Mehr als ein Hobby „für alte Männer“

von Redaktion

20 Anlagen und Dioramen präsentieren sich in einer Messe auf Frauenchiemsee

Frauenchiemsee Vor dem Bahnübergang treibt der Schäfer seine Schafherde über die einspurige Straße. Buschige Sträucher säumen den Asphalt und eine Linde wirft einen langen Schatten auf das Gras. Die Tiere halten einen Traktor auf, und der Bauer wartet geduldig, während die Herde beim Kreuzen der Straße sein Gefährt umspült.

Miniaturen im
Maßstab 1:160

Es ist die Szene eines Dioramas, einer auf einer Fläche von 20 mal 40 Zentimetern. Eine ruhige Hand setzte sie mit Geduld und Pinzette zusammen und schuf aus winzigen Menschen, Tieren, Fahrzeugen und Pflanzen eine heile Welt, die sich nur durch den Winkel des Betrachters oder den Lichteinfall verändern wird.

„Die Sachen sind sehr klein“, sagt Wolfgang Besenhart, der Veranstalter der Messe „Die Welt der kleinen Bahnen“, die vom 17. bis 20. Mai zum dritten Mal in der Aula auf Frauenchiemsee stattfindet. Auch wenn sich die Menschen und Tiere nicht bewegen – statisch ist sie nicht. Werden Schalter umgelegt und an Reglern gedreht, erfüllt der Duft von elektrischen Schleifkontakten die Luft. Züge, Schiffe, Busse und Autos kommen in Fahrt und beleben die Stillleben, die sich auf der gut 300 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche verteilen. „Auf mehr als 20 Anlagen und Dioramen zeigen wir die einzigartige Vielfalt und Tiefe unseres Hobbys“, sagt der Veranstalter, wobei ein Großteil der Dioramen auch bewegliche Elemente enthält. Die überwiegende Gemeinsamkeit: Die Miniaturwelten „haben immer irgendwo auch mit Eisenbahn zu tun“, sagt Besenhart.

Der 70-jährige Veranstalter von der Fraueninsel ist selbst seit 40 Jahren in der Branche aktiv. Die Idee einer eigenen Messe auf der Insel kam ihm während der Pandemie, da die großen Veranstaltungen in dieser Zeit nicht stattfinden konnten. Jetzt holt er Aussteller aus aller Welt zum Chiemsee. Wer vier Jahrzehnte als Modellbauer tätig ist, „kennt sie alle“, sagt Besenhart, und in der Aula wird „das Beste im Grunde genommen, was Sie sehen können, in Europa“ ausgestellt.

Ob das so ist, wird das Publikum entscheiden. Letztes Jahr seien es rund 800 Besucher gewesen, sagt der Insulaner – die meisten davon fachkundige. Dieses Jahr rechnet Besenhart mit mehr Besuchern der kleinen Messe und bindet auch sein Publikum mehr ein. Da alles winzig ist, können die Augen die ausgestellten Dioramen, die zwischen wenigen Zentimetern oder mehreren Metern breit sind, rasch überfliegen. Die Besonderheit steckt aber im Detail.

Unzählige Stunden werden die Landschaften aufgebaut und mit teilweise handbemalten Accessoires entstehen die verschiedenen Szenen. Besucher werden dieses Jahr angehalten, sich auf die gezeigten Einzelheiten einzulassen und eine Geschichte über die Szene zu schreiben, die sie beobachten. Die eingesendeten Texte werden von einer Jury beurteilt, und den Gewinnern winken insgesamt 1000 Euro und Sachpreise.

Außerdem können die Gäste selbst einen Sieger aus ausgewählten Dioramen küren. Damit möchte Wolfgang Besenhart die Besucher anregen, mehr als nur einen Augenblick in die kleinen Welten einzutauchen. Der 70-Jährige möchte auch das Image aufbrechen, dass Modellbauen ein Hobby „für ein paar alte Männer“ ist, sondern eine Möglichkeit, sich „kreativ zu äußern.“

Ein Schemel für
die Kleinsten

Besonders engagierte Besucher dürfen auch mal an den Reglern spielen, und für die kleinen Gäste werden auch Schemel bereitgestellt, um über die Tischkante der Miniaturen schauen zu können. Für Fachkundige oder neue Begeisterte sind auf der Messe auch mehrere Hersteller vertreten, von denen manche auch selbst anwesend sind. Weitere Informationen zur Messe finden Sie unter www.die-welt-der-kleinen-bahnen.de.

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