Grassau – Die Grassauer Bauernbühne sorgt seit nunmehr 60 Jahren für beste Unterhaltung und neigt dazu, sich immer wieder neu zu erfinden, wie eindrucksvoll bei der Premiere des Schwanks „Regnwurmorakl“ aus der Feder von Ralph Wallner präsentiert wurde. So war das schöne Bühnenbild mit Darstellung einer armen Fischerhütte bereits eine gelungene Überraschung. Lustige Dialoge, eine aktionsreiche Handlung und schauspielerische Leistung begeisterten das Publikum.
Nicht der große Hefterkultursaal mit dem schweren Vorhang diente dieses Mal als Bühne, sondern der hölzerne Hefterstadel, liebevoll dekoriert. Für Verpflegung sorgten die Theaterleute selbst, boten Getränke und Brotzeiten an. Statt Vorhang gab es lautes Geläut und zur Einstimmung auf den nächsten Akt sangen Angela Polleichtner und Lilly Pavlak über Regenwürmer und deren Eigenschaft, die Zukunft hervorzusagen. Eine lustige und gelungene Einstimmung.
Lumpazi Nassauer (Michael Strehhuber), der Lumpi vom Reifinger Weiher in Grassau, betrachtet seine schönen Würmer, die als Köder für den Fischfang dienen sollen, während seine Gattin Falotta Nassauer „Lotti“, gespielt von Mona Pavlak, den Ofen einheizt. Beide sind eigentlich mit ihrem armen Leben zufrieden, nur ein bisschen mehr Wohlstand würden sich beide wünschen. Schließlich stürmt die Gickerl-Walli (Marianne Strehhuber) in die Hütte und verlangt das gestohlene Holz zurück. Ihr Mann, der Gockerl-Willi (Andreas Heiß), hat derweil nur wenig zu sagen und mit der Verdauung zu kämpfen. Auf eine neue Geschäftsidee kommt Lotti durch das Mumien-Reserl (Sonja Hofmann), das sich für Übersinnliches interessiert und ihr vom „Orakel der Delphine“ berichtet. Für Weissagungen braucht man schließlich nur ein heiliges Tier und nachdem kein afrikanischer Käfer zu finden war, fiel die Wahl auf die Regenwürmer, die schließlich Regen hervorsagen können.
Während die Nassauers mit ihren Regenwürmern und den vielen Kunden beschäftigt sind, schleicht sich ein junger Mann, der hypochondrische Jungbauer Hanser Hasenfuß ein, gespielt von Wolfgang Ullrich. Sein Berater Georg Zasterbauer (André Ofner) glaubt, mit Geld alles kaufen zu können, auch die Zuneigung der Schank Zensi (Claudia Richter), die ihr Herz jedoch an den Jungbauern verloren hat.
Für weitere Verwirrung sorgt zudem die „Huaberin“, die ratschende Nachbarin, gespielt von Regina Petermüller. Die neun Schauspieler begeisterten, allen voran Mona Pavlak, die sich nicht scheute in die Maske einer verlotterten, armen Fischersfrau zu schlüpfen und der es gelang, eine einfache, aber gewiefte Frau zu mimen, die durchaus herrisch, zupackend und austeilend werden konnte. Ebenso gut präsentierte sich Michael Strehhuber, der, wie seine Schwester Mona Pavlak, ebenfalls ein sehr erfahrener Spieler ist, als Fischer vom Reifinger Weiher. Beide zeigten die ganze Bandbreite guten Bauerntheaterspiels in Gestik, Mimik und Aktion. In einer weiteren Hauptrolle begeisterte der Jungbauer Wolfgang Ullrich, der sich ebenfalls sehr wandlungsfähig, auch in der Wahl des mehr oder minder vorhandenen Kostüms zeigte. Die sehr guten Leitungen der anderen Darsteller rundeten die perfekte Vorstellung ab. Keine einfache Aufgabe kam dem Regisseur Albert Strehhuber zu, schließlich galt es, die Schauspieler auf unbekanntem Terrain der Stadelbühne sicher zu dirigieren. Auch Souffleuse Monika Noichl konnte von ihrem Platz dem Stück nur hörend folgen, was besondere Konzentration verlangte. Perfekt wird das Jubiläums-stück durch den Bühnenbau, für den sich Hans Göls, Oliver Pavlak, Albert Strehhuber und Sepp Brunnhuber gemeinsam eingebracht haben. Unterstützt wurden sie von Barbara Gschwendner, die das Bühnenbild kreierte. Zum 60. Geburtstag hat das Theater wieder eine Glanzleistung vollbracht. Man kann sich nur weitere Jahrzehnte mit dieser tollen Truppe wünschen.
Weitere Spieltermine sind am kommenden Sonntag, am 5. Juli und am 12. Juli, jeweils um 20 Uhr, sowie nachmittags ab 17 Uhr am 6. Juli und am 13. Juli. tb