Prien – Die Liste der ehrenamtlichen Positionen, die Herbert Weißenfels im Laufe seines Lebens innehatte, ist immens lang. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Arbeiterwohlfahrt (AWO), wie er im Gespräch erzählte. Am 9. Februar feierte er seinen 80. Geburtstag, doch an ein ruhiges Leben denkt er noch lange nicht.
Langeweile kenne er nicht, so der agile Rentner. Sein Leben hat er ausschließlich in Prien verbracht. Hier ging er aufs Gymnasium und hier startete er seine Laufbahn bei der Post, die ihm später die Abteilungsleitung des Rosenheimer Briefzentrums bescherte, das er aufgebaut hat. Eine große Herausforderung, wie er erklärte. 300 Mitarbeiter habe er unter sich gehabt während seiner 60 Stunden währenden Arbeitswoche, die er als Diplom-Verwaltungswirt zu stemmen hatte. Daneben engagierte er sich in der Gemeinde, war von 1972 an 18 Jahre im Gemeinderat als Fraktionssprecher für die SPD tätig. 1984 kandidierte er zudem für das Amt des Bürgermeisters, unterlag aber dem weiterhin amtierenden Lorenz Kollmannsberger. Von 1984 bis 1990 fungierte er als Kreisrat im Kreistag Rosenheim, danach beendete er sein politisches Engagement, um sich ganz der AWO zu widmen, in der er seit 1974, also seit 50 Jahren, Mitglied ist.
Themen wie Umwelt und Soziales seien schon immer bei ihm stark ausgeprägt gewesen, verriet er seine Intention. „Ich möchte mich in die Gesellschaft einbringen und sie ein bisschen besser machen“, so Weißenfels. Ziel sei es, Positives für Benachteiligte zu tun, die Hilfe brauchen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
Dafür habe er selbst verzichtet. Jahrelang habe er in der Schuldnerberatung gearbeitet und manche Priener über Jahre betreut, um sie aus ihrer Misere zu befreien. Auch die beliebten AWO-Seniorenreisen nach Cesenatico hat er 1987 ins Leben gerufen und sie als Stadtführer unter anderem durch Ravenna begleitet.
Sein großes Engagement – für die AWO wie auch für den Aufbau des Briefzentrums – hat ihm 2002 das Bundesverdienstkreuz eingebracht. Auch jetzt ist er noch aktiv bei der AWO Chiemgau West, aber mittlerweile als Ehrenvorsitzender des Ortsvereins Prien eher im Hintergrund.
Auch für die Volkshochschule engagiert er sich und ist seit 2020 stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats, zuvor war er Beisitzer. Und er ist Mitglied in 13 Priener Vereinen. Möglich sei das alles nur gewesen, weil seine Familie ihn unterstützt und ihm den Rücken freigehalten habe. Allen voran seine Frau Gerda, mit der er 55 Jahre verheiratet ist. „Mir ist klar, dass ich ihnen viel zugemutet habe. Aber wenn ich gebraucht wurde, war ich da“, so Weißenfels.
Nun nimmt er sich mehr Zeit für die Familie, zu der Tochter Claudia (49) und Sohn Christian (45) gehören. Fit hält er sich mit Gartenarbeit, erzählte er. Dennoch schlägt sein Herz noch immer für die AWO. Im Moment ist er zum 75-jährigen Jubiläum mit der Erstellung ihrer Chronik beschäftigt – akribisch und mit Fleiß, ganz wie es seine Art ist. wp