Fastenpredigt 2024: Bruder Andreas nimmt Unterwössen aufs Korn

von Redaktion

Eine „ganz heiße Nummer“ und ein Musikmeister als Bürgermeister – Eine Gemeinde lacht über sich selbst

Unterwössen – Einen wunderbaren Abend bereitet der Trachtenverein D‘Achentaler mit seinem Starkbierfest in der Achentalhalle. Die Halle war voll. Viele waren angelockt, weil die Trachtler im Vorfeld für die Fastenpredigt ausgegeben hatten: „Heuer wird nicht gelobt!“ Beim Höhepunkt des Abends, der Fastenpredigt, ließ der bewährte Fastenprediger Bruder Andreas (Andreas Steiner) mit viel Humor und einer gehörigen Portion Lokalkolorit die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren. Unter dem Motto „Ned g’schimpft is g’lobt gnua!“ nahm er von den Pistenraupenfahrern am Balsberglift über Vereine und Bürger bis zum Bürgermeister jeden aufs Korn.

Obwohl der Bürgermeister Ludwig Entfellner beim Fassanstich zu Beginn des Abends jedes Jahr bessere Leistungen zeigt, war das leichte „Pritscheln“ für Bruder Andreas willkommene Gelegenheit, von ihm bessere Vorbereitung einzufordern, die Herausforderungen des Lebens anzugehen. So auch beim Einparken mit dem neuen Pkw in der Bürgermeisterfamilie, einem Automatikfahrzeug. Es folgte eine Nachhilfe des Predigers zum Lesen des Handbuchs, das Fahrzeug in den Parkmodus zu schalten. Die Zuhörer freute das sichtlich.

Das Dorfgerücht, dass es den Musikmeister der Musikkapelle Martin Nieß auf den Bürgermeistersessel zieht, bestätigte Bürgermeister Ludwig Entfellner auch auf die konkrete Nachfrage des frommen Mannes nicht.

Von der „ganz heißen Nummer“, die die Theaterer des Trachtenvereins im vergangenen Herbst auf die Bühne brachten, schwärmte Bruder Andreas noch jetzt. Deren lockerer Umgang mit den Sex-Toys auf der Bühne, mache Vorfreude darauf. Der Pater meint, dass es seitdem in den heimischen Schlafzimmern viel bunter zugehe.

Eine neue Stromversorgung im Ort, aber längere Stromausfallzeiten im Ortsteil Unterwössen, das musste der Prediger ansprechen. Es liege an der ausschließlichen Schlüsselgewalt eines Berchtesgadeners. Der reist mit seinem Schlüssel für jeden Stromausfall an, um die Leitung wieder freizuschalten. Welch ein Hohn, betrachte man die Vorgehensweise beim innerörtlichen Rivalen, der Oberwössner Stromversorgung. „Die haben selbst einen Schlüssel!“ Schallendes Gelächter vom Publikum und von nun an, wurden bereitliegende Schlüssel zum „running gag“ des weiteren Vortrages.

Von herausragender Bedeutung für einen Verein sieht Bruder Andreas die Kassierer, bei den Gebirgsschützen sind das Alex Meder und Michael Haslberger. Glücklicherweise ist nichts passiert auf deren gemeinsamen Flug nach Irland, denn ansonsten sähe Bruder Andreas ein Horrorszenario: „Das Vermögen der Gebirgsschützen herrenlos!“

Nichts weniger als zwei Welten, die miteinander verschmelzen, sieht der fromme Mann, wenn sich die Fußballer aus Schleching und Unterwössen mit der neuen Saison in Spielgemeinschaften zusammentun. Ein generalstabsmäßiges Großmanöver absolvierte der Gartenbauverein unter Leitung des Vereinsvorsitzenden Hermann Minisini, des hochrangigen, ehemaligen Berufssoldaten, sieht der Pater zur Freude des Publikums. Der Verein verwandelte dessen Garten im Obstbaumschnittkurs zu einem militärischen Operationsfeld. Zum Schluss gab es dann doch ein Lob: für die Musikanten Franz Aberger und Hans Höglauer und die „Errettung der Fischsemmel“. Die Herausforderungen des Weges vom Münchner Oktoberfest ins heimische Wössen setzte beiden Männern stark zu, beschreibt Bruder Andreas in bunten Bildern. Immer wieder unterbricht ihn das laute Gelächter über die Bilder, die Steiner da in fremden Köpfen erzeugt. Völlig derangiert und mit Blessuren erreichen Aberger und Höglauer das Zuhause. Wie frisch zubereitet dagegen die Fischsemmel, die Franz seiner Irmi mitbrachte. Der Prediger schloss mit einem Prost auf ein Starkbierfest, das den Honoratioren im Ort einmal mehr bewies: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Dazu gab es den Abend beste musikalische Unterhaltung mit der Musikkapelle Wössen auf der Bühne unter wechselnder Leitung von Rupert Fladischer und Martin Nieß. Dazu floss stilgerecht Salvator Starkbier, das gleiche, das es auf dem Nockherberg gibt, so Trachtenvorstand Otto Dufter, als er den Abend eröffnete. lfl

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