Millionenprojekt am Bahngelände

von Redaktion

Die Planungen für die Sanierung des Kindergartens werden gestoppt. Die Bebauung für die „neue Ortsmitte“ kann nicht umgesetzt werden. Was ist in Marquartstein los?

Marquartstein – Kann das ehemalige Bahngelände neu genutzt werden? Und wenn ja, wie? Diese Entscheidung stand jüngst im Gemeinderat an. Der Plan ist, dort die Kindertagesstätte, einen Bürgersaal und gegebenenfalls auch die Grundschule neu zu errichten. Geschätzte Kosten: gut 20 Millionen Euro. Ob das überhaupt möglich ist, hat Barbara Hummel vom Büro Hummel/Kraus Stadtplaner PartG mbB untersucht und die Machbarkeitsstudie im Mai den Gemeinderäten vorgestellt – mit dem Ergebnis, dass es sich sehr gut verwirklichen ließe.

Komplexe
Entscheidung

Danach stellte Gemeinderat Klaus Hell (BfM) in der Mai-Sitzung einen Antrag zur Geschäftsordnung, die Entscheidung für diesen Tagesordnungspunkt zurückzustellen und zeitnah unter Berücksichtigung der finanziellen Lage in der Gemeinde erneut zur Beratung und Abstimmung anzusetzen. Diesem Antrag stimmte der Gemeinderat im Mai mehrheitlich zu. Nun stand die Entscheidung wieder zur Beratung und Abstimmung an. Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) fasste die Ergebnisse der Studie zusammen, dass die geplanten Gebäude Kindertagesstätte, Grundschule mit Ganztagsbetreuung und ein Bürgersaal auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände grundsätzlich möglich sind, diverse Synergieeffekte genutzt werden könnten und auch eine stufenweise Umsetzung machbar ist. Eine genauere Ausarbeitung sollte im Rahmen eines Planungswettbewerbs erfolgen, dessen Aufgabenstellung durch den Gemeinderat in einem nächsten Schritt erfolgen müsste.

Dringlich sei die Entscheidung, ob ein Neubau für den Kindergarten auf dem ehemaligen Bahngelände oder die Generalsanierung des jetzigen Kindergartens an der Pettendorfer Straße erfolgen soll. Scheck führte die Punkte der Kostenersparnis bei einem Neubau auf, wie der Wegfall der Übergangslösung mit Containern und die langfristigen Kosten für die Erbpacht für das Grundstück der Kirche. Dazu komme der Unsicherheitsfaktor wegen der Trägerschaft. Der Bürgermeister empfahl deshalb, umgehend die Planungen für die Sanierung zu stoppen und in die Ausarbeitung eines Planungswettbewerbs einzusteigen.

Dem schlossen sich nach längerem Gedankenaustausch die Gemeinderäte mit zwei Gegenstimmen an. Hell legte seine Sichtweise der Kosten dar und war für eine Sanierung, dem stimmte auch Toni Entfellner (Grüne/Offene Liste) zu, aber eher aus ökologischen Gründen.

Claudia Kraus (Grüne/Offene Liste) sah insbesondere das Argument der Unwägbarkeiten im Erbbaurechtsvertrag, der nicht in der Hand der Gemeinde liegt, als Problem. Dem folgten die meisten Räte und waren gegen eine Sanierung.

Die Verwaltung wurde beauftragt, die Durchführung eines Planungswettbewerbes auf den Weg zu bringen.

Um die „Neue Ortsmitte“ (NOM) und den Sachstand zum Projekt durch die Lebensraum Tiroler Achen GmbH & Co. KG (LTA) ging es in einem weiteren Tagesordnungspunkt. Scheck berichtete, dass die Schaffung der neuen Ortsmitte die Gemeinde schon sehr lange beschäftigt. Es sei nun planerisch und baurechtlich alles abgeschlossen und er werde zuletzt öfter von Bürgern angesprochen, wann es mit dem Bau losgeht. Die vertraglichen Regelungen sehen den Start bis spätestens Herbst 2026 vor.

Es folgte ein Gespräch mit LTA, vertreten durch die beiden Geschäftsführer Tobias Tomczyk und Helmut Rutterschmidt mit der Gemeinde. Und die Mitteilung der LTA, dass aufgrund von wirtschaftlichen Entwicklungen eine Realisierung des Projektes NOM sich mittelfristig nicht mehr tragfähig umsetzen lassen werde. Dies wurde dann auch noch schriftlich bestätigt.

Die beiden Geschäftsführer waren in der Ratssitzung anwesend und erläuterten den Sachverhalt. Tobias Tomczyk sagte, dass sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren stark und nicht voraussehbar verändert haben. Er führte dafür die Zinsentwicklung, die stark gestiegenen Baukosten, Löhne, Rohstoffe, leere Fördertöpfe und die Lage am Wohnungsmarkt an.

Das sei eine Entwicklung, die dazu geführt hat, dass das Projekt heute nicht mehr wirtschaftlich umzusetzen sei. Es tat ihm leid, diese schlechte Nachricht überbringen zu müssen, aber die LTA wolle mit offenen Karten spielen und die Gemeinde frühzeitig informieren. Die Probleme habe man nicht nur bei diesem Projekt in Marquartstein, es träfe die gesamte Wohnungsbaubranche, was schon zu zahlreichen Pleiten geführt habe.

„Besser die
Reißleine ziehen“

Der Bürgermeister bedauerte sehr, dass dieses so zentrale Projekt für Marquartstein „zu Grabe getragen“ werden muss, aber es sei besser, die Erkenntnis vor Baubeginn zu haben und die „Reißleine ziehen“ zu können. Es müssten nun Wege gefunden werden, wie eine einvernehmliche Rückabwicklung mit der LTA vonstattengehen kann. Tomczyk bestätigte dazu, dass das auch in ihrem Sinne sei, und Helmut Rutterschmidt bestätigte der Gemeinde ein Vorkaufsrecht für das Areal.

Artikel 1 von 11