Prien/Chiemsee – Es war ein wunderschöner Sonntagmorgen am Chiemsee, als Segler im Wasser zwischen Seeon-Seebruck und Lambach auf ein rätselhaftes, schwarzes, etwa zehn Meter langes Objekt aufmerksam wurden. Von Ferne ähnelte es ein wenig dem berühmten Seemonster „Nessie“ aus dem schottischen Loch Ness. Gibt es etwa ein Pendant im Chiemsee – also „Chiemie“? Oder gar einen schlanken Wal? Die Beobachter machten am vergangenen Wochenende eine Menge Fotos und das Rätselraten begann.
Zweiter Meter am
Boden des Sees
Ortskundige hatten sofort einen Verdacht. Und als die Chiemgau-Zeitung am Montagmorgen beim Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AUV) anklingelte und von den „Monster-Spekulationen“ erzählte, klang ein dröhnendes Lachen durch die Leitung. Eine klare Auskunft gab es aber erst mal nicht. Dafür den Hinweis, dass nur Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl als Verbandsvorsitzender Auskunft geben dürfte. Chefsache also – und Fenzl übernahm dann am Montagmorgen auch direkt vor Ort in der Zentrale des AUV die Koordination der Notfallmaßnahmen.
Es ging dabei aber nicht um eine Bekämpfung von Seemonstern oder die Beobachtung eines Wals, sondern schlicht um die Rückführung einer Abwasserleitung auf den Chiemsee-Boden. „Zwischen Seebruck und Lambach sind etwa zehn Meter der Leitung an die Wasseroberfläche aufgeschwommen“, berichtete Fenzl auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Etwa 28 Kilometer der Abwasser-Leitungen, der im AUV zusammengeschlossenen Chiemsee-Gemeinden, verlaufen im Bayerischen Meer – normalerweise durch Ballast beschwert am Boden (siehe Kasten).
„Vermutlich sind durch Faulgas und Lufteintrag in der Leitung die Gewichte verrutscht, deshalb ist die Leitung nach oben getrieben“, so Fenzl. Das letzte Mal vorgekommen sei das vor „vielen Jahren“. Damit das vermeintliche Seemonster „Chiemie“ wieder in den Tiefen des Chiemsees verschwindet, müssen nun mehrere Maßnahmen durchgeführt werden. Zum einen muss die laut Rim-stings Bürgermeisters äußerlich unbeschädigte Leitung durchgespült werden, um die Gaseinschlüsse zu eliminieren. „Zudem werden Spezialtaucher eingesetzt, die die Leitung wieder am Boden mit Ballast verankern“, so Fenzl. Die Leitung liegt an dieser Stelle immerhin in 20 Meter Tiefe.
Der Einsatzleiter bedankte sich ausdrücklich bei DLRG und Katastrophenschutzbehörden für den Einsatz am Sonntag. Der betroffene Bereich sei großräumig abgesperrt worden, eine Gefahr für Bootsführer habe nicht bestanden. Trotzdem sei nach Auskunft eines Sprechers der Polizei Prien für Boote in dem betroffenen Bereich des Chiemsees „Vorsicht geboten, solange die Leitung noch nicht wieder komplett am Seeboden gesichert“ sei.
Das könne durchaus Stunden oder auch ein paar Tage dauern, teilte Fenzl mit. Dann verschwindet die Legende von „Chiemie“ wieder in den Tiefen des Chiemsees.