Unterwössen – In seiner aktuellen Gemeinderatssitzung beschloss der Gemeinderat die Erhöhung des Kurbeitrags für Erwachsene bei einer Gegenstimme. Er folgt damit dem Vorschlag des Verwaltungsrates des Achental Tourismus. Der strebt für alle Mitgliedsgemeinden eine Erhöhung des Kurbeitrags zum 1. Januar 2025 um 50 Cent für Erwachsene ab dem 16. Lebensjahr auf zwei Euro pro Übernachtung an. Der Kurbeitrag für Kinder von sechs bis einschließlich 15 Jahren bleibt bei einem Euro pro Übernachtung. Jüngere Kinder und zu 80 Prozent Schwerbehinderte bleiben befreit. Die letzte Erhöhung erfolgte zum Jahresbeginn 2019. Den Kurbeitrag trägt der Gast, nicht der Vermieter.
Die Inflation, die Entwicklungen im Achental Tourismus, die professionellen Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Tourismus lassen die Ausgaben stark ansteigen, betont der Verwaltungsrat. Er nennt gestiegene Personal- und Ausstattungskosten, Marketingkosten und Subventionen für verschiedene touristische Aktivitäten und Einrichtungen. Er führt an, dass der Geltungsbereich der Gästekarten im Öffentlichen Personennahverkehr deutlich erweitert wurde.
Im Jahr 2023 deckte der Kurbeitrag nur etwa 70 Prozent der Ausgaben, voraussichtlich werden 2024 nur noch 65 Prozent gedeckt sein. Mit der Erhöhung strebt der Achental Tourismus an, die Ausgaben ab 2025 zu mindestens 77 Prozent zu decken. Wenn keine besonderen Umstände eintreten, soll der Beitrag dann drei bis fünf Jahre das Niveau halten.
Die finanziellen Mittel aus dem Kurbeitrag ermöglichen eine Vielzahl kostenloser oder vergünstigter touristischer Angebote, darunter die Nutzung des ÖPNV im gesamten RVO-Gebiet, kostenlose Winter- und Wanderangebote sowie die Förderung von Veranstaltungen und Attraktionen in der Region.
Verwaltungsleiter Müllinger sieht den erhöhten Beitrag im Vergleich zu anderen Tourismusregionen im mittleren bis oberen Bereich.
Erste Resonanz aus den Mitgliedsgemeinden belege, so der Verwaltungsleiter, dass sie dem Vorschlag des Verwaltungsrates des Achental Tourismus folgen. Nur Marquartstein will aus besonderen örtlichen Umständen die Erhöhung später vollziehen.
Ratsmitglied Gabi Neubert (Bündnis 90/Die Grünen) regt an, den erhöhten Aufwand durch die Hundeinfrastruktur in der Gemeinde über einen Kurbeitrag für Hundebesitzer in Teilen abzudecken. Der Verwaltungsleiter befürchtet, dass die Gesetzeslage rund um den Kurbeitrag das wohl nicht hergibt.
Die einzige Gegenstimme für den Antrag kam von Gemeinderat Barthl Irlinger (OWG). Der – zugleich Vorsitzender der privaten Gastgeber im Chiemgau – rechnet vor, dass die Erhöhung für den Erwachsenen 33 Prozent ausmacht. Das hält er derzeit für zu hoch. Das belaste den Wettbewerb für die heimischen Gastgeber.
Gemeinderat Johannes Weber (CSU) hält dagegen. „Steuer-, Gebühren- und Beitragsthemen verlangen besondere Umsicht und Bedacht. Das wurde bisher so gehandhabt und wird es auch in diesem Fall. Die Erhöhung ist sachlich begründet und in ihrer absoluten Höhe vertretbar. Ludwig Flug