Traunstein/Chiemgau – „Ich bin begeisterter Motorradfahrer und suche auf diesem Wege Gleichgesinnte aus dem Chiemgau.“ Das ist ein Beitrag in der Facebook-Gruppe „Chiemgau – do bin i dahoam“. Dazu ein Foto in Motorradkluft, im Hintergrund Bergpanorama. Die „Wadelkrampfgruppe“ postet Landschaftsbilder ihrer Wanderung und dazwischen ein Aufruf, weil Kater Bazi aus Höslwang immer noch vermisst wird.
Jedes Jahr 1700
neue Mitglieder
Die Facebook-Gruppe „Chiemgau – do bin i dahoam“ ist bunt und zugleich beliebt. Seit der Gründung 2015 kommen jedes Jahr im Schnitt weitere 1700 Mitglieder dazu. Mittlerweile sind rund 16900 Menschen auf der Plattform unterwegs und es werden immer noch mehr: „Am Anfang war ich noch allein, jetzt sind wir vier Admins, die sich um die Gruppe kümmern“, so der Begründer der Gruppe, Michael Inneberger. Mit Kaffee, Butterbreze und seiner Kamera vor ihm wartet er im Café auf uns, um über zehn Jahre „Chiemgau – do bin i dahoam“ zu erzählen.
Michael macht Urlaub, wo es am schönsten ist – bei sich zu Hause im Chiemgau: „Ich dachte mir, es wäre doch schön, eine Austauschplattform zu haben: Was kann man überhaupt machen daheim, welche Gastro, Unternehmen, was gibt es überhaupt bei uns, welche Perlen kann man noch entdecken?“ Ein paar Leute, denkt Michael damals, würden sich schon dafür interessieren. Von wegen: Aus Hunderten werden schnell Tausende. Warum kommt das Konzept der Gruppe so gut an? „Das ist eben nicht nur eine Online-Plattform, sondern eine Gemeinschaft“, sagt Michael Inneberger und nennt ein Beispiel: „Der Motorradfahrer, der heute gepostet hat, der neu in der Gruppe ist und Anschluss sucht, vielleicht findet der so ein paar andere, das ist doch toll.“ Was sind denn die hauptsächlichen Themen?
„Eigentlich fast alles aus der Region. Zum Beispiel, wenn jemand einen Schlüssel verliert, aber auch einfach schöne Fotos aus der Gegend.“ Und die Mitglieder sind nicht nur aus dem Chiemgau, verrät Michael. Auch Touristen, die sich in unsere schöne Region verliebt haben, wollen so mit ihrem Traumreiseort verbunden bleiben.
„Wir haben ja auch T-Shirts und Aufkleber gemacht über unseren eigenen Shop Chiemwelt, damit man einen Wiedererkennungswert hat. Einige von unseren ‚Chiemgau – do bin i dahoam‘-Stickern fahren jetzt etwa durch Florida oder Guatemala.“ Dass die Gruppe so gut ankommt, liegt sicherlich auch daran, dass Michael und die anderen Admins der Gruppe viel Zeit in die Moderation investieren, denn es wird viel Wert auf Respekt und freundlichen Umgangston gelegt: „Wir schauen tatsächlich, dass es bei uns einigermaßen harmonisch zugeht. Wenn bei uns beleidigende Kommentare kommen, dann werden die auch schon mal herausgelöscht.“ Außerdem sei „Chiemgau – do bin i dahoam“ eine geschlossene Gruppe, neue Anfragen würden bestmöglich auf Fake-Profile überprüft. Das ist, so gibt Michael zu, ziemlich viel Arbeit. Mindestens eine Stunde pro Tag muss er sich für die Facebook-Gruppe Zeit nehmen. Manchmal gäbe es auch ein bisschen Ärger mit Leuten in der Gruppe, die die Regeln nicht einhalten, aber Michael will sich lieber auf das Positive konzentrieren. „Also besonders gefreut hat mich die Geschichte mit dem Kuscheltier.“ Eine Familie sei vor drei, vier Jahren auf Durchreise gewesen. Das Kind hätte dann sein geliebtes Kuscheltier in der Region verloren. Kurzerhand posteten die Eltern ein Foto vom Kuscheltier und hofften, dass jemand von „Chiemgau – do bin i dahoam“ es wiederfindet. Und dann passiert das fast Unmögliche. Das Stofftier wird gefunden und dem überglücklichen Kind zurückgegeben: „Das ist so schön, wenn die Leute so zusammenkommen und sich helfen.“
Es gibt aber auch skurrile Trends auf der Seite. Die Gruppendynamik, so Michael Inneberger, sei manchmal durchaus interessant. Zum Beispiel, wenn es um Füße geht: „Ja, das hat, glaube ich, damit angefangen, dass Leute Fotos vom Urlaub gepostet haben, mit Strand im Hintergrund und den Beinen und Füßen im Vordergrund.“ Das hätten dann eine Weile sehr viele in der Gruppe lustig gefunden, überall seien Füße mit unterschiedlichstem Hintergrund zu sehen gewesen. Wenn das dann ein paar Wochen anhält, seien, so Michael, natürlich andere auch irgendwann genervt: „Aber das ebbt irgendwann wieder ab.“
Der Humor der Gruppe ist aber längst nicht mehr nur auf Facebook zu Hause, gelacht wird mittlerweile „auch im echten Leben“, erzählt Michael. Es gäbe Stammtische und Wandergruppen. Die Mitglieder hätten sogar den Text des Chiemgau-Liedes der Band „Kesselfligga“ zusammen kreiert. Und zweimal im Jahr feiern die Mitglieder alle zusammen. Einmal kurz vor Weihnachten und einmal beim Sommerfest.
Jubiläumsparty
steigt Ende Juni
Dieses Jahr, am 28. Juni, wird es aber noch mal besonders hoch hergehen, es ist das zehnjährige Bestehen der Gruppe: „Wir feiern am Schellenberg in Bergen“, sagt Michael Inneberger und hofft, dass außer der geplanten Band auch das Wetter diesmal mitspielt. Wie schon in der Vergangenheit wird auch die befreundete Facebook-Gruppe „Historischer Chiemgau“ wieder mit dabei sein. Es seien alle herzlich eingeladen.