Chieminger Räte nennen Forderungen

von Redaktion

Gremium knüpft Zusage zum Bau von Mehrfamilienhäusern an zahlreiche Bedingungen

Chieming – In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde mit 12:3 Stimmen mehrheitlich der Bauleitplanung zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zur Errichtung von vier Mehrfamilienhäusern zwischen der Eggerichstraße und der Staatsstraße 2095 gegenüber dem Lidl-Discounter im Ortsteil Egerer zugestimmt. Allerdings ist der Gemeinderatsbeschluss an mehrere Bedingungen geknüpft. Die Nutzung als Zweitwohnung ist auszuschließen. Die Gemeinde erhält ein Wohnungsbelegungsrecht für drei Wohnungen auf die Dauer von 20 Jahren bei einem Mietpreis unter zehn Euro pro Quadratmeter.

Verlegung von
Abwasserleitungen

Als weitere Voraussetzungen für die Erstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes ist vom Projektträger ein Vorhaben- und Erschließungsplan vorzulegen und vom Gemeinderat zu billigen. Sämtliche Kosten im Zuge der Bauleitplanung sind vom Antragsteller zu übernehmen, ebenso die Kosten für die Verlegung der Schmutzwasserhauptleitung, die durch das Grundstück führen.

Die Straßenverkehrsfläche entlang der Eggerichstraße ist zudem gemäß bestehendem Bebauungsplan „Egerer“ im Bebauungsplan aufzunehmen. Eine Vereinbarung über die Veräußerung an die Gemeinde ist spätestens beim Durchführungsvertrag zu vereinbaren, so Bürgermeister Reichelt zur Beschlussfassung.

Geplant sind durch den Investor Ju:niz Real Estate aus Traunstein der Bau von vier energieeffizienten und nachhaltigen Mehrfamilienhäusern mit Garagen/Carports und weiteren oberirdischen Stellplätzen zur Schaffung von bezahlbarem und barrierefreiem altersgerechten Mietraum in der Gemeinde Chieming. Es sollen 36 Wohneinheiten, verteilt auf zwei Vollgeschosse sowie Dachgeschoss mit Gauben entstehen.

Die Gebäude werden jeweils mit einem Aufzug ausgestattet und mindestens die Wohneinheiten im Erdgeschoss barrierefrei und altersgerecht beziehungsweise familiengerecht konzipiert. Die Dächer der Wohngebäude und Garagen sollen mit PV-Anlagen zur Energiegewinnung ausgerüstet werden. Eine vier Meter hohe Lärmschutzwand an der Staatsstraße 2095 soll als Garagenrückwand dienen und kann in Kombination mit PV-Modulen aufgestellt werden. Eine schalltechnische Untersuchung wird im Zuge des Verfahrens beauftragt, um die erforderlichen Schallschutzmaßnahmen und die genaue Höhe der benötigten Lärmschutzwand zu ermitteln.

Durch Einbindung erneuerbarer Energien und weitreichender baulicher Maßnahmen soll der höchstmögliche Standard eines Effizienzhauses BEG 40 erstellt werden, sagte Reichelt. Die Beheizung der Wohnanlage soll schwerpunktmäßig über Luftwärmepumpen erfolgen. Dadurch sollen werthaltige und komfortable Gebäude entstehen, die Energie einsparen und die Kohlendioxid-Bilanz verbessern. Durch eine Energiezentrale und Zusammenschluss der PV-Anlagen wird der durch erneuerbare Energien erzeugte Strom den Nutzern mittels Mieterstromkonzept kostengünstig zur Verfügung gestellt.

Ein einzelnes Mehrfamilienhaus soll eine Grundfläche von 268,75 Quadratmeter haben, bei einer Grundflächenzahl von 0,268, einer seitlichen Wandhöhe von sieben Metern, und einem Satteldach von 25 Grad Dachneigung. Pro Haus soll es neun Wohneinheiten geben, bei 39 oberirdischen Stellplätzen.

„Der Gemeinde wird ein Belegungsrecht für drei Wohnungen in Haus vier auf die Dauer von 20 Jahren angeboten als Ausgleich für das zusätzlich entstehende Baurecht auf dem Grundstück bei einem Mietpreis von unter zehn Euro pro Quadratmeter“, führte das Gemeindeoberhaupt aus. Die Planung sei bereits mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein wegen der Errichtung einer Linksabbiegerspur und eines Geh- und Radweges abgestimmt worden. Eine entsprechende Grundabtretung sei dabei in Aussicht gestellt worden.

Für das Projekt wurde zudem bereits eine Verkehrsuntersuchung im Zuge der Untersuchung zum geplanten Kreisverkehr an der Staatsstraße 2095 durchgeführt. Die Untersuchung kommt zum Ergebnis, dass das Planungsvorhaben mit einem abgeschätzten Neuverkehr von 180 Kraftfahrzeugen pro Tag sich im umgebenden Straßennetz nicht spürbar auswirkt und somit aus verkehrlicher Sicht verträglich ist.

Gemeinderat Sebastian Heller (Grüne) sagte, dass ihm 39 Stellplätze für 36 Wohnungen knapp erschienen. Heller regte an, dass ein Verbesserungskonzept für die Stellplätze im geplanten Baugebiet ausgearbeitet werde. Elisabeth Heimbucher (Grüne) schloss sich ihrem Vorredner an und forderte, dass „die Autos teilweise in der Unterkunft untergebracht werden.“

Andrea Roll, eine weitere Fraktionskollegin der Grünen, ging noch einen Schritt weiter und schlug vor, eines der vier Häuser wegzulassen, weil die Bauplanung grundsätzlich nur von drei Häusern auf dem Grundstück ausging, und gemäß den vorliegenden Plänen eine zu große Flächenversiegelung vorliege.

Zweiter Bürgermeister Markus Brunner (UW) gab zu bedenken, dass der Ortsteil Egerer in jüngster Zeit erheblich gewachsen sei. Da stelle er sich die Frage, wie viel Wachstum dieser Bereich vertragen könne. Da die Mietwohnungen für die Gemeinde im Haus vier untergebracht seien, schlug Brunner vor, mit diesem Hausbau zu beginnen, falls sich das Projekt ähnlich entwickle wie derzeit die nicht fertig gebauten Doppelhaushälften im Zentrum von Tabing, weil sich der Investor mit dem Verkauf schwertut. Bürgermeister Reichelt sagte, die beiden Anlagen seien nicht miteinander vergleichbar. In Tabing handle es sich um Doppelhaushälften, die zum Verkauf stehen, in Egerer um Mehrfamilienhäuser, deren Wohnungen zur Vermietung stünden. Auch die Investoren haben nichts miteinander zu tun.

Grüne Räte
stimmen dagegen

Schließlich wurde mit 12:3 Stimmen für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan gestimmt, von Elisabeth Heimbucher, Sebastian Heller und Andrea Roll (alle Bündnis 90 – Grüne) kamen die Gegenstimmen.

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