Segelboot explodiert auf dem Chiemsee

von Redaktion

Aus dem Zeitungsarchiv Vor 40 Jahren spielten sich dramatische Szenen ab

Prien – „Ich befand mich gerade in der Wasserwachtstation, als es einen lauten Knall gab“, zitiert das Oberbayerische Volksblatt (OVB) in seiner Ausgabe vom 7. Juni 1985 den damaligen Bademeister im Priener Warmbad, Adolf Safner, „es hörte sich wie eine Explosion an. Ich beobachtete, wie ein Mann aus der Kajüte eines im Hafen befindlichen Segelboots lief, wie die Segel Feuer fingen, und der Mann vergeblich versuchte, mit einem Wassereimer den Brand zu löschen. Dann sah ich, wie das brennende Schiff mit einem kleinen Ruderbeiboot in Richtung freies Wasser geschleppt und dort vom Polizeiboot übernommen wurde.“

Schwerer
2,7-Tonner

Nicht lange zuvor hatte sich bereits ein tragisches Ereignis auf dem See abgespielt. Ein Segellehrer aus Nürnberg brach im April jenes Jahres mit drei Schülern trotz Sturmwarnung zu einem Segeltörn auf. Die Yacht verschwand zunächst spurlos. Über Wochen hinaus wurde gesucht, bis der See seine Opfer und das Wrack freigab. Wie die Wasserwacht auf unsere Anfrage hin mitteilte, sind leider auch heutzutage noch viele Wassersportler nicht mit dem nötigen Bewusstsein für die Risiken auf dem Chiemsee beziehungsweise wie man sich schützt und vorbereitet unterwegs.

Zurück zum Geschehen vor 40 Jahren: Der Einsatzleiter, Polizeihauptmeister Dieter Karnstädt habe berichtet, dass die Lage brenzliger gewesen sei, als man zunächst annahm, heißt es im Bericht damals. „Das Kajütboot vom Typ ‚Dehler Optima‘, ein schwerer 2,7-Tonner, wurde gerade mit dem Hilfsmotor in den Hafenliegeplatz gesteuert, als es passierte. In der Kajüte kam es zu einer Verpuffung oder Explosion. Höchst schwierig war es, mit dem leichten Ruderboot das schwere Schiff aus dem Hafen zu ziehen. Für die Wasserschutzpolizisten wurde es richtiggehend gefährlich, als sie das brennende Boot ihrerseits in Schlepp nehmen wollten. Das Feuer hatte auf dem Plastikschiff mittlerweile eine so ungeheure Hitze verursacht, dass Dieter Karnstädt größte Probleme hatte, die Verbindungsleine – sie war von den Seglern nicht fachmännisch geknotet worden — ein zweites Mal festzumachen.“

Das Segelboot sei völlig ausgebrannt. „Das Feuer konnte schließlich von der Priener Feuerwehr mittels einer auf dem Einsatzboot mitgeführten Motorpumpe gelöscht werden. Der übrig gebliebene Rumpf, nur noch ein schwarzes Wrack, wurde schließlich in den Hafen geschleppt und sofort an Land gehievt.“ Der Vorfall habe potenziell böse ausgehen können. „Das in Flammen stehende Schiff hatte nämlich bereits die Persenning eines weiteren Boots im Hafen in Brand gesetzt. Ein Übergreifen des Feuers konnte jedoch verhindert werden.“ Der Entschluss, das brennende Schiff sofort ins freie Wasser zu schaffen sei die einzig richtige Entscheidung gewesen, „ansonsten wäre es im Hafen womöglich zu einer Katastrophe gekommen.“

Ungeheure
Hitze

„Solche Vorfälle kommen glücklicherweise sehr selten vor, da die Einrichtungen von Segelbooten mittlerweile sehr sicher verbaut und regelmäßiger geprüft werden. In den vergangenen zehn Jahren ist kein ähnlich gelagerter Fall bekannt“, teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf unsere Anfrage hin mit, „Die bestmögliche Prävention hinsichtlich solcher Vorfälle ist eine verantwortungsvolle Nutzung und regelmäßige Wartung – insbesondere der brennbaren Bereiche wie Gasherde und/oder Benzintanks.“

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