Sogar der Kini gratulierte

von Redaktion

GTEV Prien feiert den 130. Geburtstag mit einem prächtigen Festabend und Festzug

Prien – Mit einem prächtigen Festabend und einem farbenfrohen Festzug feierte der GTEV Prien seinen 130. Geburtstag. Zum Abschluss und Höhepunkt des Festabends marschierten die Aktiven des Priener Trachtenvereins auf die Bühne: 24 Dirndl mit KronentanzBögen von rechts und 24 Buam von links mit Sterntanz-Bögen – ein Rekord zum Jubiläum. 24 Paare, alle aus den eigenen Reihen. Nie zuvor brachten so viele Aktive den Seerosentanz auf die Bühne. Mit Einblicken in die Geschichte des GTEV Prien und das Vereinsleben führten Regina Wallner und Sepp Furtner gekonnt und humorvoll durch das Programm.

Fünf Musikgruppen aus dem Verein, teils mit Verstärkung aus der Nachbarschaft, gestalteten den ersten, staden Teil: die „Rarbeinad-Musi“, der „Chiemseewinkl Dreigsang“, die „Westenboch Musik“ und die „Mühlbach-Musi“, die seit über 40 Jahren zusammen auftritt. Dass es kein musikalisches Nachwuchsproblem gibt, zeigten Florian Obermüller mit seinen Buam Lorenz und Konrad als Waisenbläser. Die weitere musikalische Gestaltung übernahm, wie beim Bieranstich, die Blaskapelle Prien als Festmusik unter Leitung von Stefan Hackenberg und Sebastian Bauer.

Den zweiten Teil des Festabends eröffneten über 100 Mitwirkende des Festvereins mit dem Einmarsch ins Festzelt. Die Kindergruppe startete mit Laubentanz und Bauernmadl. Danach kamen „alle, die platteln können“ zum Priener Marsch auf die Bühne. Die Jugend führte Mühlradl und Sterntanz auf und erntete viel Applaus.

Dank galt den Jugendleitern Barbara Fischer und Christian Hofbauer für ihre erfolgreiche Nachwuchsarbeit.

Dass enger Kontakt zu den fünf Patenvereinen besteht, zeigte deren Anwesenheit beim Jubiläumsabend. Regina Wallner und Sepp Furtner begrüßten herzlich die Abordnungen der „Daxenwinkler“ Atzing, „D‘Griabinga“ Hohenaschau, „Dö Koasawinkla“ Reit im Winkl, der „Chiemgauer“ München und der „d‘Chiemseer“ Breitbrunn.

Letzteren wurde 1981 zur Fahnenweihe der „Chiemseer“, eine Priener Erfindung, gewidmet. Mit diesem Tanz starteten die Priener Aktiven in den Abend. Auch die folgende Sternpolka hat Tradition und gehört seit den Olympischen Spielen 1972 in München zum festen Programm fast aller Trachtenvereine.

Bevor beim „Heisei“ alle Buam zum Gemeinschaftsplattler antraten, gab es eine Premiere: Nachdem die Priener Schnalzer 1963 als Erste zur Musik schnalzten und so praktisch das Gruppenschnalzen erfanden, wagten sie beim Festabend erstmals das Experiment, mit einer Blaskapelle zu schnalzen – es funktionierte beeindruckend gut. Vor dem krönenden Abschluss ging es beim Holzhacker mit den aktiven Buam richtig zur Sache: Späne flogen und der Rauch ging auf. Der absolute Höhepunkt eines Trachtenfestes ist immer der Festsonntag, die Priener Festwochen haben gleich zwei Festsonntage zu bieten, die Jungbauernschaft feiert nächste Woche ihr 30. Jubiläum, der Priener Trachtenverein ist noch 100 Jahre älter. Demensprechend hatte Petrus auch strahlenden Sonnenschein schon gleich in der früh zum Kirchenzug und Festgottesdienst geschickt. Vielleicht hatte er es etwas zu gut gemeint, „ Fünf Grad weniger hätten es auch getan, aber besser als Regen und Matsch“ meinte eine der Priener Röckefrauen. Wie zum letzten Jubiläum fand der Festgottesdienst wieder auf der Streuobstwiese in Trautersdorf statt, eine gute Wahl aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen und so waren die Schattenplätze unter den Obstbäumen schnell belegt.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von der Blaskapelle Prien und den Rimstinger Sängern, begleitet von Peter Anderl auf der Zither. In der Predigt betonte Pfarrer Philipp Werner, dass das Jubiläum „130 Jahre“ eine gute, lange Geschichte sei, auf die der Verein stolz sein könne. Aber die Zukunft fange auch jetzt an, eine Herausforderung, die Grundlagen zu bewahren, die so viele andere vorher geschaffen hatten „…mit viel Zeit und Engagement, ehrenamtlich, sodass es einem keiner dankt…“ . Alle Vereinsmitglieder, ob Jung oder Alt, hätten die Verantwortung, die Werte zu bewahren, wegen denen man in einem Trachtenverein ist. Die Traditionen aufrecht zu erhalten, Werte, auf die die Mitglieder stolz sein können wie Hilfsbereitsschaft, Verlässlichkeit, Kameradschaft, Treue, Ausdauer, Einsatz für andere, „das is groß, das ist viel, das ist auch eine Errungenschaft der Vorfahren, die erkannt haben, dass man so vernünftig miteinander auskommt“.

Und diese Erkenntnis hätten die Vorfahren aus dem Glauben gezogen. Der Glaube sei die Basis auch für die jüngere Generation, diese Werte zu erhalten. Denn zu glauben, die Werte seien ja da und man müsse nichts mehr dafür tun, sei ein Irrtum. Man müsse nur zwei Staatsgrenzen weiterschaun, wo Krieg herrscht, weil ein Wert in Vergessenheit gerät oder Menschen die Lage neu bewerten. Dass das nicht passiert, dafür ist der Glaube wichtig, das schauen auf Christus: Was Du willst was man dir tut, genau das tu anderen.

„Aufgrund der starken Predigt von Pfarrer Werner kann ich meine Ansprache kürzer halten“ sagte Bürgermeister Andreas Friedrich zu Beginn seiner Rede nach dem Gottesdienst. Er hob aber noch die Bedeutung der Vereine für eine Gemeinde hervor, um Gemeinschaft zu bilden, zu leben und zu zeigen. Und hierfür sei der Priener Trachtenverein ein lebendiges Beispiel.

Im Anschluss an den Gottesdienst stellten sich die Vereine in fünf Zügen zum Festzug durch den Ort auf. Über 30 Vereine, Ortsvereine, benachbarte Trachtenvereine und die Patenvereine wirkten mit und zeichneten ein wunderbares Bild von Heimat.

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