„Heimische Lebensräume schützen“

von Redaktion

Invasive Quagga-Muschel breitet sich im Chiemsee aus – Infoveranstaltung in Prien

Prien – Im Rahmen der ersten regionalen Informationsveranstaltung des Rotary Clubs Chiemsee und der Gemeinde Prien begrüßten Präsidentin Andrea Dorsch und Bürgermeister Andreas Friedrich zahlreiche Gäste und Fachinteressierte aus Fischerei, Häfen, Abwasser- und Umweltverband und Verbänden im Chiemsee-Saal. Die Veranstaltung widmete sich dem wichtigen Thema der invasiven Quagga-Muschel und deren Auswirkungen auf das Ökosystem im Chiemgau.

Zwei verschiedene
Arten nachgewiesen

Die Biologin Dr. Christine Schranz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt eröffnete die Fachvorträge mit einem eindrucksvollen Überblick über den heute bekannten Verbreitungsgrad und das Potenzial der Quagga-Muschel sowie die damit verbundenen Herausforderungen. In ihrem Vortrag hob sie die bedeutende Rolle hervor, die diese Art bei der Veränderung des gesamten Ökosystems spielt. „Es ist entscheidend, die Verbreitung der Muschel zu verstehen und geeignete Vermeidungsstrategien zu entwickeln, um die heimischen Lebensräume zu schützen“, betonte Dr. Schranz.

Professor Herwig Stibor von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ergänzte die Diskussion mit seiner Analyse der ersten Phasen des Eindringens der Muschel in lokale Gewässer. Er stellte heraus, wie wichtig frühzeitige Interventionen sind, um die negativen Auswirkungen dieser invasiven Art zu minimieren.

Laut Dr. Stibor wurden bislang zwei verschiedene Arten dieser invasiven Muschel im Chiemgau nachgewiesen. Die Dringlichkeit, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung dieser Art zu kontrollieren, wurde eindringlich betont. „Die drohenden Gefahren durch die Quagga-Muschel sind nicht zu unterschätzen. Insbesondere das schnelle Wachstum dieser Muschelart – eine Muschel legt eine Million weitere ab – könnte dramatische Folgen für unsere heimischen Ökosysteme haben“, so Dr. Stibor. Um die Verbreitung der Quagga-Muschel zu verhindern, sind präventive Maßnahmen unerlässlich. Dazu zählt unter anderem die mechanische Reinigung von Wasserfahrzeugen, um ein „Verschleppen“ der Muschel in andere Gewässer zu verhindern.

Schwarzes Meer
als Herkunftsort

Sylvie Fläming, die als letzte Referentin sprach, teilte ihre Erfahrungen mit der Quagga-Muschel in der Schweiz. „In der Schweiz gibt es bereits eine Reinigungspflicht für Boote durch speziell geschulte Firmen, um die Verbreitung der Quagga-Muschel zu kontrollieren“, erklärte Fläming. Sie führte aus, dass Kennzeichnungsmaßnahmen und eine Meldepflicht für die Gewässerwechsel ebenfalls wichtige Schritte im Kampf gegen diese invasive Art darstellen – Voraussetzung für Entwicklung und Umsetzung jeglicher Maßnahmen sei aber der politische Wille im Land.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmern nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich über Maßnahmen zur Bekämpfung der Quagga-Muschel auszutauschen. Das Interesse an diesem Thema spiegelt den zunehmenden Bedarf wider, die Öffentlichkeit für Umweltfragen zu sensibilisieren und konkrete Schritte zum Schutz der heimischen Biodiversität zu fördern. Der Rotary Club Chiemsee plant, diese Themen weiterhin zu verfolgen und die Öffentlichkeit über notwendige Schutzmaßnahmen zu informieren. Weitere Informationen gibt es unter www.chiemsee.rotary.de.

Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) ist eine Süßwassermuschel, die ihren Ursprung im Schwarzen Meer hat und ist eng mit der heimischen Zebramuschel verwandt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Art jedoch in vielen Gewässern Europas und Nordamerikas ausgebreitet und stellt eine ernsthafte Bedrohung für die heimische Biodiversität dar. Sie zeichnet sich durch ihr charakteristisches, schmaleres und längeres Gehäuse aus, das in verschiedenen Farbtönen variieren kann.

Sowohl in der Schweiz als auch in Österreich sind inzwischen viele der größeren Seen von der Quagga-Muschel betroffen. In Süddeutschland sind vor allem der Bodensee und der Rothsee betroffen. Bis Sommer 2024 war unsicher, ob sie auch im Chiemsee auftritt. Inzwischen ist durch mehrere Funde unter anderem an einem im November geborgenen Wrack ein Vorkommen im Chiemsee nachgewiesen. In den Nachbarseen, insbesondere der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte, sind bislang keine Sichtungen bekannt.

Die Ausbreitung der Quagga-Muschel hat weitreichende Konsequenzen für die Ökosysteme, in denen sie sich ansiedelt. Durch ihre Filterung von Wasser können sie zwar die Wasserqualität verbessern, jedoch konkurriert sie um Nahrungsressourcen mit einheimischen Muscheln, was zu einem dramatischen Rückgang der Biodiversität führen kann. Zudem können große Bestände von Quagga-Muscheln die Strukturen von Lebensräumen verändern und die Nahrungsnetze stören, was vor allem für die heimischen Fischer eine reelle Bedrohung für den Fischbestand zur Folge hat.

Reinigung der Boote
ist bedeutsam

Um die Ausbreitung der Quagga-Muschel einzudämmen, sind verschiedene Kontrollstrategien notwendig. Dazu gehören sowohl präventive als auch reaktive Maßnahmen.

Eine wichtige präventive Maßnahme ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Gefahren invasiver Arten. Alle Nutzer der Seen, insbesondere Bootsbesitzer und Angler, sollten informiert werden, wie sie ihre Ausrüstung reinigen können, um eine unbeabsichtigte Verbreitung der Muscheln zu vermeiden. Reaktive Maßnahmen beinhalten mechanische und chemische Bekämpfungstechniken, die jedoch oft teuer und umstritten sind. Bereits im Einsatz sind neben chemischen Mitteln wie Kupfersulfat in den USA, sogenannte Bio-Bullets, die aber nur lokal Anwendung finden.

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