Traunstein – Im Rahmen einer Informationsveranstaltung, zu der die Stadtwerke Traunstein eingeladen haben, informierten Mitarbeiter der Firma Reencon über die geplanten Windräder nördlich von Traunstein. Im Wald östlich von Kammer und im Traunsteiner Stadtwald in Froschham auf Waginger Gemeindegebiet sollen bis zu sechs Windkraftanlagen errichtet werden, die nach derzeitigem Stand rund zehn Millionen Euro pro Anlage kosten werden. Für den Bau und Betrieb des Parks soll eine GmbH & Co KG gegründet werden. Das Konstrukt sieht vor, dass die Stadtwerke und eine noch zu gründende Bürger-Energie-Genossenschaft Kommanditisten sein werden. Die Stadtwerke sollen zwei Drittel bis drei Viertel der Anteile halten, die Gesellschaft ein Viertel bis ein Drittel.
Viele Fragen sind
noch ungeklärt
Bis es so weit sein wird und die neuen Windräder Strom liefern, müssen aber noch viele offene Fragen geklärt werden. Projektleiter Stefan Schindler von der Firma Reencon nannte einen Zeitrahmen von idealerweise fünf Jahren bis zur Inbetriebnahme eines Bürgerwindparks. Bis dahin und zuvor schon bis zur Genehmigung müssen die Befürworter aber noch mehrere Hürden nehmen. Es ist nicht auszuschließen, dass die eine oder andere zu hoch sein und das Vorhaben stoppen oder zumindest um Jahre verzögern wird.
In einem Beschluss des Traunsteiner Stadtrates vom März 2023 werden die Stadtwerke beauftragt, den Bau von Windkraftanlagen auf den Vorrangflächen östlich von Kammer und in Froschham „vertieft zu prüfen“. So formulierte es der Leiter der Stadtwerke Traunstein, Stefan Will. Dabei sollte insbesondere die Akzeptanz der Bevölkerung erkundet werden, aber auch Wirtschaftlichkeit und die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. Erst wenn diese drei Voraussetzungen erfüllt sind, wolle der Stadtrat grünes Licht geben. Auf die Frage, wie es um die Akzeptanz bestellt ist, bekam man in der Versammlung keine Antwort. Aber das Interesse sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern des Vorhabens war riesengroß. Um 19.30 Uhr sollte der Informationsabend beginnen, aber schon um kurz nach 19 Uhr war der Saal überfüllt und viele Dutzend Interessierte erhielten keinen Zutritt mehr. Nach der Präsentation des Projektes durch die Firma Reencon stellte Stefan Schindler auch Fragen, die ihm oft von Bürgern gestellt würden und beantwortete sie vom Podium aus. Drei Mitarbeiter des Unternehmens standen dann im Saal einzelnen Personen Rede und Antwort. Schließlich durften dann doch noch ein paar Teilnehmer der Versammlung ans Mikrofon und Fragen stellen. Angesprochen darauf, dass die mangelnde Diskussionsmöglichkeit von vielen Besuchern kritisiert worden sei, sagte Schindler, man wollte bewusst nur Informationen geben und werde, sofern das gewünscht sei, in Arbeitsgruppen und Gesprächskreisen jederzeit Rede und Antwort stehen. Im Vorfeld habe er bereits rund zwei Dutzend Grundbesitzer in Kammer besucht, die von dem Vorhaben betroffen sind. Dabei habe man viele offene Fragen klären können.
Die Windkraftanlagen mit ihren 170 Meter hohen Türmen und ebenso großem Rotordurchmesser, also mit einer Gesamthöhe von 250 Metern, werden in weiten Teilen des Landkreises, in angrenzenden Regionen bis nach Österreich zu sehen sein. Viele Bürger in Kammer und in Zweckham beklagen die damit einhergehende „Verschandelung der Landschaft“ und befürchten massive Beeinträchtigungen durch den Schattenwurf in den Morgen- und Abendstunden. Dieses Thema kam bei der Präsentation allerdings nur als Randnotiz zur Sprache.
Georg Persigehl von der Firma Reencon hatte nach der Einführung von Stadtwerke-Chef Stefan Will kurz sein Unternehmen vorgestellt, das nach seinen Angaben bisher 480 Windkraftanlagen geplant hat und in zehn Ländern aktiv ist. Er ging auf die Vorteile der Windenergie ein, welche durch ihre dezentrale Struktur unter anderem die Netzstabilität stärke und „den lokalen Wohlstand in den Gemeinden fördert“. Um die Vorgaben der Staatsregierung zu erfüllen, den Freistaat bis 2040 klimaneutral zu machen, bräuchte man allein in der Planungsregion Südostoberbayern mit den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein, Rosenheim, Mühldorf und Altötting 375 bis 570 Windräder, also drei bis vier Räder pro Gemeinde. Zur befürchteten Lärmbeeinträchtigung sagte er, die Umgebungsgeräusche durch Wind, Wald und Verkehr seien deutlich lauter als die von Windenergieanlagen erzeugten Geräusche.
Betrieb nicht vor
dem Jahr 2029
Nach der derzeit laufenden Phase der Voranalyse wolle man in die Machbarkeitsprüfung einsteigen und dann mit der Planung beginnen. Bis die abgeschlossen sein wird, könnten ab jetzt etwa drei Jahre vergehen. Ein weiteres Jahr dürfte das Prozedere bis zur Genehmigung in Anspruch nehmen und ein weiteres Jahr der Bau der Anlagen bis zur Inbetriebnahme.
Mit anderen Worten: Die Bürger in der Region können davon ausgehen, dass die Windräder 2029 in Betrieb gehen werden, wenn alles so läuft, wie es sich die Projektanten und Befürworter vorstellen.