Inzell klagt gegen Zensus

von Redaktion

231 Einwohner fehlen plötzlich – 200000 Euro weniger in der Gemeindekasse

Inzell – Der Zensus 2022 – also die Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl – sorgte wie in anderen Gemeinden der Region auch in der Gemeinderatssitzung von Inzell für Turbulenzen. Im Juni 2024 wurden die Einwohnerzahlen nach dem Zensus veröffentlicht. Die Volkszählung dient dazu, die Zahlen der Bevölkerung statistisch zu erfassen, um mit diesen Daten die Planung von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen zu koordinieren. Vereinfacht gesagt wird dabei mittels einer Gebäude- und Wohnungserfassung mit statistischen Methoden ermittelt, wie viele Menschen in einem Ort wohnen könnten.

Landesamt
korrigiert sich

Nach diesem Ergebnis wurde für die Gemeinde Inzell eine Einwohnerzahl von 4305 Personen am 15. Mai 2022 festgesetzt. Dies ist so für die Verwaltung nicht nachvollziehbar, denn im Vergleich dazu lagen die bislang „offiziellen“ Einwohnerzahlen in Inzell am 31. Dezember 2022 bei 4911. Diese wurden durch Fortschreibungen des Zensus 2011 mit den jährlichen Geburten, Sterbefällen, Zuzügen und Fortzügen bestimmt. Es fehlen im Zensus somit 606 Einwohner mit Hauptwohnsitz.

Wo diese Differenz herkommt, ist für die Gemeinde nicht nachvollziehbar und daher hat sie mit einem Schreiben vom 14. November 2024 Stellung genommen. Daraufhin wurde die Einwohnerzahl auf 4680 korrigiert, womit sich die Gemeinde aber nicht anfreunden kann. „Auf diese Korrektur hin haben wir ein Gutachten erstellen lassen, in dem nachgewiesen wird, weshalb die festgestellte Einwohnerzahl nicht der Realität entspricht“, erklärte Bürgermeister Lorenz.

Daraufhin wurde vom Bayerischen Landesamt für Statistik mitgeteilt, dass die Einwohnerzahl statistisch richtig ermittelt wurde und nicht mehr geändert wird“, gab der Gemeindechef etwas verwundert bekannt. Der Gemeinde fehlen deshalb tatsächlich vorhandene, aber statistisch nicht erfasste 231 Einwohner. Diese Zahl wurde zum 15. Mai 2025 festgesetzt. Tatsächlich hat die Gemeinde Inzell bereits 4938 Einwohner. Die statistischen Zahlen sind deshalb nachweislich falsch und werden sich negativ auf die Zuweisungen und Zuschüsse auswirken.

Die Schlüsselzuweisungen des Freistaats Bayern werden zum Beispiel nach der Einwohnerzahl berechnet, auch bei Zuschüssen zu Baumaßnahmen wird die Marke gern als Grundlage genommen. Geschätzt ist jeder Einwohner zwischen 600 und 900 Euro jährlich an Förderung „wert“. 231 „fehlende“ Einwohner können sich also durchaus auf 200000 fehlende Euro jährlich summieren.

Bei anderen Gemeinden im Umfeld gab es ebenfalls teilweise eklatante Abweichungen, wobei auch bei manchen Kommunen die Zahlen sehr gut übereinstimmten. Die Gemeinde Inzell hat bis heutigen Mittwoch die Möglichkeit, Klage gegen die Festsetzung zu erheben. Nach der Begründung des Landesamtes für Statistik und verschiedenen Urteile aus dem jüngsten Zensus ergibt sich allerdings, dass die Erfolgsaussichten sehr gering sind.

Einspruch könnte
teuer werden

Jedoch will man das festgelegte Ergebnis so nicht hinnehmen und deshalb entschied sich der Gemeinderat einstimmig, gegen die Festsetzung zu klagen. Schleching, wo 141 Einwohner durch den Zenus „verschwunden“ sind, hatte sich zuletzt gegen eine teure Klage entschieden. Auch, weil der Zensus in der Version von 2011 eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht „überstanden“ hat. Glückt Inzell das Unmögliche?

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