Grassau/Unterwössen – Streift wieder einer in der Region umher? Vielleicht sogar mehrere? Oder ist doch etwas anderes als ein Wolf verantwortlich für das Schicksal von zwei Tieren in der Region? Am vergangenen Freitagmittag fanden die Eigentümer einer Weide im Oberwössener Ortsteil Litzelau am Rand ihrer Weide ein Schaf. Tot – und übel zugerichtet. Der Körper war wohl noch warm, die Wirbelsäule lag frei. Ihr entlang lag der Leib des Schafs offen, der Kadaver auf der Seite. Und die linke Kopfseite war aufgefressen.
Um mehr über die Todesursache des Tieres herauszufinden, wurde ein Diplombiologe des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) verständigt. Am Tag darauf wurde das tote Schaf nach möglichen Anzeichen eines Beutegreifers untersucht. Die erste Einschätzung des Experten: die typischen Angriffsspuren eines Wolfes fand er nicht. Es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass diese Spuren unter dem dichten Schaffell verborgen sind oder dem Fraß zum Opfer fielen. Wo er sich aber sicher sei: Dass sich nach dem Tod auch Vögel am Kadaver zu schaffen machten. Das zeigen typische Zupfspuren in den Wunden.
Ebenso sei noch nicht auszuschließen, dass das Schaf womöglich eines natürlichen Todes gestorben sei und sich dann kleine Raubtiere, wie ein Fuchs, über den Leichnam hermachten. Eine Obduktion des LfU soll genauere Informationen liefern. Ein Sprecher bestätigte am gestrigen Montag den Vorgang. Die genetischen Analysen werden am Senckenberg-Forschungsinstitut, Fachgebiet Wildtiergenetik, Gelnhausen, durchgeführt. Der Fund in Oberwössen ist aber kein Einzelfall. Medienberichten zufolge wurde in einer Whatsapp-Gruppe, in der sich Landwirte vernetzt haben, das Foto eines gerissenen Rehs gepostet. Dazu der Hinweis: „Achtung Wolf zwischen Grassau und Rottau“.
Jakob Sichler, Vorstand der Jagdgenossenschaft Grassau hat das Bild auch auf Whatsapp gesehen. Das tote Tier wurde demnach in der Nähe eines Hofs an der Kendlmühlfilzen entdeckt. Somit nur knapp zehn Kilometer entfernt von Litzelau, wo das tote Schaf gefunden wurde. „Das Reh auf dem Foto war etwa zu einem Dreiviertel aufgefressen“, sagt Sichler auf OVB-Nachfrage. Ob das aber tatsächlich ein Wolf war, sei noch nicht sicher. „Mir wurde mitgeteilt, dass Proben entnommen wurden. Die müssen jetzt noch geprüft werden.“ Es ist auch nicht die erste Meldung dieser Art in der Region. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Risse oder Sichtungen von Wölfen. Vergangenes Jahr im Juli waren es binnen neun Tage gleich drei Meldungen über Begegnungen mit den Beutegreifern, die die Redaktion aus Übersee und Grassau erreicht haben.
Es war auch ein Wolf, der Mitte März ein Alpaka in Übersee und Anfang April ein Reh in Grassau gerissen hat. Das hat das LfU bereits bestätigt. Der Wolf ist auch immer ein Thema, betont Jakob Sichler. „Der sucht sich seinen Lebensraum.“ Jedoch das Problem, wie Sichler sagt: Es gibt keinen Konsens zwischen Betroffenen, der Regierung und Naturschutzbehörden. „Es gibt Gegenden, wo der Platz hat. Aber es braucht einfach ein geregeltes Wolfsmanagement“, sagt Sichler. Es sei von niemandem gewollt, den Wolf auszurotten, aber er müsse ins Jagdgesetz aufgenommen und seine Entnahme geregelt werden.
Verdachtsfälle
gut dokumentiert
Zu den Rissen in Oberwössen und bei Grassau gibt es am Montag noch nichts Neues vonseiten des LfU. Eine Übersicht aller aktuell in Bearbeitung befindlichen Verdachtsfälle ist auf der Homepage der Behörde zu finden unter „Wildtiermanagement große Beutegreifer“. Hier ist das Monitoring von Wölfen, Bären und Luchsen dokumentiert.
Der letzte Nachweis eines Wolfs im Landkreis Traunstein ist mit dem 19. August datiert. „Genetische Proben, welche an Nutztieren genommen wurden, werden priorisiert behandelt. Die durchschnittliche Auswertungszeit beträgt in etwa zehn Werktage“, teilt der LfU-Sprecher weiter mit.