Landkreis Traunstein – Ex-Landrat Siegfried Walch (CSU) ist in den Bundestag eingezogen, jetzt wird sein Nachfolger gesucht: Am 29. Juni wählt der Kreis Traunstein einen neuen Landrat. Rund 144500 Bürger sind wahlberechtigt. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang auf mehr als die Hälfte der Stimmen kommt. Weil aber gleich neun Kandidaten antreten, ist eine Stichwahl sehr wahrscheinlich. In diesem Fall würden die beiden stimmenstärksten Kandidaten am 13. Juli gegeneinander antreten. Wir haben alle Kandidaten um Steckbriefe mit persönlichen Angaben und politischen Zielen gebeten.
Heinz Wallner (Bayernpartei)
Was ist eine persönliche Erfahrung oder Begegnung aus dem Landkreis Traunstein, die Sie besonders geprägt hat – und was bedeutet sie für Ihre Arbeit als Landrat?
Ich bin hier geboren und aufgewachsen, die familiären Wurzeln gehen viele Generationen zurück. Die damit verbundene Vielfalt an Menschen, die vor mir hier gelebt, gewirkt und unsere Heimat geprägt haben, das möchte ich gerne erhalten und weiterentwickeln.
Wenn Sie Landrat werden: Was wäre eine Maßnahme, die Sie umsetzen würden, auch wenn sie möglicherweise zunächst unpopulär ist – und warum?
Deregulierung von Bürokratie und den Rotstift bei den Ausgaben ansetzen.
Was sollten die Menschen über Sie wissen, das nicht auf dem Wahlplakat steht – aber wichtig ist, um Sie richtig einordnen zu können?
Ich bin ein Mensch, der immer über den Tellerrand sieht, sei es in internationalen Beziehungen, deren Auf- und Ausbau, Herstellen von Kontakten zu besonderen Menschen wie Künstlern oder anderen interessanten Persönlichkeiten. Dabei verfüge ich über ein großes internationales Netzwerk.
Christian Kegel (SPD)
Was ist eine persönliche Erfahrung, die Sie besonders geprägt hat?
Besonders gefreut hat mich die Einweihung des Salinenparks in Traunstein, den ich in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Alt-Traunstein gegen erhebliche politische Widerstände realisieren durfte. Heute gilt er als Paradebeispiel für eine gelungene Stadtentwicklung, genauso wie das Kulturforum Klosterkirche. Mein Motto daher: Niemals aufgeben und immer wieder zu überzeugen versuchen!
Was wäre eine Maßnahme, die Sie als Landrat umsetzen würden?
Das betrifft keine isolierte, einzelne Maßnahme. Was für das Allgemeinwohl und damit für unser aller Wohlergehen unerlässlich ist, muss auch umgesetzt werden. Und wie oben beschrieben ist es eher die Regel, dass notwendige Beschlüsse zu Anfang zwar auch kritisch begleitet, mit der richtigen Kommunikation und Beharrlichkeit am Ende dann aber von der Bevölkerung meist als richtig akzeptiert werden.
Was sollten die Menschen über Sie wissen?
Die Bürgerinnen und Bürger dürfen darauf vertrauen, dass ich ein sehr authentischer Mensch bin, dem es wichtig ist, dass er, wenn er in den Spiegel schaut, sich darin auch selbst wiedererkennt.
Andreas Danzer
(Freie Wähler)
Welche politischen
Ziele haben Sie?
Bei meinen politischen Zielen ist mir sehr wichtig, dass alle Themenfelder mit der Fraktion, mit dem Kreisverband und den Ortsverbänden abgestimmt sind und im Einklang ausgeführt werden. Ich bin ein Teamplayer! Auch der Konsens mit anderen Parteien und Wählergruppen ist mir wichtig, damit Entscheidungen zukunftsfähig von Bestand sind und sich auch jeder wiederfinden kann.
Wichtig ist mir, stetig in die Bildung und somit in unsere Zukunft zu investieren. Egal ob das der Bildungs-Campus ist oder umfangreiche Sanierungen oder Schulneubauten sind.
Auch funktionierende Kreisaltenheime sind von großer Bedeutung für unseren Landkreis. Eine dauerhaft wirtschaftliche Standhaftigkeit muss gewährleistet sein. Themen wie die Kurzzeit- und Tagespflege stehen auch weiter im Fokus. Die ständig steigenden Personalkosten müssen angepasst werden. Die Fortführung der Digitalisierung, vor allem unter den Gesichtspunkten der Bürgerfreundlichkeit und Schonung von Personalressourcen, muss weiter vorangetrieben werden. Die Kreisumlage darf nicht immer weiter steigen. Der Handlungsspielraum für die Gemeinden muss bestehen bleiben. Eine Neuverschuldung soll möglichst vermieden werden.
Das höchste Gut ist unsere Natur. Ein Thema ist auch, die Verlandung des Chiemsees zu verlangsamen. Mit unseren Krankenhäusern haben wir eine hervorragende medizinische Versorgung. Ein Hauptthema ist der Erhalt der Kliniken in kommunaler Trägerschaft, auch wenn beide Landkreise Investitionen massiv fördern und Betriebskostendefizite tragen, dürfen die bereits ausgereichten Darlehen nicht in Vergessenheit geraten. Wirtschaftlich stehen wir für Neuansiedlungen und Erweiterungen von Firmen, Schaffung von modernen Arbeitsplätzen vor Ort und Erweiterung der Infrastruktur. Neue Impulse müssen gesetzt werden. Der Fokus muss darauf ausgerichtet werden, dass das Arbeiten in unserer Region möglich ist. Die Landwirtschaft muss weiter unterstützt und wertgeschätzt werden. Ein Bürokratieabbau muss ebenso vorangetrieben werden.
Als Fazit ist zu sagen, dass in den nächsten Jahren mit Mut, Erfahrung und Weitsicht zukunftsweisende Investitionen für unseren Landkreis getätigt werden müssen. Als Anforderungsprofil muss ein neuer Landrat langjährige kommunalpolitische Führungsverantwortung in politischen Gemeinde- und Kreisgremien mitbringen. Es sind detaillierte Kenntnisse in allen Aufgabenbereichen des Landkreises notwendig. Die landkreiseigenen Strukturen muss man kennen. Man sollte auch Kenntnis haben, wie die Verwaltung im Landkreis funktioniert.
Sepp Hohlweger
(Bündnis 90/
Die Grünen)
Was ist eine persönliche Erfahrung aus dem Landkreis Traunstein, die Sie besonders geprägt hat?
Eine prägende Erfahrung war für mich die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben und Gastgebern während der Corona-Pandemie – sie hat mir gezeigt, wie wichtig Kooperation, Verlässlichkeit und lösungsorientiertes Handeln im Landkreis sind. Diese Erfahrung bestärkt mich darin, als Landrat Brücken zu bauen, Krisen gemeinsam zu meistern und die regionale Wirtschaft aktiv zu unterstützen – mit klarer Kommunikation, starken Partnerschaften und dem Willen, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Wenn Sie Landrat werden: Welche Maßnahme würden Sie umsetzen?
Ich bin überzeugt, dass Mobilität ein soziales Grundrecht ist – und der ÖPNV im ländlichen Raum nur dann funktioniert, wenn er flächendeckend, verlässlich und bezahlbar ist. Auch wenn eine Umlage oder verpflichtende Beteiligung vom Kreistag kritisch gesehen wird, würde ich diesen Schritt gehen – im Wissen, dass dadurch langfristig mehr Menschen vom Auto auf den Bus umsteigen, Klimaziele erreichbar sind und der ländliche Raum gestärkt wird.
Was sollten die Menschen über Sie wissen, das nicht auf dem Wahlplakat steht?
Als Familienvater, Arbeitgeber, erfahrener Unternehmer und Politiker bin ich ganz nah an den Menschen im Landkreis und nehme deren Sorgen wahr. Mit wirtschaftlichem Denken, mit Herz und Verstand setze ich mich mit großem persönlichem Engagement für einen lebenswerten Landkreis für alle Generationen ein. Dabei geht es mir nicht um kurzfristigen Applaus, sondern um nachhaltige, zukunftsfähige Lösungen.
Johann Martz
(Die Linke)
Welche Erfahrung aus dem Landkreis Traunstein hat Sie besonders geprägt?
Ich habe lange eine Wohnung gesucht und auch bei vielen Freunden immer wieder gesehen, wie schwierig es ist, etwas Bezahlbares zu finden. Ohne Vitamin B geht meistens nichts. Deshalb ist bezahlbares Wohnen mein Hauptthema.
Was würden Sie als Landrat sofort ändern?
Ich würde sofort versuchen, den ÖPNV zu erweitern. Mehr Busse, engere Taktung, am Wochenende bis spät in die Nacht. Das wird Geld kosten. Aber für Inklusion, Umwelt und Jugend ist ein gut ausgebauter ÖPNV sehr wichtig.
Was sollten die Menschen über Sie wissen, um Sie richtig einordnen zu können?
Ich bin Arbeiter und verstehe die Probleme der Menschen und den einfachen Wunsch nach einem guten Leben. Abgehobene Reden bringen niemand weiter. Eine günstige Wohnung aber schon.
Hans Wembacher (parteifrei)
Welche persönliche Erfahrung hat Sie geprägt?
Bedeutend für meine Arbeit als künftiger Landrat waren längere Gespräche mit Politikern, etwa dem Altlandrat. Als ich am ersten Tag ins Amt kam, begrüßte mich der Chef-Jurist: „Hier 300 Meter zum Gericht. Dort 100 Meter zum Gefängnis. Das Landratsamt dazwischen. Bedenken Sie immer die Konsequenzen ihres Handelns.“ Deshalb: Transparenz. Ehrlichkeit. Verantwortungsvoll mit Bürgerbeteiligung.
Was wäre eine Maßnahme, die Sie als Landrat umsetzen würden?
Eine digitale Echtzeit-Schaltzentrale für Landkreis und Kommunen: Welche Ausgaben laufen gerade, wo kommen die Einnahmen her? Wie steht es um Energie, Nachhaltigkeit, Wohnraum, Mietspiegel? Welche Projekte sind geplant oder abgeschlossen? Wie hoch sind die Schulden oder Investitionen? Dashboards mit klaren Grafiken, Zahlen, Echtzeitdaten, Fakten übersichtlich. Warum? Transparenz und Fakten sind die Grundlage für richtige Entscheidungen und Rückhalt bei den Mitbürgern, aber nicht jeder mag Transparenz.
Was sollten die Menschen über Sie wissen, um Sie einordnen zu können?
Mir ist sehr wichtig, mich ganzheitlich und objektiv zu informieren. Um selbst Themen klar einordnen zu können, recherchiere ich daher sehr gerne selbst, immer ergebnisoffen, tiefergehend und entlang des kompletten Meinungsspektrums. Nur wer sich mit Fakten, Daten, Interessen und der Geschichte auseinandersetzt und in die verschiedenen Perspektiven hineinversetzen kann, wird das echte Gesamtbild verstehen. Dies ist mir auch als künftiger Landrat wichtig.
Sebastian Gruttauer (AfD)
Was ist eine persönliche Erfahrung aus dem Landkreis Traunstein, die Sie besonders geprägt hat?
Ich spreche nur ungern darüber, aber vor fast elf Jahren verunglückte meine Schwester tödlich bei einem Autounfall. Bis dahin führte ich ein eher unauffälliges Leben. Der Verlust veränderte alles: Ich wollte meinen Eltern, die nun nur noch mich hatten, zeigen, dass sie auf mich zählen und stolz sein können. Seither habe ich viel erreicht und stelle auch an meine Arbeit als Landrat höchste Ansprüche.
Wenn Sie Landrat werden: Was wäre eine Maßnahme, die Sie umsetzen würden?
Ich setze mich für eine nachhaltige und unabhängige Energieversorgung ein. Ein zentraler Baustein ist dabei die Wasserkraft – auch wenn sie aufgrund ihres Eingriffs in die Natur nicht unumstritten ist.
Dr. Ute Künkele (ÖDP)
Was ist eine persönliche Erfahrung aus dem Landkreis Traunstein, die Sie besonders geprägt hat?
Ich bin in Traunstein aufgewachsen und habe Chiemgau und Rupertiwinkl im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit und auf vielen Wanderungen gut kennengelernt. Diese Prägung bestimmt meine politische Arbeit: Wir leben in einer der schönsten Landschaften Deutschlands und dürfen dieses Geschenk nicht verspielen! Naturschutz, bäuerliche Landwirtschaft, Tourismus und heimische Wirtschaft sollten in diesem Sinne vernünftig zusammenarbeiten, anstatt sich in ständiger (Schein-)Konkurrenz gegenseitig zu blockieren.
Welche Maßnahme würden Sie als Landrätin zeitnah umsetzen und warum?
Wenn ich eine der vielen notwendigen Maßnahmen auswählen muss: Einrichtung eines Klimarates. Erkundung neuer Wege zur CO2-Einsparung, Förderung der erneuerbaren Energien in Kooperation mit den Gemeinden und unter Beteiligung der Bevölkerung. Es gibt in Deutschland und im europäischen Ausland mehrere Kreise und Gemeinden, die hier schon viel weiter sind. Aus ihren Beispielen können wir lernen. Hilfreich auch: Verbesserung der Diskussionskultur. Wer eine andere Meinung hat, ist nicht gleich ein Volldepp.
Was sollten die Menschen über Sie wissen, das nicht auf dem Wahlplakat steht?
Die ÖDP steht für qualitatives statt quantitatives Wachstum, um eine für uns, unsere Kinder und Enkelkinder lebenswerte Umwelt zu erhalten oder zu erreichen. Die Ressourcen dieser Erde, darunter elementare wie reine Luft und sauberes Wasser, sind begrenzt. Artenschutz ist Menschenschutz.
Martin Lackner (CSU)
Was ist eine persönliche Erfahrung oder Begegnung aus dem Landkreis Traunstein, die Sie besonders geprägt hat?
In meiner Zeit als Bürgermeister habe ich erlebt, wie viel vor Ort in den Gemeinden durch Ehrenamt und Zusammenhalt bewegt werden kann. Diese Momente haben mir gezeigt: Politik muss den Menschen den Rücken stärken, die anpacken. Als Landrat will ich genau diese Haltung auf den ganzen Landkreis übertragen.
Wenn Sie Landrat werden: Was wäre eine Maßnahme, die Sie umsetzen würden, auch wenn sie möglicherweise zunächst unpopulär ist?
Ich will Politik für die Menschen machen – nicht gegen sie. Mein Ziel ist es, möglichst viele für meine Vorhaben zu gewinnen, bestenfalls sogar zu begeistern. Aber ich scheue auch unbequeme Entscheidungen nicht, wenn sie notwendig sind. Entscheidend ist: offen, ehrlich und transparent zu erklären, warum eine Maßnahme getroffen wird. Mit dieser Art der Kommunikation fahre ich seit 17 Jahren als Bürgermeister und Kreisrat sehr gut.
Was sollten die Menschen über Sie wissen?
Ich bin keiner, der laut auftritt – aber einer, der dranbleibt. Ich höre zu, treffe Entscheidungen mit Weitblick und übernehme Verantwortung. Als Bürgermeister habe ich gelernt, dass nachhaltige Politik kein Schnellschuss ist, sondern solides Handwerk. Und: Ich bleibe auch dann ruhig, wenn es stürmisch wird.