„Gebt mir Bilder!“

von Redaktion

Äußere Realitäten und innere Welten: Ausstellung des Bernauer Kunstkreises im Rathaus

Bernau – „In der Kunst wurde bisher die äußere Realität in Bildern abgebildet. Die innere Sichtweise des Künstlers beeinflusst immer die Darstellung der äußeren Realität.“ Mit diesen Worten hat Dr. Corinna Brandl die diesjährige Ausstellung des Bernauer Kunstkreises im Rathaus im Gästebuch, das am Eingang ausliegt, umschrieben. Wer die Oeuvres zu „Gebt mir Bilder!“ betrachtet, wird aber auch sein eigenes inneres Bild mit dem Werk an der Wand verbinden. Bis zum Ende der Sommerferien dient das Bernauer Rathaus als Galerie. Im Sommer soll die Ausstellung mit einem Skulpturenpark erweitert werden, Exponate von Dorothea Tielemann werden dann im Kurpark zu bewundern sein. Vorerst allerdings beschränkt sich die Ausstellung „Gebt mir Bilder!“ auf die Räumlichkeiten des Rathauses. Heuer stellen neben Dr. Brandl Dorothea Tielemann, Christl Wittmann, Yannine Cansaya, Christel Heilmann-Tiedt und Peter Zeiler aus. Corinna Brandl lässt Farben klingen: Im Foyer grüßt „Sommergarten“ – Blumen in Acryl. Eine Gesichtshälfte von „Phytia“, der Seherin aus Delphi, verbirgt sich hinter einem Vorhang und doch weist der ausgestreckte Finger darauf hin, dass sie alles sieht. Die Trilogie „Wasserblumen“ spricht für sich: Fantasie-Blumen, fließendes Wasser als nicht greifbare Materie – da vermischt sich figürliches mit abstrakt-expressiven Elementen. Dorothea Tielemann hingegen hat sich auf Objekte fokussiert: „Der Kreis des Vertrauens“ ist ein Porzellanteller, in dem Menschen in Modelleisenbahn-Größe um eine Person in der Mitte einen Kreis bilden. Die Glasobjekte im gläsernen Treppenaufgang, die eine Stadt-Silhouette darstellen, tragen den sprechenden Namen „Geöffnete Portale“. Kleine Matchbox-Autos hat sie „In den Sand gesetzt“ – mal farblich in Reihen angeordnet, mal nebeneinander einzeln oder als Pärchen parkend. Das wirkt wie „Kunst aufräumen“ und regt doch die Fantasie an – wer möchte da nicht die Autos in die Hand nehmen und diese anders parken? Yannina Cansaya lässt in ihren Öl- und Acryl-Bildern ihre peruanische Herkunft einfließen. Netze beziehungsweise Teile davon – in Erinnerung an die Feldarbeit ihres Vaters – werden miteingewebt, Farben und Formen aus ihrer Heimat spiegeln sich in den Werken mit Tiermotiven (wie beispielsweise der Geier bei „Vuela“ und Papagei „bailando“) wider. Christel Heilmann-Tiedt weckt mit ihren Aquarellen wie den Urlaubsimpressionen aus Cadiz die Reiselust, und ihre Blumenbilder regen die Vorfreude auf den Sommer an. Christl Wittmann wartet mit kleinformatigen Bildern auf. Frühere Werke, in ein kleineres Format zurechtgeschnitten und neu gerahmt, werden verfremdet, werden beispielsweise zu „Wasserlandschaften mit Seerosen“. Die Schattenrahmung verleiht der „Stadt“ ein ganz neues Antlitz. Und mit Kaffee, Gewürzen und Salz erfahren ihre Bilder eine weitere Dimension: mehrschichtig, das ja, aber wer genau hinsieht, meint, sogar Duftspuren wahrzunehmen. Peter Zeiler wiederum setzt zum einen auf fotorealistische Kunst. Die Buntstiftradierung „Schmetterling“ zeigt – unschwer zu erkennen – ein Tagpfauenauge. Und zum anderen auf beinahe naiv anmutende Kunst. Bei „Farbindividuen im Senegal diskutieren über das zukünftige Outfit des Mondes“ mag der sperrige Titel irritieren, doch je länger man hinsieht, kann man sich fragen: warum nicht? Jeder Farbkreis wirkt individuell, die unterschiedlichen Braun-Töne im Hintergrund könnten Wüstensand sein, aber können sie nicht auch die Mondoberfläche darstellen? Wie eine Helix wirkt „Felix‘ Himmelfreuden“: unterschiedlich große Kreise, feinteiligst mit dem Feinliner gezirkelt. Ins Gästebuch hat Dr. Brandl noch geschrieben: „Was dem einen gefällt, gefällt nicht immer dem anderen.“ Es lohnt sich, sich die Ausstellung „Gebt mir Bilder“ anzusehen und sich sein eigenes Bild zu machen. Denn hier gibt es Bilder, die die Fantasie anregen. Bilder, die unterschiedlicher nicht sein können. Bilder, die der wahrlich tristen Welt Farbtupfer verleihen.

Die Ausstellung geht noch bis zum Ende des Sommers und kann zu den Öffnungszeiten im Bernauer Rathaus besichtigt werden.elk

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