Schleching – Zum 73. Mal pilgerten die Wallfahrer aus den 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes an Christi Himmelfahrt in einem langen Zug aus Unterwössen und einem Zug aus Schleching nach Raiten zur Wallfahrtskirche „Maria zu den sieben Linden“.
Begrüßt wurden die Ankommenden von den Schlechinger Böllerschützen, bevor sie sich auf dem Kirchbichl verteilten. Die Raitner Dorfgemeinschaft hat auf dem Kirchbichl den geschmückten Außenaltar hergerichtet.
Pfarrer Tobias Prinzhorn aus Amerang zelebrierte die Messe. Der Altardienst wurde vom Trachtenverein Trachtenverein Amerang übernommen. Begrüßt wurden die Trachtler in Raiten von ihrem Vorsitzenden Thomas Hiendl. Er erinnerte an das Motto des Heiligen Jahres, das „Pilger der Hoffnung“ lautet und führte weiter aus, „jeder von uns wird seine eigenen Bitten, seinen Dank aber auch seine Hoffnungen hierher mitgetragen haben. Bitten für ein gutes, unfallfreies Trachtenjahr, Dank für 80 Jahre Frieden in der Heimat, Hoffnung auf Frieden in Europa, auf Stabilität in dieser unruhigen Zeit und Hoffnung, dass das rechte Gedankengut nicht wieder Oberhand bei uns bekommt“. Der Vorsitzende ging auf das Problem des Rechtsextremismus in Deutschland ein und fragte sich, was wohl die Gefallenen des Krieges dazu sagen würden, vermutlich würden sie die Frage stellen „habt ihr aus der Vergangenheit nichts gelernt?“.
Die Wallfahrtsmesse wurde musikalisch feierlich begleitet von den Schlechinger Sängern und Rudi Ritter an der Zither, von der Schlechinger Musikkapelle unter Leitung ihres Dirigenten Walter Reisenauer und oben auf dem Kirchbichl standen die Schlechinger Alphornbläser und schickten ihre Töne über die Köpfe der Gläubigen in den Himmel.
Der Himmel war auch das Thema von Pfarrer Tobias Prinzhorn. Er fand, dass die Gläubigen hier im Freien dem Himmel näher seien, auch wenn er gerade seine Schleusen für den Regen geöffnet hält. Der „Himmel“ hat sich eingeprägt als etwas, das man mit Positivem verbindet, wie „der Himmel auf Erden“, wenn es einem grad besonders gut geht. Aber auch an schweren Tagen schaut man in den Himmel, wenn man an einen Verstorbenen denkt. Auch in den Bergen ist man dem Himmel näher, er steht für die Freiheit mit Gott und mit der Gemeinschaft, die alle Gläubigen suchen, sie möchten Freud und Leid miteinander teilen – so wie heute, die Trachtler gemeinsam beten und feiern und gemeinsam den Himmel auf Erden erleben.
Mit dem 130. Psalm gedachten der Pfarrer und die Besucher den Verstorbenen und im Krieg Gefallenen am Soldatenkreuz. Die Feier klang mit der Bayernhymne aus. Abschließend wünschte Pfarrer Prinzhorn, dass dieser heutige Regen Glück bringen möge und auch den Sommer über genügend Nass für die Natur bringt.
Zum Ausklang der Wallfahrt saßen die Trachtler bei Musik, Speis und Trank beim Raitner Wirt gemütlich beisammen. wun