Rimsting/Höslwang – Eine weiße Gans watschelte am Rimstinger Chiemseeufer beim Kiosk am Strandbad umher. Keine Wildgans, wie es sie in Scharen hierzulande gibt. „Eine weiße Gans, relativ zahm und einsam“, beschreibt Monika Walter den Vogel. Angeblich sei die Gans auch von den Graugänsen „weggebissen“, verscheucht worden.
„Wir vermuteten, dass es sich um einen Gänserich handelt, da Ganser keinen zweiten neben sich akzeptieren und er deshalb ausgesetzt wurde“, schildert Walter der Chiemgau-Zeitung am Telefon.
Beobachtungen
beim Sundowner
Monika und ihr Mann Stephan nannten den vermuteten Ganter Martin, „wie in Nils Holgerson, der einsame Martin“. Auf das Federtier aufmerksam wurde das Ehepaar beim Sundowner am Rimstinger Strandbad-Kiosk. „Die Gans war nur ein paar Meter entfernt von uns, hat aus der Wasserschüssel für Hunde getrunken. Irgendwer muss sie ausgesetzt haben“, erklärt Monika Walter und ergänzt: „So eine weiße Hausgans sticht heraus“.
Von der Kiosk-Wirtin erfuhren die Walters dann, dass die Gans schon seit rund vier Wochen hier sei. Es tauchte die Frage auf, wer dem Tier denn helfen könne. Die Walters, in Rimsting als Grüne und Naturliebhabende bekannt, fühlten sich direkt angesprochen und kümmerten sich um Hilfe.
Sie riefen den Verein Federn und Pfoten an, denn sie wissen, Gänse sind Herdentiere. Die Walters wollten für „ihren“ Martin eine neue Familie finden.
Georg Kohoutek kam gemeinsam mit Tochter Angelina sowie Transportbox und Futter herbeigeeilt. Die Walters halfen beim Einfangen, schließlich war es Angelina, die Martin schnappte und in die Box setzte. „Sie hat das Tier so beherzt in den Arm genommen, das war schön zu sehen. Toll, dass es solche Leute noch gibt“, findet Monika Walter und wünscht sich für die Gans, „dass sie jetzt ein schönes Leben in Gesellschaft auf dem Hof hat.“
Bevor dieses stressfreie Leben losging, musste Martin aber zum Tierarzt, wie Nicola Kohoutek vom Tierschutzverein, der erst Anfang des Jahres ein neues zu Hause in Höslwang fand, der Chiemgau-Zeitung erklärt: „Die Gans wurde erst mal durchgecheckt, auf Verletzungen, Krankheiten und Parasiten.“ Dabei wurde auch ein Gentest durchgeführt: Bei Gänsen ist äußerlich nicht zu erkennen, ob sich um Männchen oder Weibchen handelt. „Es stellte sich heraus, dass Martin eine Martina ist“, so Nicola Kohoutek.
Der Gans geht es inzwischen bestens. Rund eine Woche lebt sie jetzt schon auf dem Hof der Kohouteks. „Zum Glück ist es eine Martina, denn wir haben schon zwei Ganser, die jeweils mit einer Gans unterwegs sind. So ist die Integration sehr schnell gelungen, innerhalb von einem halben Tag haben wir sie vergesellschaften können. Jetzt sind alle fünf zusammen und glücklich“, so die Vorsitzende des Vereins. Gänseriche seien sehr territorial und könnten sich schon mal an die Gurgel gehen, erklärt sie weiter. Mit Partnerin geht das Zusammenleben aber problemlos. Martina sei von Anfang an handzahm gewesen, sei Menschen sogar nachgelaufen, „mittlerweile will sie von uns Menschen aber gar nichts mehr wissen“, so Nicola Kohoutek. Martina sei definitiv eine Hausgans und recht jung, „sie ist noch nicht ausgewachsen, wir vermuten, dass sie vergangenen April geboren wurde, also maximal ein Jahr alt ist.“ Jetzt bleibt Martina auf dem Hof von Federn und Pfoten, auch geschützt vor Mardern und Füchsen, denen sie am Chiemsee hilflos ausgesetzt wäre.
Selbst wenn Martina den Sommer und Herbst am Chiemsee mit Wildtierangriffen überlebt hätte, glaubt Nicola Kohoutek nicht, dass die Gans den Winter überlebt hätte. „Hausgänse können im Vergleich zu Wildgänsen nicht fliegen. Und gerade die Schafwaschener Bucht bei Rimsting kann schon mal zufrieren. Da wird es dann schwierig“, so die inzwischen fünffache Gänsehalterin. Klar, fliegende Hausgänse würden die ein oder andere Martinsgans verhindern.
Lebensrettendes
Engagement
Monika Walter ist sehr glücklich, wie es mit Martina weitergeht und dankt den Kohouteks für deren Engagement: „Wir haben auch gleich gespendet und bewundern die drei für dieses Engagement.“ Darüber freut sich auch Martina. Bleibt zu hoffen, dass sie den beiden Gänserichen keine zu langen Hälse macht und sich auf dem Hof der Kohouteks keine Eifersuchtsdramen ereignen.