Prien – Zwei Generalproben und vier Auftritte absolvierten die über 280 Kinder der Priener Franziska-Hager-Grundschule. Alle, wirklich alle haben mitgemacht, haben gezaubert, Kunststücke vorgeführt, sind als Clowns aufgetreten, haben atemberaubende artistische Leistungen auf dem Drahtseil, auf der Doppel-Leiter oder am Trapez geboten oder mit Feuerkeulen jongliert.
Maxi und Sara
als Clowns
Möglich gemacht hat das Ganze die Schulfamilie, also Lehrer, Elternbeirat und Eltern, dazu kamen zahlreiche Sponsoren sowie die Zirkusleute vom Zirkus Soluna. Und natürlich die Hauptdarsteller, die Grundschulkinder (wir berichteten). Wie ist es denn so, im Zirkus aufzutreten? Und überhaupt, wie war die Woche? „Wunderbar… aufregend… cool“, strahlen die Kinder, die sich zwischen ihren Auftritten mit der Reporterin unterhielten. „Wir durften überall reinschnuppern, und dann hat sich jeder seins rausgesucht.“ Maxi (9) wollte wie sein Freund Linus Clown werden, aber selbst als Linus sich umentschied, blieb Maxi, seines Zeichens auch Schülersprecher, bei der Clown-Truppe. „Das ist so lustig“, freut er sich, schon ganz in Vorfreude auf seine Slapstick-Nummer während der Show.
Auch die neunjährige Sara, ebenfalls Schülersprecherin, agiert als Clown: „Das macht solchen Spaß.“ Alle Vorstellungen und Zwischennummern zusammengenommen haben die Clowns 30 Auftritte, sie hat schon nachgerechnet. Lina (9) hingegen, die in ihrer Freizeit Handball spielt, wollte unbedingt „was Artistisches“ machen. Da kam das Trapez gerade recht. Während Lara (8) erst mal Respekt vor dem Ball-Laufen hatte. Aber jetzt mache es ihr „großen Spaß, auf dem Ball mit Tippelschritten zu balancieren und mit Ringen zu jonglieren“. Man habe sich schon daran gewöhnen müssen, dass die Gruppen quer durch alle Altersgruppen und Jahrgänge durcheinandergewürfelt waren, sagt Lina. „Die Jungs haben uns manchmal geärgert.“ Aber nun ist alles vergessen und vorbei. Die gemeinsame Woche, bei der sie jeden Tag für ihre jeweiligen Nummern geübt haben, hat sie zusammengeschweißt. Keiner wirkt nervös oder aufgeregt vor dem Eingang in die Manege, und selbst wenn, die Gruppendynamik wirkt.
Elternbeiratsvorsitzender Helge Gruner lobt ebenfalls das Wir-Gefühl. Die ganze Schulfamilie, Lehrer und Eltern quer durch alle Jahrgänge, hat sich engagiert und mitgeholfen. Anfang des Schuljahres hatte der Elternbeirat die Idee eingebracht, die Schule griff die Idee auf, gemeinsam haben sie es auf die Beine gestellt. „Es war für alle eine wertvolle Erfahrung“, bedankt sich Gruner. Und meint damit nicht nur die Begeisterung der Kinder, sondern auch das Engagement der Schulfamilie. Man bekomme ein Gefühl für das, was die Lehrer jeden Tag leisten. Er hoffe, dass die gute Stimmung noch lange nachhallt. Ähnlich sieht das Claudia Decker. Die Rektorin der Grundschule umschreibt das Projekt als „bezaubernd und inspirierend.“ Ein vertrauensvolles Miteinander habe die ganze Projektphase über geherrscht, auch wenn es eine logistische Herausforderung war, 280 Kinder mit ihren Zirkus-Stundenplänen zu organisieren. Decker bedankt sich bei allen Mitwirkenden. Dem gesamten Elternbeirat für die Eigeninitiative und die professionelle Hintergrundorganisation, den Eltern, die bei der Projektwoche aktiv mitgeholfen und mit den Kindern gearbeitet haben, den Lehrern, die bereit waren, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, sowie bei den Mitwirkenden des Zirkus Soluna für das stimmige Konzept und das Ermuntern der Kinder, sich auszuprobieren. „Die Kinder sind im wahrsten Sinne über sich hinausgewachsen.“ Überschüsse aus den großzügigen Spenden sowie dem Ticket- und Popcorn-Verkauf machen es möglich, dass die Schule weitere Schulprojekte wie zum Beispiel erlebnispädagogische Waldtage organisieren kann. Auch dies eine Initiative des Elternbeirates, die beim Kollegium und natürlich auch bei den Kindern auf große Begeisterung stößt, die aber ansonsten nicht zu finanzieren wäre.
Wir-Gefühl
unterm Zeltdach
Rektorin Decker hofft, dass dieses Wir-Gefühl lange trägt. Doch jetzt heißt es „leise sein.“ Der Trommelwirbel ertönt, die Clowns stürmen die Manege, um das hochverehrte Publikum zu grüßen: „Manege frei.“ elk