Seeon-Seebruck – Der Heimat- und Geschichtsverein „Bedaium“ in Seebruck bietet ein facettenreiches Programm. So spricht der Historiker und Experimentalarchäologe Dr. Marcus Junkelmann am kommenden Dienstag um 19 Uhr im Hafenwirt in Seebruck über die Welt die Gladiatoren.
Zum Auftakt des diesjährigen Kulturprogramms hatte der Seebrucker Heinz Päsold bereits über die dramatische Flucht seiner Familie 1946 aus dem Sudetenland berichtet – als siebenjähriger Bub. Leute, die über Jahrhunderte friedlich nebeneinander lebten, standen sich plötzlich feindlich gegenüber. „Uns sind nur zwei Stunden Zeit geblieben, um alles zusammenzupacken. Wir durften auch nur 40 Kilogramm Gepäck mitnehmen“, schilderte Päsold.
Bei der Vertreibung wurde Päsolds Familie getrennt. Ein Teil wurde mit dem Zug nach Ostdeutschland in die sowjetische Besatzungszone verfrachtet, er selbst kam unter anderem mit seiner Mutter nach Süddeutschland in die amerikanische Besatzungszone. „Eine Woche sind wir in einem Viehwagen unterwegs gewesen, von Hof über Nürnberg, München und Rosenheim nach Freilassing“, erzählte Päsold. „Ein Hemd, eine Hose, Strümpfe und ein Paar Schuhe, sonst nichts, so kam ich nach Bayern“.
Auf Nachfrage des Zweiten Vorsitzenden Marcus Altmann, was mit seinem Vater passiert sei, erläuterte Päsold tief ergriffen, dass dieser in der alten Heimat an einen Lkw gebunden und zu Tode geschliffen worden sei. Seine Mutter habe kurz zuvor noch mit ihm telefoniert. Eingeprägt habe sich bei Päsold auch ein Ereignis in den 1970er-Jahren, als er mit seiner Ehefrau Inge und einem Freund erstmals wieder in Prag war. „Du bist der Heinz, gell?“, sprach ihn ein alter Mann an dem Haus an, wo er Jahrzehnte zuvor mit seinen Eltern gewohnt hatte. Man gewährte ihm Einlass und wenig später stand er in der ihm noch vertrauten Wohnung, wo er sein Klavier aus Kindheitstagen entdeckte. Auch in Fleißen im Egerland, wo er als Kind viel Zeit verbracht hatte, habe er damals vorbeigeschaut. Doch das Dorf sei nicht mehr wiederzuerkennen gewesen – alles platt. Päsold verwies auf das „verschwundene Egerland“. „Herzlichen Dank für Ihre Offenheit und die bewegenden Worte“, wandte sich ein Gast mit ähnlicher Familiengeschichte an Päsold und sprach damit den anderen Zuhörern aus der Seele.
Die Autorin Sandra Altmann präsentierte kürzlich ihren Roman „Talsommer“. Die Gymnasiallehrerin am Landschulheim Marquartstein entführte in die Chiemgauer Bergwelt, in den Sommer 1899 im Achental. Altmann zeichnet einen entbehrungsreichen Alltag, von Unglücken überschattet. Das Buch handelt von der zehnjährigen Mizzi, die bei ihrer streng gläubigen, verwitweten Mutter aufwächst. Sommerfrischler und „Berggymnasten“, das sind Wanderer und Bergsteiger, bringen frischen Wind in den kleinen Gebirgsort. Eines Tages treibt Lisei aus dem Armenhaus tot in der Tiroler Achen. Mizzi hat von der anderen Flussseite, gesehen, was passiert ist. Aber niemand will ihr glauben, sogar Verleumdung wird ihr vorgeworfen. Passend zu ihrem Weinen beginnt es ohne Unterlass zu regnen. Es ist der Beginn des Jahrhunderthochwassers 1899, das für den Chiemgau verheerend war. Und mit dem Brand des Bader-Gütls, fügte Altmann ein weiteres historisches Ereignis ein.
Der Vorsitzende des Bedaiumvereins, Josef Schwab, stellte auch den Erschaffer des Buch-Covers vor, den Künstler Karl-Heinz Hauser. Der Kunstlehrer arbeitet ebenfalls am Landschulheim Marquartstein und präsentierte weitere seiner Werke. mmü