Streit um Solarpark geht weiter

von Redaktion

Fachmann für Nachbarschaftsstreit, so könnte sich Rudolf Trinkberger junior wohl mittlerweile nennen. Seit zehn Jahren hat der Pallinger massiv Ärger wegen seines Solarparks: Sie blende den Nachbarn. Auch die letzte Maßnahme, eine meterhohe Sichtschutzmauer aus Baumstämmen, kann keinen Frieden stiften.

Palling/Landkreis Traunstein – „Eigentlich eine richtig gute Sache“, dachte sich vor über zehn Jahren Rudolf Trinkberger junior aus Palling. Mit einem Solarpark auf einer seiner Grundstücksflächen könnte er kostengünstig Strom produzieren. Als Wirtshaus- und Metzgereibesitzer sinnvoll, weil viel Strom benötigt wird. Leider hat Trinkberger die Rechnung ohne den Nachbarn gemacht.

Erbitterte
Auseinandersetzung

Seither tobt ein Nachbarschaftsstreit: Ein Anlieger des Solarparks (Name der Redaktion bekannt) war von Anfang an gegen die Errichtung der Photovoltaikanlage: „Erst war angeblich durch die Solaranlage der Boden darunter kontaminiert, dann wären es Vögel gewesen, die wohl die Solaranlagen als See verwechseln könnten und so massenhaft sterben würden“, erzählt Rudolf Trinkberger zu den Beweggründen des verärgerten Nachbarn. Dann kam der Vorwurf der Blendung ins Spiel: „Das hat dann vor Gericht gezogen.“

Es folgt ein endloses juristisches Geplänkel mit zahlreichen Gutachten und Gerichtsterminen. Die Frage: Findet durch die Reflexion der Sonne auf den Solarpaneelen tatsächlich eine Blendung des Nachbarn, der dort eine Gärtnerei betreibt, statt? Fachleute beurteilen die Situation in den folgenden Jahren immer wieder unterschiedlich. Letztlich entscheidet ein Gutachter: Es liege „Absolutblendung“ vor.

Hier handle es sich um die stärkste Form der Blendung, bei der es sogar zu physischen Beeinträchtigungen des Augenlichts komme, sagt Rechtsanwalt Udo Volpert, der den Nachbarn juristisch vertritt. Die Konsequenz: Rudolf Trinkberger bekommt die Auflage, einen Blendschutz zu errichten. Daraufhin stapelt er eine bis zu fünf Meter hohe Mauer aus Baumstämmen entlang der Grundstücksgrenze und pflanzt schnell wachsende Bäume, die dann den Baumwall ersetzen können. Es keimt Hoffnung auf: Vor drei Wochen (8. August) findet im Ortsteil Jegling in Palling vor der Gärtnerei des Klägers eine Begehung statt: Mit dabei, die zuständige Richterin des Traunsteiner Landgerichts, aber auch Rudolf Trinkberger: „Ein Versuch von der Richterin, eine Schlichtung, also irgendeinen Kompromiss zu finden.“ Vor Ort, so die Hoffnung, könnte vielleicht doch noch das Kriegsbeil begraben werden.

Obwohl laut Trinkberger dank des Blendschutzwalles nur noch zehn Prozent der PV-Anlage vom Gärtnereigrundstück zu sehen seien, macht er einen Vorschlag: „Weil es einfach schon so viele Nerven und Zeit gekostet hat, es ist ja quasi Energieraub sondersgleichen, haben wir den Vorschlag gemacht: 5000 Euro Einmalzahlung, um guten Willen zu zeigen.“ Das war dem Nachbarn aber viel zu wenig. Kompromiss abgeschmettert: „Die Richterin war auch verärgert. Sie hat gesagt, das ziehe sich jetzt schon so lange, wir wären ja schon die Lachnummer der Nation“, erinnert sich Trinkberger. Recht hätte sie, nur zum Lachen sei ihm nicht.

Ein neues Gutachten muss her, findet der Gärtner, denn: Die zehn Prozent, die noch sichtbar wären, würden entsprechend immer noch blenden. Dafür möchte er Schmerzensgeld. Und zwar deutlich mehr als die gebotene Summe. Es bleibt also auch dem Gericht nichts anderes übrig, also wieder einen Sachverständigen zu beauftragen, um die verbleibende Blendung zu prüfen. Das kann dauern, denn die Blendzeiten sind begrenzt. „Dieses Jahr ist die vermeintliche Blendzeit ja schon vorbei, eigentlich kann man das dann erst nächstes Jahr wieder messen“, erklärt Trinkberger. Hintergrund: Die vorherigen Gutachten ergaben eine Blendung von zweimal im Jahr, jeweils 14 Tage vor und nach der Sonnenwende, für jeweils eine Viertelstunde. Da ist also dann nicht nur Fachwissen, sondern auch gutes Timing vom Gutachter gefordert.

Kameras
angebracht

Bis dahin bleibt Rudolf Trinkberger nur, das Positive herauszuziehen: „Im Moment fällt sowieso viel Holz an wegen des Borkenkäfers. Das kann ich dann gut hier als Blendschutz zwischenlagern.“ Er habe aber zur Sicherheit jetzt Kameras am Holzwall angebracht. Die Gegenseite hätte neulich erwähnt, dass sowas ja schnell brennen kann. Eine Drohung? Trinkberger geht auf Nummer sicher. Auch die Baumstämme tauscht er regelmäßig aus, damit das Holz nicht zu trocken ist. Ansonsten? Mal wieder abwarten auf das Ergebnis des nächsten Gutachtens.

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