Grabenstätt – Die beiden Störche haben sich offenbar dazu entschieden, die kalte Jahreszeit im Chiemgau zu verbringen. Seelenruhig stolzierten sie Ende vergangener Woche über eine Wiese im Grabenstätter Moos und suchten dort nach Nahrung. Die milden Winter in jüngerer Vergangenheit haben sie wohl dazu verleitet, auf die lange und beschwerliche Reise ins Winterquartier im südlichen Afrika zu verzichten. Früher war es so, dass sich die Störche in Mitteleuropa bereits Mitte bis Ende August gesammelt haben, um gemeinsam in Richtung Süden aufzubrechen. Meist begannen die Jungstörche ihre Reise schon ein paar Wochen vor den Altvögeln. Doch im Zuge des Klimawandels passen viele Störche ihr Verhalten an, fliegen etwa nur bis Spanien oder bleiben sogar ganz in Deutschland. Bleibt nur zu hoffen, dass heuer kein strenger Winter Einzug hält, denn das könnte für die Störche, gerade am höher gelegenen oberbayerischen Alpenrand, gefährlich werden.
Dass sie mit extremen Wetterereignissen nicht so gut umgehen können, hat sich auch in diesem Frühsommer gezeigt, als viele junge Störche bei tagelangem Dauerregen und kühlen Temperaturen gestorben sind. Ihr feines Daunenkleid war so durchnässt, dass sie zu stark auskühlten und in der Folge eingingen. Die Elterntiere konnten dagegen nichts tun. Auch im Ort Grabenstätt hat heuer leider kein Jungvogel überlebt. „Das war wirklich traurig, denn die vier Jungen haben im Nest auf dem Dach in der Ortsmitte (unweit des Rathauses) schon richtig kräftig ausgesehen, doch dann kam das Unwetter mit nachfolgender Kälte“, erzählt der Anwohner und fleißige Storchen-Beobachter Karl-Heinz Austermayer. Er hofft, dass die Altvögel den Winter gut überstehen und dann im nächsten Jahr mehr Glück mit der Aufzucht haben. mmü