Unterwössen – Die 7. Klasse der Grund- und Mittelschule Unterwössen warf in den vergangenen Monaten einen ungewöhnlichen Blick über den Tellerrand. Über die Internetplattform Epals.com entstand ein digitaler Schüleraustausch mit einer Privatschule in Thengzou, einer Stadt im Osten Chinas mit 1,6 Millionen Einwohnern. Was als digitales Klassenzimmerprojekt begann, entwickelte sich zur Begegnung zweier Kulturen – mit Videos, Briefen, Online-Treffen und vielen überraschenden Momenten.
Die Unterwössner Englischlehrerin Katja Hammerschmid stieß auf die Internetplattform Epals.com, die Lehrkräfte weltweit vernetzt und gemeinsame Projekte ermöglicht. Sie fand eine chinesische Partnerklasse. Nach ersten Kontakten der Lehrkräfte startete im Dezember 2024 der Austausch. Beide Klassen produzierten ein Video, in dem sie ihre Klasse, den Klassenraum, Lehrer, Schule und Direktor vorstellten. Schon da kam Erstaunliches zum Vorschein. Den Unterwössner Schülern fiel auf, dass Schüler in China mit dem E-Scooter in die Schule fahren. Sie lernen Englisch in ihrer Freizeit und am Abend. Die chinesischen Klassenzimmer zeigten sich sehr leer. Die kahlen Wände sollen den Schülern helfen, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Andersherum war es für die chinesischen Schüler völlig überraschend, wie bunt und voller Bilder der deutsche Klassenraum ist. Im nächsten Schritt schrieb jeder chinesische Schüler einem Unterwössner einen persönlichen Brief. Weil der Postweg zwei bis drei Wochen dauerte, brauchte es Geduld. Doch das Papier in der Hand machte den Austausch in Zeiten von E-Mail und Messenger-Diensten besonders. Für viele war es das erste Mal, dass sie einen handgeschriebenen Brief aus dem Ausland bekamen. Den chinesischen Kindern wird es wohl ähnlich ergangen sein, als sie deutsche Briefe erhielten. Die deutschen Schüler erfuhren, dass Kinder in China oft zwei Namen haben – einen chinesischen und einen englischen.
Parallel zum Briefwechsel drehte jeder Schüler ein kurzes Video über seinen Alltag oder seine Hobbys. So lernten die Unterwössner nicht nur neue Gesichter kennen, sondern auch kulturelle Besonderheiten. Sie lernten, dass das Neujahrsfest am 29. Januar der wichtigste Feiertag in China ist und dass mit diesem Tag das Jahr der Schlange begann. Meat Noodles – gebratene Nudeln mit Fleisch – entpuppte sich als Lieblingsgericht vieler chinesischer Schüler.
Letzter Höhepunkt des Austauschs war ein gemeinsames Online-Meeting Ende Mai. Wegen der Zeitverschiebung mussten die Unterwössner Nachmittagsfreizeit „opfern“ – trotzdem machten alle mit. Das Meeting brachte eine spannende Mischung aus kulturellen Darbietungen – auf bayerischer Seite mit Tracht, Platteln und Ziach, auf chinesischer Seite mit traditionellem chinesischem Gewand, Flötenspiel und Geige.
Der anschließende Austausch im Meeting brachte auch Gemeinsamkeiten hervor wie das beidseitige Fußballidol oder ähnliche Hobbys.
Zum Abschluss gab es ein Gruppenfoto auf dem Bildschirm. Die chinesische Lehrerin sagte später: „This kind of cultural exchange is truly priceless – diese Art eines kulturellen Austausches ist wirklich unbezahlbar.“
Auch Katja Hammerschmid zog ein klares Fazit: „Der Austausch war wichtig. Er zeigte Unterschiede, aber auch Verbindendes. Er schärfte das Bewusstsein für andere Lebensweisen – und dafür, wie spannend ein Miteinander sein kann.“
In den kommenden Wochen wird der Austausch eine Pause einlegen – Ferien und Prüfungen stehen an. Aber der Eindruck aus dem Austausch bleibt. Die chinesische Lehrerin berichtet: Manche chinesischen Schüler fragen bis heute: „Are they real?“ Ja, die Unterwössner Schüler sind echt. Dieser Austausch auch. lfl