Seit mehr als 30 Jahren baut Familie Lex das Heilige Grab auf

von Redaktion

Die Stätte in der Grabenstätter Johanneskirche wird vor Ostern wieder viele Gläubige anziehen – 1660 erstmals urkundlich erwähnt

Grabenstätt – Auch heuer haben die Brüder Michael und Martin Lex wieder das Heilige Grab in der altehrwürdigen Johanneskirche aufgebaut. Schon als Ministranten durften sie vor rund 30 Jahren beim alljährlichen Aufbau helfen und dann ist ihnen diese Aufgabe nach ihrer Messdienerzeit irgendwie geblieben. Mittlerweile werden sie schon von ihren Kindern unterstützt.

Das Heilige Grab, das beinahe den gesamten Altarraum umfasst, ist eines der letzten Beispiele dieses alten religiösen Brauchtums in der Region. Seine Geschichte reicht über 350 Jahre zurück. Der Vater der Lex-Brüder, Ortsheimatpfleger und Mundartdichter Gustl Lex, hat in den vergangenen Jahrzehnten auch in Zusammenhang mit dem Heiligen Grab fleißig in den Archiven gewühlt und ist fündig geworden. „Das älteste Zeugnis zu diesem frommen „theatrum sacrum“, dem heiligen Theater, stammt aus dem Jahr 1660“, so Lex. Der damalige Grabenstätter Schlossherr Freiherr Ludwig von Widerspach habe im Juni 1660 nach dem Tod seiner dritten Ehefrau wohl in trüben Todesgedanken ein Testament verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Zur jährlichen Ausrichtung des Heiligen Grabes in der Charwoche sollen vom Schloss 5 Gulden bezahlt werden.“ Es ist die erste urkundliche Erwähnung des Heiligen Grabes von Grabenstätt. Danach ist es in der um 1400 im gotischen Stil errichteten Johanneskirche offenbar zu einer festen Institution geworden. Unterbrochen worden sei diese Tradition nach Zeitzeugenangaben nicht einmal von den beiden Weltkriegen – sehr wohl aber von der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021. Eine rund 15-jährige Unterbrechung hatte es mit dem Aufkommen der Säkularisation 1802/1803 gegeben. Damals waren die heiligen Gräber, wie so viele andere religiöse Brauchtümer auch, vom bayerischen Kurfürsten Max IV. Josef, dem späteren König Max I., verboten worden, besser gesagt von dessen berühmt-berüchtigtem Minister und „Hardliner“ Maximilian Graf von Montgelas, der im Geist der Aufklärung Politik betrieben hatte und dann 1817 in Ungnade fiel und von seinen Aufgaben entbunden wurde. Nach dem Sturz des Ministers durch Kronprinz Ludwig, dem späteren kunstbegeisterten bayerischen König Ludwig I., lebte landauf, landab das alte religiöse Brauchtum allmählich wieder auf. Auch der damalige Grabenstätter Pfarrer Jakob Danner wollte offenbar die Gunst der Zeit nutzen und bat das General-Vikariat von Freising um die stiftungsaufsichtliche Genehmigung zur Wiedererrichtung des Heiligen Grabes. Diese wurde dann auch erteilt. Schon 1818 ist die alte Tradition wieder mit Leben erfüllt worden. Immer wieder hat man seitdem Teile des Grabes fachkundig renoviert oder erneuert, zuletzt im größeren Umfang Anfang der 1960er-Jahre, als es vom hiesigen Malermeister Anton Probst neu gefasst worden ist.

Auch heuer wird es mit Sicherheit wieder viele Gläubige anziehen. Möglich ist ein Besuch zu den Anbetungsstunden am Karfreitag, 29. März, von 15.30 bis 21 Uhr und am Karsamstag von 8 bis 15 Uhr. mmü

Artikel 11 von 11