Offene Bühne für Kreative

von Redaktion

„Künstlerhof Zahn am Bach“ bietet Plattform jenseits des Mainstreams

Prien – Zweimal im Jahr gibt es auf der Kleinkunstbühne beim „Künstlerhof Zahn am Bach“ Live-Acts der besonderen Art. Die offene Bühne dürfen Künstler aus der Region nutzen, um ihre Darbietungen, ihre Leidenschaft, ihr Können zu zeigen. Das Motto „Voglwuid & Bittaernst“. Das Rezept: Es gibt kein Casting. Stattdessen darf sich anmelden, wer will, und hat dann zehn Minuten Zeit, das Publikum zum Staunen, Lauschen, Schauen, Schmunzeln, Weinen und Genießen zu bringen.

Nicht, dass es keine guten Künstler gäbe, manchmal fehlt nur die geeignete Plattform. Wer nicht gerade das Geld hat, um Veranstaltungsräume zu mieten und Werbung zu schalten, hat kaum Chancen, sich vor Publikum zu präsentieren. „Voglwuid&Bittaernst“ möchte deshalb Künstlern, die jenseits des Mainstreams agieren, die Möglichkeit geben, vor Publikum sichtbar zu werden. Und sie kommen und zeigen, was sie können. Ob Tanz, Jonglage, Zauberei, Lichtshows, Malerei, Texte, Schauspiel, Musik und Poetry.

Auch dieses Mal war viel Schönes und Faszinierendes zu sehen, präsentiert von Menschen jeden Alters. Der bisher älteste Teilnehmer feierte seinen 79. Geburtstag auf der Bühne: „Einer meiner schönsten Geburtstage“, freute sich der Jubilar und Künstler Seppi. Open-stage nennt sich die Anmeldeplattform. Aber die offene Bühne hat noch mehr zu bieten: Im vergangenen Herbst war Luki Stiepert aufgetreten. Der Improvisationskünstler mit Schauspielausbildung, der hauptberuflich als Erlebnispädagoge arbeitet, hatte nun seinen allerersten Solo-Abend auf dem Künstlerhof. Überschrieben mit „Impromedy – Luki Stiepert & Gäste“. Die Gäste sind fiktiv, der Gastgeber spielt sie dank seiner großen Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen alle selbst. Da ist John, der blonde Alphamann-Star aus Pittsburgh in Australien, der seine Blockflöte spielt, anrüchig die Hüften vor jungen Frauen kreisen lässt und dabei doch so viel Einsamkeit ausstrahlt, dass man ihm jeden Macho-Spruch gerne verzeiht. Genau wie Mart, dem Gangster-Rapper aus Taufkirchen, dessen weicher Kern so deutlich durch seine harte Rapperschale schimmert, dass es fast zu Tränen rührt. Mit jeder Rolle, ob mit Lisa Jacqueline, der Ballettlehrerin aus Sachsen, einem italienischen Rennradfahrer, der nur Fantasie-Italienisch spricht, das trotzdem jeder versteht, oder mit Björn, einem stotternden Moderator, wirft Luki Stiepert kleine Dopamin-Bomben ins Publikum, die begeistert aufgefangen werden und sich in einem Lach-Feuerwerk entladen.

Luki Stieperts Wunsch, dass es den Zuschauern gelingen möge, ihre Sorgen und Alltagsgedanken auszublenden, wurde mehr als erfüllt. Zweieinhalb Stunden Soloprogramm, dazu unzählige Zugaben: Wie viele Künstler können derlei Aufmerksamkeit bei ihrem ersten Auftritt gerieren?

Wer Lust hat, mal dabei zu sein, kann dies bei der kommenden Ausgabe von „Voglwuid & Bittaernst“ am 26. September tun. Anmeldungen sind unter E-Mail openstage.zab@gmail.com möglich. elk

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