Seeon-Seebruck – Dass beim geplanten Wohnprojekt „Fritz Hof“ in Truchtlaching viele Einheimische „aufspringen“, wie Gemeinderätin Manuela Kral (CSU) in der jüngsten Sitzung herbeiwünschte, erhofft sich auch der Bauherr, Hans Fritz. Die Voraussetzungen für einen Baubeginn wurden in der Sitzung geschaffen. Bebauungsplan und Bauantrag wurden einstimmig genehmigt. Das heißt, dass der Bauherr mit dem Bauen loslegen könnte.
Fremdkörper und
Fehlentwicklung?
Das Interesse der Einheimischen an einer der insgesamt 14 Wohnungen, die an der Seeoner Straße entstehen sollen, läuft nach Angaben des Bauherrn aber schleppend. Ein konkreter Baubeginn sei erst dann möglich, wenn die Hälfte der Wohnungen verkauft sei, sagte Fritz der Chiemgau Zeitung. Die CSU-Fraktion hatte im Rahmen einer Neuplanung der Ursprungsplanung „Hoamat Truchtling“ darauf gedrängt, möglichst viele Wohnungen an Einheimische zu veräußern.
Laut einem vorliegenden Gemeinderatsbeschluss vom Februar dieses Jahres sollen acht Wohnungen an Einheimische veräußert werden. Trotz der Wohnungsnot scheinen die Gemeindebürger aber kein Interesse zu haben. Nach Angaben des Bauherrn gebe es zwar viele Interessierte, die wenigsten seien aber Einheimische.
Im Zuge der Bauleitplanung waren viele Stellungnahmen und Anregungen von Behörden eingegangen, die in der jüngsten Sitzung abgewogen und einstimmig abgesegnet wurden. Auch zwei Privatpersonen äußerten sich zu dem geplanten Bauvorhaben. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bauweise sei sehr zu begrüßen, heißt es in einer Stellungnahme. Ortsplanerisch verfehlt sei jedoch die Lage des massiven Reihenhaus-Baukörpers innerhalb eines bestehenden Siedlungsgebietes mit Einzelbebauung. Das Projekt stelle an dieser Stelle einen Fremdkörper und eine Fehlentwicklung dar, die völlig willkürlich und ohne städtebauliches Konzept sei. Das Projekt wäre im neu geplanten Baugebiet „Seeon-Dorf“ gut unterzubringen und würde zu der hier wünschenswerten höheren Baudichte beitragen.
Eine weitere Person äußert sich ganz klar, dass sie dem Projekt grundsätzlich kritisch und ablehnend gegenüberstehe. Der 54 Meter mal 16 Meter große Baukörper füge sich nicht in die Nachbarbebauung ein – die schiere Größe sei für ein Dorf wie Truchtlaching nur schwer zu verstehen. Zu befürchten sei unter anderem auch, dass es durch eine großflächig geplante Dach- PV-Anlage über längere Zeiträume zu Blendwirkungen kommen könnte. Wie die Verwaltung in ihren Abwägungsvorschlägen dazu betont, seien unter der Berücksichtigung des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden, des demografischen Wandels und der Verpflichtung der Gemeinde, sinnvolle Wohnangebote für verschiedene Bevölkerungsschichten oder Altersgruppen anzubieten, zumal Einzel- und Doppelhäuser kaum mehr vertretbar seien. Die Gemeinden seien auch aufgrund der gestiegenen Bodenpreise angehalten, höhere Dichten im Hinblick sowohl auf die Kubatur als auch auf die Höhen zuzulassen. Die vorliegende Planung wurde einer intensiven Abwägung unterzogen und sei durch verschiedene Planungsdialoge, Ortseinsichten und Gemeinderatsberatungen weiterentwickelt und angepasst worden.
Dritte Bürgermeisterin Dr. Christine Kosanovic (FW) unterstützte die Aussagen der Verwaltung. „Wir beschäftigen uns gefühlt seit Jahren mit dem Projekt. Und nach XXL-Gesprächen konnte ein absolut verträgliches und ausgewogenes Ergebnis gefunden werden.“ Sepp Daxenberger (CSU) konnte die Meinungen der Bedenkenträger nachvollziehen, erinnerte aber an den gesellschaftlichen Wandel: „Es gibt Veränderungen, die man gehen soll.“ Seine Fraktionskollegin Manuela Kral mahnte den Umgang mit Grund und Boden an: „Wir müssen Flächen sparen. Ich hoffe, dass viele Einheimische aufspringen“, so Kral. Wie mehrfach berichtet, wurde die Ursprungsplanung mit zwei Baukörpern verworfen und ein völlig neues Konzept entwickelt. Die vom Gemeinderat favorisierte Planung sieht wie folgt aus: Auf der über 2700 Quadratmeter großen Grundstücksfläche sollen insgesamt 14 Wohneinheiten zwischen 45 und 140 Quadratmetern entstehen. Sechs Reihenhauswohnungen mit überdachtem Freisitz und Garten mit je 130 Quadratmetern und zwei Reihenhauswohnungen mit 130 und 140 Quadratmetern. Im zweiten Stockwerk, das mit einem separaten Treppenhaus und mit einem Aufzug erschlossen wird, entstehen vier kleine Wohnungen mit jeweils 45 Quadratmetern sowie zwei Penthouse-Wohnungen mit 113 beziehungsweise 129 Quadratmetern. Durch die Ausführung in ökologischer Holz-Blockweise und mit zusätzlicher 24-Zentimeter-Holzfaserdämmung wird ein Niedrigenergiestandard erreicht.
Leimfreies
Stecksystem
Großer Wert wird nach Angaben des Bauherrn auf unbehandelte Naturbaustoffe und deren spätere Recycelbarkeit des gesamten Bauwerks gelegt. Wände, Decken und Böden sind wie eine dritte Haut, erklärt Fritz, der ein großer Verfechter von Massivholzbauweise ist. Die unbehandelten Vollholzwände und Vollholzdecken bestehen aus einem leimfreien Stecksystem.