Schleching – Wie geht es weiter mit dem Dorfladen Schleching? Darüber beriet der Gemeinderat Schleching in seiner jüngsten Sitzung, denn der Nahversorger hat finanzielle Probleme: Die Nebenkosten aus dem Jahr 2022 und 2023 und eine geplante Mieterhöhung machen dem Laden finanziell zu schaffen. Nun lag dem Gemeinderat ein Antrag mit der Bitte um Hilfe vor.
Gestellt hatten ihn die Geschäftsführerin des Dorfladens Simone Hondele und die beiden Gesellschafter Claus Rathje und Martina Hammerl-Tiefenböck. Konkret wurde darin um die Stundung der Nebenkostennachzahlungen aus 2022 und 2023 in Höhe von rund 12000 Euro sowie die Aussetzung der Mieterhöhung von 650 Euro auf 810 Euro ab April gebeten.
Nahversorger wichtig
für den Ort
Kämmerin Stephanie Oberressl hatte ein großes Zahlenwerk über die finanzielle Entwicklung des Dorfladens über zwölf Jahre ausgearbeitet. Es zeigte sich eine durchaus positive Entwicklung in dieser Zeit. Bis schließlich ab dem Jahr 2020 drei Faktoren dem Dorfladen zu schaffen machten: Corona, die Erhöhung des Mindestlohns und die massiv gestiegenen Energiekosten. All dies würde den gesamten Einzelhandel – und eben besonders die kleinen Geschäfte – treffen, so Oberressl.
Die Kämmerin betonte allerdings, dass sie den Dorfladen nicht als üblichen Gewerbebetrieb sehe. Darauf hatten auch die Antragsteller explizit hingewiesen. Der Dorfladen habe keine Gewinn-Absicht, sondern sei zur Sicherung der Nahversorgung gegründet worden und sei somit kein Gewerbebetrieb.
Kämmerin Oberressl betonte allerdings auch, dass die Gemeinde den Dorfladen bereits unterstütze. So lägen die Forderungen der Gemeinde weit unter dem marktüblichen Wert. Die Kaltmiete liege bei 2,67 Euro pro Quadratmeter. Die ermittelten Kosten der Gemeinde lägen umgerechnet auf die Quadratmeter bei 5,86 Euro.
Zudem müsse der Dorfladen keine Fremdenverkehrsabgabe zahlen, wie bei den anderen ortsansässigen Betrieben üblich, obwohl der Nahversorger auf jeden Fall auch von den Touristen profitiere.
Die Restforderung der Nebenkosten 2022 belaufe sich somit auf rund 1500 Euro. Für das Jahr 2023 werde in den nächsten Tagen die Abrechnung erstellt. Diese werde angesichts der gestiegenen Energiekosten bei etwa 12000 Euro liegen. Die Nachzahlungen seien hauptsächlich auf die gestiegenen Energiekosten zurückzuführen.
Bürgermeister Josef Loferer (CSU) und die Gemeinderäte zeigten sich überzeugt davon, dass es sich beim Dorfladen nicht um einen üblichen Gewerbebetrieb handle. Alle waren sich einig, dass Schleching den Dorfladen brauche, was in den Wortbeiträgen zum Ausdruck kam. So erinnerte Stephan Mix (CSU) an die älteren Menschen, die durch die Nähe eines Dorfladens unterstützt würden.
Timo Kleinschroth (UBS) sprach sich ebenfalls für den Dorfladen aus. Er wünschte sich aber eine Betriebsanalyse und Informationen, welche konkreten Maßnahmen zum Erhalt des Ladens unternommen werden.
Dorfladen-Gesellschafter Claus Rathje erläuterte, dass an einem Konzept gearbeitet werde. Der Umsatz habe 2023 schon gesteigert werden können, zudem seien viele Dinge angestoßen worden. Im Dezember sei dann die Information über die große Nebenkosten-Nachzahlung gekommen. Bis dahin habe sich der Dorfladen auf einem guten Weg zur Wirtschaftlichkeit gewähnt. Gesellschafter und Gemeinderatsmitglied Martina Hammerl-Tiefenböck (UBS) fügte hinzu, dass der Beirat des Dorfladens in engem Austausch mit dem Steuerberater und den Mitarbeiterinnen sei, um flexibel und schnell reagieren zu können.
Andi Hell (UBS) betonte dass er den Dorfladen zwar unterstütze, wünschte sich aber eine neue Strategie. Er könne keine Lösung für die Zukunft erkennen und schlug die Beteiligung eines Fachmanns als Betriebsberater vor. Elfie Bachmann (UBS) sah dazu jedoch keine Notwendigkeit und beklagte „Bauchschmerzen“ bei einem externen Berater. Sie verwies auf die enge Zusammenarbeit mit dem Steuerberater. Jedoch würde sie es begrüßen, wenn künftig das Thema Dorfladen im Gemeinderat öfter besprochen wird, damit alle Gemeinderäte auf dem gleichen Wissensstand seien. Dem stimmte auch Bürgermeister Loferer zu. Der Arbeitskreis solle schneller zusammenkommen, wenn etwas Wichtiges ansteht. Den Blickwinkel eines Externen würde er begrüßen.
Bachmann verwies noch darauf, dass der Beirat im „Dorfladen Netzwerk“ integriert sei und von dort viel Beratung bekomme. Hammerl-Tiefenböck fügte hinzu, dass im Netzwerk ein „absoluter Fachmann“ vertreten sei und kein weiterer Berater gebraucht werde.
Remigius Bauer (parteilos) verwies auf die allgemeine Situation im Einzelhandel, auf das Personalkarussell in der Verwaltung in der vergangenen Zeit und die geänderten Situationen am Markt. Er habe Hoffnung, dass der Dorfladen seine Position am Markt finde und dann wieder in der Lage sei, Schulden zurückzuzahlen und neue Investitionen zu tätigen. Auch er war der Meinung, dass es keinen zusätzlichen Berater brauche. Seitens der Gemeinde wünschte er sich, dass Änderungen transparenter und früher kommuniziert würden, damit der Dorfladen sich darauf einstellen könne – unter dem Motto „Umstellungen brauchen Zeit“.
Nebenkosten werden
vorerst ausgesetzt
Mit sechs zu sieben wurde schließlich der Antrag von Andi Hell, dem Schlechinger Dorfladen einen externen Fachberater zur Seite zu stellen, abgelehnt.
Die Anträge des Schlechinger Dorfladens erhielten teils eindeutige Zustimmung. So bekannte sich der Gemeinderat einstimmig zum Schlechinger Dorfladen als wohnortnahen Versorger und entschloss sich ihn im Rahmen seiner gesetzlichen und finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen.
Als konkrete Maßnahmen beschloss der Gemeinderat daher die Aussetzung der offenen Nebenkosten 2022 und 2023, bis der Dorfladen diese Zahlungen tätigen könne, ohne den Betrieb zu gefährden. Mit drei Gegenstimmen beschloss das Gremium die Mieterhöhung zurückzustellen und erneut zu prüfen.
Die Freude und Erleichterung der Antragsteller war deutlich zu spüren. Claus Rathje appellierte an die Schlechinger: „Kauft weiter ein im Dorfladen!“.