Verkaufs-Drama um Burg Marquartstein

von Redaktion

Millionenobjekt im Chiemgau ist seit Jahren ohne Besitzer

Marquartstein – Ein Penthouse für schlappe 20 Millionen Euro am Starnberger See, ein 13-Millionen-Euro- Anwesen in München-Obermenzing: Neulich hat der Münchner Merkur ein paar der spektakulärsten Luxus-Immobilien in Oberbayern vorgestellt, die momentan auf dem Markt sind. Mittendrin die Burg Marquartstein. Eine 950 Jahre alte Bergburg mit bis zu fünf Meter dicken Mauern hoch über dem Tal der Tiroler Achen. Klassisch mit Zugbrücke. 1300 Quadratmeter Wochenfläche, riesiges Grundstück, 40 Zimmer, orientalisches Bad und Speisesaal. Wunschpreis: mindestens acht Millionen Euro. Klingt im Vergleich zu den anderen Prunk-Objekten fast nach Schnäppchen. Warum aber steht das Wahrzeichen der 3000-Einwohner-Gemeinde dann seit einem Jahrzehnt leer?

Kein Leben
als Burgfrau

2015 zogen Kunsthändler Konrad Bernheimer und seine Frau aus dem Gemäuer aus. Die vier Töchter des Besitzers hatten kein Interesse, als „Burgfrauen“ nachzufolgen. Also sollte das spezielle Objekt für 15 Millionen Euro unter den Hammer kommen – erst beim weltberühmten Auktionshaus Sotheby’s in London und später beim Münchner LuxusImmobilienmakler Oliver Herbst. Es fand sich niemand, der die gewünschte Summe zu zahlen bereit war. Auch eine Preis-Senkung auf das „Schnäppchen-Niveau“ von acht Millionen Euro brachte keinen Kaufvertrag.

Stattdessen geriet Bernheimers Kunsthandel in Liquiditäts-Probleme und eine Gläubiger-Bank beantragte 2020 die Zwangsversteigerung. Der Verkehrswert wurde von einem Gutachter mit knapp sechs Millionen Euro festgelegt. Vor allem aus dem Ausland soll es Interesse am Renommierobjekt gegeben haben: Doch weder ein russischer Oligarch noch ein Mitglied der arabischen Königsfamilie tauchten – wohl wegen der Ukraine-Krieg-Sanktionen beziehungsweise Corona – am 28. Oktober 2022 zur Zwangsversteigerung in Traunstein auf. Stattdessen ging der Zuschlag für 4,6 Millionen Euro an einen Mann aus der Region. Gläubiger und Besitzer beantragten jedoch im letzten Moment, dass der Zuschlag für den Kauf vertagt wird. Beiden Seiten schien der erzielte Millionen-Erlös wohl zu gering.

Am 25. November 2022 wurde der Antrag auf Zwangsversteigerung dann ganz zurückgezogen – vermutlich, weil nach Information der Gemeinde ganz konventionell ein Kaufvertrag geschlossen und beurkundet worden war. Das Drama um die Burg Marquarstein hatte jedoch damit noch kein Ende – auch zweieinhalb Jahre später ist nicht klar, wie es mit der vor bald einem Jahrtausend von einem Grafen aus dem Geschlecht der Sighardinger erbauten Ritterburg weitergeht. „Der Kaufvertrag wurde nicht vollzogen, weil nie bezahlt worden ist“, verrät Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck der Chiemgau-Zeitung: „Deshalb müsste der Vertrag rückabgewickelt werden.“ Zwischenzeitlich sucht der Noch-Eigentümer Bernheimer wieder nach einem neuen Käufer – erneut über Luxus-Makler Herbst mit seiner Firma Immovision.

In der Beschreibung der Burg Marquartstein heißt es in der Anzeige poesievoll: „Ein magischer Ort. Mit 1000 Jahre alter Geschichte. Stolz thront die Burg Marquartstein auf einem Felsen über dem Chiemgau. Imponierend. Mutig. Uneinnehmbar. Mit atemberaubender Fernsicht nach Süden bis weit nach Österreich zum ‚Wilden Kaiser‘. Im Norden über das Tal der Tiroler Ache bis zum Chiemsee. Wenn der Besucher über die Zugbrücke durch das massive Eingangsportal schreitet, empfängt ihn ein wildromantischer Innenhof mit italienischem Flair, eine malerische Oase mit Zugang zu drei individuell gestalteten Schlossflügeln. Poetisch. Märchenhaft. Verzaubernd. Ein Sehnsuchtsort.“

Nur warum will dann niemand die Burg final kaufen? Oliver Herbst hat die Hoffnung noch nicht verloren, schließlich lockt eine Provision im sechsstelligen Bereich. „Wir sind immer noch beziehungsweise wieder im Verkauf. Aktuell haben wir einen Unternehmer aus München, der interessiert ist und eine Familie aus dem Ausland“, schreibt Herbst auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Marquarsteins Bürgermeister Scheck hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder Interessenten an den Makler vermittelt und hofft auf eine Lösung: „Wenn es irgendwann einen Besitzerwechsel gibt, wünschen wir uns eine Lösung, von der auch die Gemeinde etwas hat. Zum Beispiel würden wir dort gern Veranstaltungen machen.“ Wann das offenbar unendliche Drama final endet, ist unklar. Zwar stellen die Bürger Marquartsteins immer wieder neugierige Fragen zur Zukunft „ihrer“ Burg, aber Scheck versucht, Geduld zu bewahren: „So lange wir nicht sehen, dass die Burg verfällt – das ist nicht der Fall – bleiben wir ruhig. Herr Bernheimer lässt sie auch weiterhin nachts beleuchten.“

Nachts noch
immer beleuchtet

Das hängt wohl mit der seiner Liebe zu dieser einzigartigen Immobilie zusammen. Der Kunsthändler verbrachte Teile seiner Kindheit und Jugend in den alten Gemäuern. Sie beherbergten einst das Marquartsteiner Internat des Gymnasiums, wo Bernheimer mit 19 Jahren sein Abitur ablegte. 1987 erwarb er die Burg und renovierte sie liebevoll. Genießen kann die Pracht seit einem Jahrzehnt niemand – die vielleicht bemerkenswerteste Luxus-Immobilie der Region ist ein leerer „Sehnsuchtsort“.

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