Traunstein – „Ich habe eine Hartz-IV-Jugend hinter mir und bin viel umgezogen in meinem Leben. Ich habe eigentlich immer den Traum gehabt, mal so einen Spot vor der Haustür zu haben.“ Die Sonne scheint, im Hintergrund fliegen Jugendliche auf Rädern durch die Luft. Jasper Jauch steht im Bikepark in Traunstein. Dort ist es gerade ungewöhnlich voll.
Im Weltcup
mitgefahren
„Können wir vielleicht da rübergehen, ich muss mich anlehnen“, bittet Jasper. Er habe „Rücken“. Ob das wohl vom vielen Rampenbauen kommt? Wissen wir nicht. So oder so könnte man Jasper Jauch als Rampensau bezeichnen, im positivsten Sinne: Bis 2018 ist er im Downhill-Weltcup mitgefahren und immer noch ist er Mountainbike-Profi durch und durch. Sein Leben dreht sich um den Sport, mittlerweile teilt er seine Leidenschaft lukrativ auf Social Media: Vor einem Jahr ist er nach Traunstein gezogen.
„Wie cool ist das denn!“, hat er sich gedacht, als er den Bikepark am Sparzer Graben entdeckte. In seiner bewegten Vergangenheit wäre es schwer gewesen, so etwas zu finden. Die Idee hätten er und seine Kumpels immer gehabt, aber das Grundstück fehlte und später kam mit dem Erfolg im Radsport das ständige Umziehen dazu. Keine Chance für einen Bikepark. Und dann ist Jasper in der neuen Wahlheimat einfach drüber gestolpert.
„Die haben das hier öffentlich zugänglich, die meisten Spots sind ja abgesperrt. Mega cooler Spot, aber schade, irgendwie ganz schön runtergekommen.“ Eigentlich wollte er nur für ein Video einen Trick mit dem Fahrrad aufnehmen, aber die kaputte Rampe fiel ihm ins Auge. Jasper fing dann einfach an, sie zu reparieren: „Wenn das sonst keiner macht, mache ich das eben.“ Er habe damals gar nicht gewusst, wer den Bikepark betreibt. Irgendwann sei er aber dann auf David gestoßen.
„Wir waren damals so 20 Leute und auf der Suche nach einem Grundstück.“ David Fackler ist Mitbegründer des Vereins Cypress Dirt Club und Mitinitiator des Fahrradparks in Traunstein. Schon 2008 kam die Idee auf. Drei Jahre später konnte der Bikepark eröffnet werden, die Stadt Traunstein hatte den Bikern das Grundstück am Sparzer Graben zur Pacht angeboten. Früher war hier die Skisprungschanze: Perfekt auch zum Anlauf nehmen beim Anfahren für die Rampen beim Biken. Außerdem zentral gelegen, und generell abfallendes Gelände, also super für einen Bikepark, erklärt David.
Dann habe aber der Zahn der Zeit an dem Projekt genagt. Viele der Vereinsmitglieder seien, so David, weggezogen oder hätten mit dem Biken aufgehört. Letztlich musste er das Ganze mehr oder weniger im Alleingang stemmen. Immer wieder gab es auch Erneuerungsaktionen. Einige wenige Kinder und Jugendliche waren auch nach wie vor mit ihren Bikes am Start: „Wir haben schon versucht, alles immer mal zu erneuern, auch jedes oder jedes zweite Jahr wieder eine Aktion, aber es ist halt nie richtig angelaufen.“ Das soll jetzt anders werden. David ist froh, dass Jauch mit in das Projekt eingestiegen ist.
„Wir können sein Engagement, aber auch seine Bekanntheit nutzen“, erzählt David. Und jetzt seien die Aufgaben einfach besser verteilt. Jasper war auch von Anfang an wichtig, den Bikepark zusammen mit den Kindern und Jugendlichen neu aufzubauen: „Wenn die mitbestimmen dürfen, was hier gebaut wird, und sogar selber mithelfen, dann können sie sich viel mehr mit ‚ihrem‘ Bikepark identifizieren.“
Beim Bauwochenende Anfang April waren dann alle generationsübergreifend am Start, um den Bikepark zu neuem Leben zu erwecken. Jasper ist sich sicher: „Da wird jetzt was passieren, da rührt sich was.“
Professionelle Unterstützung gab es von Firmen wie Berger oder Tradler, selbst begeisterte Biker, die Bagger und Erde sponserten. Essen und Getränke übernahmen unter anderem die Fahrradläden Cypress und E*thirteen, wofür Jasper und David super dankbar gewesen seien.
Das Holz für die Rampen hatte Jasper übernommen und so halfen alle zusammen, dass der Park wieder Spaß macht: Einen Appell hat Jasper dann aber noch, damit sich der Bikepark und der Verein auch in Zukunft weiterentwickeln können:
„Der Junge, der gerade oben auf dem Absprung steht, der ist auch schon ein bisschen älter und hat hier so seine zwei, drei Freunde und die sind, glaube ich, schon auch bereit, so ein bisschen Verantwortung zu übernehmen.“ Und das sei eben wichtig, dass sich jetzt viele finden, die Lust haben, mitzumachen. Bislang gab es wenig Berührungspunkte mit dem Verein, aber das soll nicht so bleiben.
„Ich würde es eigentlich schon cool finden, wenn einfach alle, die hier regelmäßig fahren, alle, die das interessiert, in den Verein eintreten und Teil dieses Vereinsleben werden. Das heißt, dass es vielleicht früher oder später eine Whats app-Gruppe gibt oder eben generell einfach regelmäßige Treffen. Ich bin wahrscheinlich nicht immer dabei, aber kann sicher alle drei Wochen meinen Senf dazu geben und was ich tun kann, ist organisieren im Background.“
Ein Platz
für alle Radler
Der Bikepark ist übrigens für alle geeignet, vom Anfänger bis zum Profi. Und gerade für Kinder aus sozial schwächeren Familien, wie auch Jasper Jauch damals, ist der Traunsteiner Bikepark eine gute Möglichkeit, mit dem Biken zu beginnen. Kein Eintritt und vieles ist auch mit einem ganz normalen Fahrrad machbar. Sogar der E-Biker, sagt Jasper, könne den „Pumptrack“ fahren. Na dann – keine Ausreden – Biken ist wie Fliegen nur härter. Und Jaspers Rücken geht es sicherlich jetzt auch schon wieder besser – muss ja, denn das nächste Bauwochenende wartet schon.