Inzell – In über 100 Jahren hat man zwangsläufig viel erlebt, doch die Lebensgeschichte von Hans Eckstein ist etwas Besonderes, war er doch aktiv von Anfang an beim Afrikafeldzug im Zweiten Weltkrieg mit dabei. Mit nunmehr 102 Jahren erfreut er sich nach wie vor bester Gesundheit und feierte seinen Jubeltag gebührend im Kreise seiner Familie. Bürgermeister Hans Egger überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Inzell.
Geboren wurde Hans Eckstein am 10. März 1922 in Altenstadt bei Neustadt an der Waldnaab und wuchs dort in einer streng katholischen Familie mit drei Schwestern und drei Brüdern auf. Alle mussten früh zu Hause mit anpacken. Mit 15 Jahren begann für den Naturmenschen Eckstein der Ernst des Lebens. Er begann eine Ausbildung zum Kristallglasschleifer, schloss diese drei Jahre später ab und wurde im Oktober 1940 zur Wehrmacht eingezogen. In der Panzer-Ersatz-Abteilung 25 in Erlangen machte Eckstein die erste Bekanntschaft mit dem Militär bei der Grundausbildung. Es folgten weitere Ausbildungen am Panzer und am 10. März 1941, an Ecksteins 19. Geburtstag, landete das Schiff mit ihm und den deutschen Truppen an Bord in Tripolis. Der Oberbefehlshaber des Deutschen Afrikakorps war Generalleutnant Erwin Rommel, auch „Wüstenfuchs“ genannt, den der Jubilar kennenlernte.
Hans Eckstein hat im Afrikafeldzug vieles erlebt und mit dem Panzer I bis zum Panzer IV zahlreiche Erfahrungen gemacht. Als Funker, Ladeschütze und Kommandant war er ständig an der Front und oftmals hautnah am Geschehen. Seine technische Begabung im Umgang mit Fahrzeugen und sein kollegiales Auftreten machten ihm zu einem Kameraden, den jeder gern an seiner Seite hatte.
Den Afrikafeldzug hatte der Obergefreite Eckstein körperlich einigermaßen unbeschadet überstanden, doch in Cesena am 22. Oktober 1944 war ihm das Glück weniger hold. Granatensplitter verletzten Ecksteins linken Arm dauerhaft, sodass er seinen Beruf des Kristallglasschleifers nicht mehr ausüben konnte. Er ließ sich zum Berufskraftfahrer umschulen. Diese Tätigkeit übte er bis 1964 aus. Dann übernahm er eine Tankstelle im Landkreis Göppingen, die er modernisierte.
1970 fand die Familie Eckstein ein neues Zuhause in Inzell. Die Familie wurde größer, mittlerweile freut sich der Jubilar neben seinen zwei Kindern auch über drei Enkelkinder und vier Urenkel. Hans Eckstein genoss das Leben in den Bergen und erkundete viele Gipfel, vom Watzmann über den Hochkalter bis zum Steinernen Meer. Aufgrund seiner Leidenschaft zur Natur wurde er Wanderführer und vermittelte Gästen die Heimat zehn Jahre lang.
Seit nunmehr 77 Jahren gehört der Jubilar dem VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands) an und fast ebenso lang ist er Mitglied bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft Inzell. Sabine Saurler (VdK) und Hubert und Martin Maier (KSK) übermittelten dem Jubilar die Glückwünsche.
Dieser ist nach wie vor voller Tatendrang und genießt seinen Lebensabend. Bei den Versammlungen der Krieger- und Soldatenkameradschaft Inzell erzählt das älteste Mitglied Geschichten aus seinem Leben. Vier Tage vor seinem 102. Geburtstag erschien ein Buch von Adrian Matthes mit dem Titel „Hans Eckstein – Rommels letzter Panzerkommandant“, in dem der militärische Werdegang des Jubilars beschrieben wird. wet