Vermüllt und beschädigt

von Redaktion

Vier Männer mieten Boot und setzen einen Großeinsatz mit Hubschrauber in Gang

Prien/Gstadt – Josef „Seppi VII.“ Alexander Rappl ist immer noch dankbar über die Unterstützung, die er am vergangenen Wochenende in der gesamten Chiemsee-Region erfahren hat. „Es ist wie ein Lauffeuer um den See gegangen, dass bei uns ein Elektroboot verschwunden ist. Hunderte haben mitgeholfen und Hinweise gegeben. Dafür danken wir allen, vor allem den Einsatzkräften“, erzählt der in der Chiemsee-Region bekannte Unternehmer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Vom Vater
gebaut

Alexander Rappl meint damit durch eine Meldung auf Chiemgau24 aufmerksam gewordene Einheimische und Touristen. Aber natürlich auch Wasserwacht und Polizei, die sogar mit einem Hubschrauber bis um 2 Uhr nachts nach dem vermissten Boot samt Insassen gefahndet hatten. Das Drama hatte am vergangenen Samstagnachmittag seinen Anfang genommen, als vier südländisch aussehende Männer beim traditionsreichen Bootsverleih Josef Rappl in Gstadt das Elektroboot „8. Seppi“ mieteten. Ein Boot, das für Seppi Rappl VII. einen besonderen emotionalen Wert hat – schließlich ist es von seinem kürzlich verstorbenen Papa gebaut worden. Auch die Boots-Vermietung trägt wie schon seit Jahrzehnten den Namen der Chiemsee-Legende Josef „Seppi VI.“ Rappl. Sein Sohn Seppi Rappl VII. führt das Verleih-Geschäft nach dem Tod des Vaters mit Angestellten weiter.

„Die vier Männer haben es für zwei Stunden gemietet und gesagt, dass sie den Rest nachzahlen, falls sie länger draußen bleiben. Es war aber klar abgesprochen, dass sie spätestens 19 Uhr zur Schließung des Verleihs zurück sein müssen“, schildert Seppi VII. Rappl. Als das Boot mit weißem Rumpf und rotem Deck um diese Uhrzeit nicht auftauchte, habe man nach einer gewissen Wartezeit versucht, die Mieter telefonisch zu erreichen. Das blieb auch bei mehreren Versuchen erfolglos. Also startete die groß angelegte Suchaktion.

„Wir waren voller Sorgen, schließlich kann es auch um das Leib und Leben von vier Menschen gehen“, so Rappl. Den finanziellen Wert des Elektroboots beziffert er auf eine Summe von etwa „10000 Euro“. Auch ein Diebstahl und die „Mitnahme“ des Bootes aus dem Chiemsee sei eine theoretische Option gewesen, schließlich läuft das Geschäft der Bootsvermietung ohne Kaution oder Abgabe des Ausweises ab. Nach einer unruhigen Nacht ging die Suche am vergangenen Sonntagmorgen weiter. Begleitet von großem Medieninteresse, sogar der Bayerische Rundfunk wollte Rappl wegen des mysteriösen Verschwindens eines Boots interviewen. „Wir haben dann von zwei Leuten unabhängig gehört, dass das Boot am anderen Seeende in Übersee gesichtet wurde. Also sind wir Übersee im Boot abgetuckert“, so Rappl. Ebenfalls erfolglos. Die erlösende Nachricht kam schließlich am frühen Sonntagnachmittag von einem privaten Bootssteg in Prien-Harras. Rappls Cousin Niklas hatte das Elektroboot halb unter dem Steg entdeckt.

Unterschlagung und
unbefugter Gebrauch

„Es war zugemüllt mit Red-Bull-, Cola- und Bier-Behältnissen, dazu beschädigt“, so Rappl. Die Polizei habe die Spuren gesichert. Eine öffentliche Suche der Polizeiinspektion Prien nach Zeugen, die das Boot seit Samstagnachmittag auf dem See gesehen haben oder Hinweise zu den vier Männern geben können, blieb bis Montagmittag ergebnislos. „Es hat sich bislang noch niemand gemeldet. Wir ermitteln wegen Unterschlagung und unbefugtem Gebrauchs“, teilte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung mit.

Seppi VII. Rappl wird Zeit brauchen, um das Geschehen zu verdauen: „So haben wir seit 30 Jahren nicht mehr erlebt am Chiemsee, damals ist ein Ruderboot verschwunden. So einen Stress wünsche ich niemandem.“

Die Geschichte der Familie Rappl

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