zufahrt zum Wohnstift, insbesondere für Rettungsdienste, permanent möglich ist.
Die geplante Platzgestaltung zwischen Rathaus und Sparkasse sowie die Engstelle in diesen Bereich wird im Gemeinderat jedoch bezüglich der Aufenthaltsqualität und des Verkehrsflusses konträr gesehen, auch wenn die Engstelle gegenüber dem ersten Entwurf von 4,1 Meter auf 4,4 Meter aufgeweitet wurde.
Zeigte sich das Gemeindegremium mit den geplanten Gestaltungen mit Engstellen am Wohnstift und am Spielplatz sowie den Gehwegen mit entsprechenden Bordsteinen einverstanden, gab es zur vorgesehenen Engstelle auf Rathaushöhe eine intensive Diskussion. Schon bei den ersten Vorstellungen im Dezember 2022 und im September vergangenen Jahres fand Gemeinderat Franz Aigner (BfM) diese Engstelle mit einer vorgesehenen Breite von 4,1 Meter als ein Unding und stellte den planerischen Sinn infrage. Er sah die Platzierung in unmittelbarer Nähe zu den Einmündungen in die Ortsdurchfahrt B305 und Pettendorfer Straße problematisch. Bei Gegenverkehr würden dadurch Staus entstehen, war die Argumentation von Aigner. Und das hat sich auch nicht nach der Aufweitung der Engstelle um 30 Zentimeter auf 4,4 Meter geändert.
Bedenken in die gleiche Richtung wie Aigner hatten auch die Gemeinderäte Erich Fuchs (Grüne/Offene Liste) und Klaus Hell (BfM) mit der Engstelle am Rathaus. Der Gemeinderat Hell meinte, um hier eine klare Situation zu schaffen, wäre eine echte Verengung auf eine Fahrspur oder eben eine weitere Aufweitung besser. Dieser Ansicht schlossen sich auch Fuchs und Aigner an. In der Diskussion zeigte sich, dass über die Ausführung dieser Engstelle eine gesonderte Abstimmung wünschenswert war, ob die Engstelle am Rathaus mit 4,4 Meter abgeändert werden sollte oder nicht.
Letztlich gab es für eine Änderung der Planung keine Mehrheit. Für eine Abänderung waren die Gemeinderäte Aigner, Josef Moritz (CSU), Fuchs, Hell und Manfred Hollmann (CSU). Es ist nicht üblich, dass die Ratsmitglieder namentlich mit ihren Stimmverhalten im Sitzungsprotokoll erwähnt werden. Doch war Aigner seine ablehnende Haltung so wichtig, dass er seine Nennung im Protokoll extra wünschte.
Der Geschäftsleiter Florian Stephan meinte, dass er aus Sicht der Gemeindeverwaltung mit der Änderung der Gestaltung an der südlichen Seite des Rathauses nicht einverstanden sei. Der Bereich sei vor einiger Zeit umgestaltet und mit Pflaster versehen worden und es würden nun dafür wieder Kosten entstehen. Die vorhandene Gestaltung solle erhalten bleiben und für die geplante Umwegung des Rathauses eingebunden bleiben. Er fügte noch an, dass er die derzeitige vollständige Umwegung des Rathauses insgesamt gut finde und so ein Zugang zum Rathaus von allen Seiten erreicht werde.
Der Gemeinderat Hubert Götschl (BfM) beantragte, über diesen Punkt, ob der südliche Bereich neugestaltet oder der Bestand erhalten werden solle, gesondert abzustimmen. Bei der Abstimmung sprach sich die Mehrheit mit 10:6 für die Neugestaltung aus.
Bei der Gestaltung des Platzes zwischen Rathaus und Sparkassenfiliale wollte Hell mehr Platz für einen gesellschaftlichen Treffpunkt mit entsprechenden Sitzgelegenheiten. Hier würde der geplante Bauerngarten mit den vier Beeten entgegenstehen, meinte Hell. Aus seiner Sicht fehlten in Marquartstein solche Orte für zwanglose Begegnungen der Menschen. Hierzu meinte Hajer, dass die Beete mit unterschiedlichen Pflanzen und Blühzeiten auch zur Attraktivität des Platzes beitragen könnten. Der Gemeinderat Toni Entfellner (Grüne/Offene Liste) meinte, dass in der weiteren Planung dort ein Begegnungsort geschaffen werden könne.
Sparkasse zahlt
130000 Euro
Wie hoch die angesetzte Kostenbeteiligung für die Sparkasse sei, wollte Moritz erfahren. Dazu erläuterte Bürgermeister Andreas Scheck (BfM), dass sich die berechnete Summe auf ungefähr 130000 Euro belaufen würde. Mit diesem veranschlagten Betrag würde die Gemeinde nun mit der Sparkasse in Verhandlungen treten, so der Bürgermeister.
Mit den Gegenstimmen von Aigner, Hell, Hollmann und Moritz wurde die Planung für die Neugestaltung der Loitshauser Straße mehrheitlich vom Gemeinderat angenommen.