So warm wie noch nie

von Redaktion

Es fühlt sich wie Frühling an, ist es aber nicht. Der Februar war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Schnee ist nur noch in den Hochlagen der Berge zu finden. Mit welchen Auswirkungen hat der Wintersport und die Natur im Chiemgau zu kämpfen?

Chiemgau In den vergangenen Tagen herrschten oft Temperaturen, die eigentlich schon den nahen Frühling erahnen lassen. Der Deutsche Wetterdienst teilte nun mit, dass die Durchschnittstemperatur in Deutschland im Februar bei 6,6 Grad lag. Was nach nicht viel klingt, ist es ein Wert, der viele Wissenschaftler aufhorchen lässt. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020, in der der Durchschnitt 1,5 Grad betrug, beläuft sich die Abweichung auf 5,1 Grad. Damit wurde der bisherige Rekord von 5,7 Grad aus dem Jahr 1990 deutlich übertroffen.

Vegetation
kommt durcheinander

Die milden Winter der vergangenen Jahre beeinträchtigen auch die Natur erheblich. Milde Temperaturen führen laut dem Bund Naturschutz dazu, dass Pflanzen und Bäume vorzeitig austreiben, was bei späteren Frosteinbrüchen zu schwerwiegenden Schäden führen kann. Typisch für frühe Aktivitäten sind Haselsträucher und Weiden, die zu den ersten blühenden Pflanzen gehören und für Pollen-Allergiker problematisch sind. Wird es nach einem frühen Austrieb wieder kälter, stoppt der Austrieb der Pflanzen. Sollte die milde Witterung jedoch anhalten und Blatt- sowie Blütenknospen sich weiterentwickeln, können spätere Frosteinbrüche zu erheblichen Ernteausfällen führen. Obstanbauer setzen bei Frost auf Beregnungsanlagen oder entzünden kleine Feuer, um die Pflanzen zu schützen.

Insekten wie Schmetterlinge und Stechmücken reagieren ebenfalls auf die milden Temperaturen. Warme Umgebungen aktivieren Insekten, was an deren Energiereserven zehrt. Schmetterlinge, die sich an Häuserfassaden eingenistet haben, werden bei mildem Wetter aktiv und können bereits bei Temperaturen um die zehn Grad beobachtet werden. Stechmücken profitieren von nassen und warmen Startbedingungen im Frühjahr und Frühsommer, und ein milder Winter verbessert ihre Chancen für eine rasche und zahlreiche Entwicklung.

Aber nicht nur auf die Flora und Fauna haben der milde Februar und die wärmeren Winter Auswirkungen. Auch der heimische Tourismus muss sich den neuen und veränderten Bedingungen anpassen. „Natürlich trifft auch uns im Achental der Klimawandel”, sagt Elisabeth Keihl, Vorstand des Achental Tourismus in Unterwössen. Die Tage, an denen Schnee liegt, seien spürbar seltener geworden. „Der frühe Wintereinbruch im Dezember hat uns schon einige gute Tage mit perfekt präparierten Loipen im Achental beschert, seither ist der Schnee im Tal allerdings eher Mangelware.”  Dort setzt man auf den Ganzjahrestourismus. Die Angebote und auch die Kommunikation werden an die Gegebenheiten des Wetters angepasst. „Wir bieten im Winter themenspezifische Wanderungen an, zum Beispiel Raunachtswanderungen, oder Bastelnachmittage für Kinder, die von Gästen und Einheimischen sehr gut angenommen werden”, sagt Elisabeth Keihl. „Auch geben wir Tipps für südseitige Winterwanderungen, im Winter geöffnete Almen und Themenwege, die das ganze Jahr über einen Besuch wert sind.” Ein Konzept, das im Achental auch aufgeht.  Im Januar und Februar 2024 konnte der Tourismusverband im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr ein Plus von 13,4 Prozent bei den Übernachtungen und ein Plus von 8,5 Prozent bei den Gästeankünften im selben Zeitraum verzeichnen.

„In den kommenden Jahren werden wir aufgrund des Klimawandels mit vermehrten extremen Wetterlagen rechnen müssen – also zum Beispiel kurze und heftige Wintereinbrüche“, da ist sich Keihl sicher. Es war diesen Winter viel zu warm, das ist klar”, sagt auch Hans Höflinger, der Skiliftbetreiber im Skigebiet Winklmoos/Steinplatte. „Die Schneefälle waren nicht überragend, aber wir hatten vom 9. Dezember bis heute durchgehend Skibetrieb, ohne Unterbrechung.” Mit Schneesicherheit kann man allerdings wohl nicht mehr planen. Andere Skigebiete außerhalb der Region hatten weniger Glück mit den Schneefällen und mussten vorübergehend schließen, wie beispielsweise das Skigebiet Mitterdorf im Bayerischen Wald. Dort ist die Skisaison bereits beendet.

Für die Betreiber der Skilifte und der Skigebiete heißt es, sich den neuen Bedingungen anzupassen. In Oberaudorf beispielsweise wurde zu Beginn des vergangenen Jahres eine Piste mit Kunststoffmatten ausgestattet, die es den Skifahrern erlaubt, auch ohne Schnee den Hang hinunterzufahren. Andernorts wird künstlich beschneit.

Kunstschnee soll
Abhilfe schaffen

So wird im Gebiet der Steinplatte mit Kunstschnee gearbeitet, im Gebiet der Winklmoosalm liegt Naturschnee, so Hans Höflinger. Eine Anlage für Kunstschnee gibt es dort bisher nicht, diese ist aber in Planung. „Seit sieben Jahren sind wir dran, auch auf der Winklmoosalm eine Kunstschneeanlage zu installieren. Das zieht sich aber leider in die Länge.” Vor fünf Jahren habe man dort vonseiten der österreichischen Behörden die Erlaubnis für einen Speicherteich erhalten. „Jetzt geht es um die Leitungen, die zur Winkl-moosalm führen. Das Verfahren läuft noch.” Sollte die Genehmigung noch in diesem Jahr erteilt werden, könnte die Anlage im Jahr darauf errichtet werden.

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