Unterwössen – Kürzlich trafen sich kommunalpolitisch Engagierte, vorwiegend aus den Reihen des Ortsverbandes Wössen der „Christlich-Sozialen Union in Bayern“, zum Ortstermin beim Inklusionsprojekt „Wohnen und Arbeiten am Rathausplatz“ in Unterwössen. „Sich vor Ort zu informieren und in persönlichen Austausch zu treten, ist sehr wichtig für die politische Arbeit“, äußerte sich Ortsvorsitzender Johannes Weber, der den Ortstermin organisiert hatte, in seiner Begrüßung. Er freute sich gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Lebenshilfe Traunstein und Bezirkstagsmitglied Annemarie Funke aus den Reihen des Ortsverbandes Bürgermeister Ludwig Entfellner, Hermann Minisini, Mathilde Minisini, Klaus Hellmich, Andreas Nieß, Erwin Stephan Haugg und Alexander Meder begrüßen zu können. Eine besondere Freude war es ihnen, dass auch der Bürgermeister der Gemeinde Engelsberg, Martin Lackner, teilnahm, um sich vor Ort zu informieren, ebenso wie der Bürgermeister der Gemeinde Reit im Winkl, Matthias Schlechter, und aus Tacherting Christine Wicht.
Verwirklicht mit
viel Idealismus
Es ist ein besonderes Projekt, das da im Rahmen des Ortstermins von Annemarie Funke und Mitarbeitern der Lebenshilfe vorgestellt wurde. Mitten im Herzen von Unterwössen angesiedelt, loben es Einheimische wie Auswärtige gleichermaßen. Die Lebenshilfe Traunstein, getragen vom „Lebenshilfe Traunstein“, betreibt 13 Wohnheime mit gemeinschaftlichem Wohnen. In Unterwössen ist dabei ein Projekt realisiert worden, das über das reine Wohnen hinausgeht. Es handelt sich um ein inklusives Wohn- und Beschäftigungsprojekt. Dort wohnen und arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Das „Arbeiten“ findet Ausdruck im gastronomischen Inklusionsbetrieb „Café/Bistro am Rathaus“. Das Ganze steht unter alleiniger Trägerschaft der Lebenshilfe. Bezirksrätin Annemarie Funke berichtet: „Sowohl während des Bauleitplanverfahrens als auch während des Baus und nach Inbetriebnahme hat die Gemeinde Unterwössen unser Projekt positiv begleitet. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Unterwössen, mit den Bürgermeistern, den Gemeinderatsmitgliedern und der übrigen Verwaltung gestaltete und gestaltet sich sehr gut. Dafür sind wir sehr dankbar. In gleicher Weise kann ich über die Maro Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen berichten, die auf dem Nachbargrundstuck gebaut hat.“
Ludwig Entfellner, Bürgermeister von Unterwössen, stellte die Bedeutung der Nutzung des in früheren Zeiten als Betriebsgelände eines Sägewerks, eines Bauunternehmens und einer Zimmerei dienenden und dann einige Jahre brachliegenden Grundstücks durch die Lebenshilfe und die Maro für den Ort heraus. Er betonte auch die gehörige Portion Idealismus, die den vor einigen Jahren verstorbenen ehemaligen Grundstückseigentümer bei der Findung von guten Lösungen für die weitere Nutzung des Grundstücks umgetrieben hatte.
Der im Erdgeschoss angesiedelte inklusive Gastronomiebetrieb bietet Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen eine Beschäftigung auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Insgesamt besteht das Küchen- und Serviceteam aus zehn hauptamtlichen Mitarbeitern sowie zwei ehrenamtlichen Servicemitarbeiterinnen, darunter drei Mitarbeitende mit Beeinträchtigungen sowie eine Praktikantin mit Beeinträchtigungen, weiß Annemarie Funke zu berichten. In der zum Inklusionsbetrieb des Cafés/Bistros gehörenden Küche werden montags bis freitags täglich frisch aus regionalen, hochwertigen Zutaten 250 Mahlzeiten für Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen in Unterwössen und in der näheren Umgebung zubereitet. Diese Essen werden dann werktags zur Mittagszeit von einem Mitarbeiter des Inklusionsbetriebs zu den Einrichtungen gefahren. Die Wohngruppen nutzen das Café/Bistro für verschiedenste Anlässe, ebenso wie dies Vereine, Verbände, Firmen und Privatpersonen aus dem Ort und aus der Region tun. „Hier kommt es zur Begegnung und wird der Charakter des Projekts als solches der sozialen Teilhabe und gelebten Inklusion besonders deutlich“, zeigten sich Annemarie Funke, Ludwig Entfellner und Johannes Weber überzeugt.
Eingegangen wurde durch Annemarie Funke auch auf die planerischen Besonderheiten. So sind alle erdgeschossigen Nutzungseinheiten unmittelbar von außen erschlossen. Damit entfallen viele der sonst für Gänge notwendig werdenden Flächen. Maro und Lebenshilfe schufen zudem Gemeinschaftsflächen, ein wesentlicher Bestandteil des Nachbarschaftskonzepts. Der vor allem durch die Nähe zum Wössner Bach gegebene hohe Grundwasserstand hätte großen zusätzlichen Aufwand – etwa für die Entwässerung der Baugrube während der Bauzeit und die wasserdichte Ausführung eines Untergeschosses – bedeutet und damit zusätzliche Kosten verursacht. Daher ist auf eine Unterkellerung verzichtet worden. Zudem werden die erforderlichen Stellplätze oberirdisch dargestellt und dies dabei grundsätzlich ohne Bauwerke für das Parken von Fahrzeugen. Die Häuser besitzen ein traditionelles Kaltdach mit Dämmung auf der obersten Geschossebene. So wurden aufwendig gedämmte Schrägdachkonstruktionen für ausgebaute Dächer sowie Gauben und Dachflächenfenster vermieden.
Ökologie plus
Ökonomie
Zudem können hier die für die Wohnungen erforderlichen Abstellflächen sehr wirtschaftlich dargestellt werden. „Das Vorhaben bringt in herausgehobener Weise Ökologie und Ökonomie in Einklang“, so Funke stellvertretend für den Architekten Bernhard Püschel, der das Projekt geplant hat. Funke erwähnte auch die Nominierung des Projekts für den von der Max-von-Bredow-Baukultur aus Kolbermoor in München veranstalteten Baukulturtag 2024.