Chiemgauer erleben Ätna-Ausbruch

von Redaktion

Vulkan spuckt Aschewolke – Wandergruppe flüchtet rechtzeitig

Bergen/Tengling/Pang – Theresa Berger und Patrick Wolfertstetter befanden sich gerade im Italien-Urlaub. Ein Zwischenstopp auf ihrer Rundreise: Ein Campingplatz im sizilianischen Catania – in direkter Nähe zum italienischen Riesen Ätna.

Wandern, Baden, Sightseeing und Städte besichtigen, das stand auf ihrer Agenda. Typische touristische Aktivitäten eben. Theresa aus Bergen und Patrick aus Tengling bei Taching am See sind sportlich sehr aktiv und liebäugelten mit einer geführten Tour auf den Ätna.

Ätna-Tag geht in
die Geschichte ein

Gesagt, getan: „Wir buchten für den 2. Juni eine Tour. Doch ausgerechnet an diesem Tag teilte uns der Guide mit, dass es seit der Nacht vulkanische Aktivitäten gibt. Deshalb durften keine Wandergruppen mehr bis zum Krater gehen. Es gab entweder die Möglichkeit zu stornieren und es an einem neuen Tag zu versuchen oder aber nicht ganz zum Gipfel auf 3000 Meter zu wandern, sondern das Ziel 200 Meter darunter zu wählen. Wir entschieden uns für die zweite Option auf der nicht-touristischen Nordseite des Vulkans“, erinnert sich Theresa. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung wird schnell deutlich, dass an diesem Tag wohl niemand mit einem solchen Ausgang der Tour gerechnet hat. Mit dem Geländebus ging es ziemlich weit hinauf. Der Rest wurde zu Fuß absolviert. Die Tour natürlich medientechnisch festgehalten.

Auf 2800 Metern Höhe konsumierten die zwei Chiemgauer noch ganz entspannt ein alkoholfreies Hofbräuhaus-Bier. Minuten später geschah es: „Als wir schon wieder auf dem Rückweg waren, hörten wir bedrohliche Geräusche. Es entwickelte sich plötzlich diese riesige Aschewolke direkt aus dem Herzen des Vulkans. Wir blieben fassungslos stehen, selbst unser Guide, der als Vulkanologe tätig ist, war hin und weg und extrem beeindruckt, erklärte uns, er selbst habe so etwas aus nächster Nähe noch nicht erlebt und dass dieser Tag im Juni in die Geschichte des Ätna eingehen wird.

Auf Fotos und Videos hielten sie die einmaligen Eindrücke für die Ewigkeit fest. „Freilich war auch eine Portion Respekt dabei, solche Naturgewalten live und in Farbe zu erleben. Das darf man nicht unterschätzen“, betont Theresa.

Und natürlich gebe es „Fanatiker“, die um jeden Preis so nah wie möglich an den Ausbruch heran möchten und nur deswegen nach Italien reisen. „Aber wenn es eben nicht geht, weil es zu gefährlich ist, geht es nun mal nicht. Man kann schließlich nie einschätzen, was passiert“, sagt Theresa nüchtern. Das wissen auch die Einheimischen, die in unmittelbarer Nähe des Vulkans leben und arbeiten.

Daher trat ihre Wandergruppe, nachdem der Ätna die Aschewolke ausgespuckt hatte, sogleich zügig den Rückweg an. Der Guide begann, seine Schritte bergab zu beschleunigen. Mit den Worten „We have to go now“ folgte die Wandergruppe ihrem einheimischen Guide und kam flott und sicher am Fuß des Vulkans an.

„Dass der Ausbruch noch so krass wird, hätten weder unser Guide noch wir für möglich gehalten. Eine konkrete Gefahr aber bestand nicht, wenngleich sich doch so nahe beim Ausbruch ein etwas mulmiges Gefühl einstellte. Doch zum Glück befanden wir uns zum Zeitpunkt des Ausbruchs bereits wieder beim Abstieg. Es ist alles gut gegangen und unser Guide hat uns sicher ins Tal gebracht“, erklärt Theresa.

Auch die beiden Schwestern Karin und Sabine aus Pang befinden sich zufällig in Sizilien, als der Vulkan aktiv wird. „Wir waren gerade mit unserem Mietauto auf dem Weg zum Bäcker, als wir gesehen haben, dass der Ätna brodelt. Es hat sich angehört, als würde ein sehr starkes und lautes Gewitter aus dem Nichts aufziehen. Kurzerhand haben wir unseren Tag spontan umgeplant und sind in Richtung Panoramastraße gefahren.“

Wie die beiden Chiemgauer, waren auch die zwei Rosenheimerinnen auf der nicht-touristischen Nordseite unterwegs. „Das Erlebnis war einmalig und beeindruckend, ich bin sehr glücklich, das erlebt haben zu dürfen“, fasst Sabine zusammen.

Wo sich alle einig sind und was sie im Gespräch mit der Redaktion betonen: Zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für die Allgemeinheit. Die Einheimischen blieben ruhig und entspannt, machten Fotos und Videos. Die Guides leiten weiterhin regelmäßig Touren auf den Ätna.

Bedrohliche
Geräusche

Lediglich ein paar Touristen seien zu Beginn des Ausbruchs losgerannt, weil sie Angst vor der Aschewolke und den Geräuschen, die aus dem Inneren des Vulkans kamen, bekamen. Panik oder gar Lebensgefahr allerdings herrschten nicht. Auch die zwei kleinen Hunde von Sabine und Karin hätten die Situation locker aufgenommen.

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